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Umfrage unter Mitarbeitern Personalnot in Psychiatrien - Patienten werden regelmäßig zwangsfixiert

In vielen Psychiatrien klagen viele Mitarbeiter über Personalmangel: Patienten müssen laut einer Umfrage öfter mit Gurten festgehalten werden als nötig. Beschäftigte klagen zudem über Übergriffe auf sie selbst.
Mann in der Psychiatrie - Beschäftigte fordern mehr Zeit für ihre Patienten

Mann in der Psychiatrie - Beschäftigte fordern mehr Zeit für ihre Patienten

Foto: Daniel Bockwoldt/ picture alliance / dpa

In der Psychiatrie wird fast die Hälfte der Mitarbeiter regelmäßig körperlich attackiert. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Demnach gibt es in Kliniken außerdem häufig solche Personalengpässe, dass Patienten zwangsfixiert werden müssen.

Ver.di hatte mehr als 2300 Psychiatrie-Beschäftigte in 168 Krankenhäusern in Deutschland befragt. Hintergrund ist, dass am 19. September eine wichtige Entscheidung zur Personalausstattung in Psychiatrien fallen soll.

Der Gemeinsame Bundesausschuss will über Vorgaben für die Personalausstattung in der Psychiatrie entscheiden. Das ist das höchste Entscheidungsgremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Ver.di-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler mahnte, Signale aus dem Bundesausschuss wiesen bisher in die falsche Richtung. "Das Personal muss dringend aufgestockt werden", sagte Bühler.

Der Umfrage zufolge findet mehr als Dreiviertel der Psychiatrie-Beschäftigten, dass die Besetzung auf ihrer Station knapp oder viel zu gering ist. Ver.di hatte nach Erfahrungen in den vergangenen vier Wochen gefragt.

Die Ergebnisse im Detail:

  • Mehr als zwei Drittel der Beschäftigten meinen, ungefähr die Hälfte oder fast alle Zwangsmaßnahmen, die sie in dieser Zeit im Dienst erlebten, wären mit mehr Personal vermeidbar gewesen. Zwangsmaßnahme heißt: Patienten können mit Gurten festgehalten werden, sodass sie sich selbst oder andere nicht gefährden.
  • Mehr als 80 Prozent der Befragten sagten, ein begleiteter Ausgang für Patienten sei bei Bedarf nur teilweise oder nicht möglich.
  • Mehr als 75 Prozent der Beschäftigten können sich der Umfrage zufolge nicht vorstellen, bei der derzeitigen Personalsituation bis zur Rente in der Psychiatrie zu arbeiten.

Ver.di will am Dienstag mit einem bundesweiten Aktionstag in zahlreichen Einrichtungen auf die prekäre Personalsituation in psychiatrischen Krankenhäusern aufmerksam machen. Das Ziel: Die Zeit, die für die Beschäftigten pro Patient vorgesehen ist, soll erhöht werden.

fok/dpa
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