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Flugbegleiterinnen bei Qatar Airways Wer schwanger wird, fliegt

Frauen würden bei Qatar Airlines systematisch diskriminiert, Flugbegleiterinnen bei Schwangerschaft entlassen, kritisiert die Arbeitsorganisation ILO scharf. Der Chef der Fluglinie tobt: "Ich gebe einen Scheiß auf die ILO."
Flugbegleiterinnen von Qatar Airways: Systematisch diskriminiert?

Flugbegleiterinnen von Qatar Airways: Systematisch diskriminiert?

Foto: ROSLAN RAHMAN/ AFP

Zwischen der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) und Qatar Airways geht es derzeit hoch her. Die ILO hat die arabische Fluggesellschaft zu sofortigen Änderungen im Umgang mit Flugbegleiterinnen aufgefordert. So dürfe Qatar Airways Kabinenpersonal im Falle einer Schwangerschaft nicht automatisch entlassen, auch nicht aus Gründen des Gesundheitsschutzes, erklärte ein ILO-Komitee am Dienstagabend in Genf. Das sei diskriminierend und verstoße gegen das 57 Jahre alte Diskriminierungsverbot am Arbeitsplatz.

Die Arbeitsverträge müssten deshalb entsprechend geändert werden, forderte die ILO. Schwangere Mitarbeiterinnen müssten die Möglichkeit haben, eine Auszeit zu nehmen oder an anderer Stelle im Unternehmen zu arbeiten. Dafür müsse sich auch die Regierung von Katar einsetzen. Qatar Airlines, gegründet 1993, ist die nationale Fluggesellschaft Katars und beschäftigt als Kabinenpersonal 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; vier Fünftel sind Frauen.

Zudem müsse der Golfstaat "unverzüglich" Maßnahmen ergreifen, damit die Mitarbeiter künftig vor einer Heirat nicht mehr die Erlaubnis des Unternehmens einholen müssten, verlangte die Arbeitsorganisation. Nach eigenen Angaben hat Qatar Airways diese Vorschrift bereits aus den Arbeitsverträgen gestrichen. Darüber hinaus kritisierte die ILO Regelungen, dass weibliche Crew-Mitglieder nur von einem männlichen Familienmitglied von der Arbeit abgeholt werden dürften und das Privatleben von Mitarbeitern überwacht werde.

"Es handelt sich um einen Rachefeldzug"

Überprüft hat die ILO die Beschäftigungsbestimmungen von Qatar Airways nach Beschwerden der Internationalen Transportarbeiter-Förderation und des Internationalen Gewerkschaftsbunds. Sie erheben schon lange schwere Vorwürfe gegen die Airline, die schnell wächst und soeben von Passagieren zur beliebtesten der Welt gewählt wurde. Nach Einschätzung von Gewerkschaftern missachtet Qatar Airways Arbeitnehmerrechte und diskriminiert Frauen systematisch.

Akbar Al Baker, Chef der Fluggesellschaft, hat auf die Kritik scharf gekontert und der ILO vorgeworfen, einen Rachefeldzug ("Vendetta") zu betreiben. Damit spielt er offenbar an auf die mehrfache Kritik des Uno-Gremiums, dass Katar beim Stadionbau für die Fußball-WM 2022 internationale Wanderarbeiter ausbeute.

"Ich gebe einen Scheiß auf die ILO - ich habe eine erfolgreiche Fluggesellschaft zu führen", sagte Al Baker bei einer Flugshow in Paris. "Offensichtlich handelt es sich um eine Vendetta gegen Qatar Airways und mein Land, das auf die ILO-Anschuldigungen mit großem Nachdruck geantwortet hat. Wir haben die Klauseln in unserem Vertrag klargestellt."

Laut Darstellung der ILO allerdings hat die Fluggesellschaft die Entlassung schwangerer Mitarbeiterinnen damit begründet, dass es ihnen an körperlicher Fitness für Flugeinsätze fehle und sie die Anforderungen des Berufs nicht erfüllen könnten.

jol/AFP/Reuters
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