Und was machst du? Der Job-Podcast Vom Azubi zum Kreativdirektor – und Netflix-Star
Ayan Yuruk hat den Inhalt seines Kühlschranks nach Farben sortiert. Rot und Orange unten, Grün in der Mitte und Blau ganz oben – »wie ein Regenbogen«, sagt er. Dass das auf Außenstehende irritierend wirken könne und wohl auch nicht für alle Lebensmittel die optimale Lagerart ist, ist dem Kreativdirektor bewusst. Er lacht selbst über sich. Aber: Er kann nicht anders.
Farben, Formen, Texturen, darum dreht sich sein Leben.
Ayan Yuruk (Mitte) steht in der Netflix-Serie »Queer Eye Germany« vor der Kamera mit (von links) Jan-Henrik Scheper-Stuke, David Jakobs, Leni Bolt und Aljosha Muttardi.
Foto: Thomas Schenk / NetflixIn der Netflix-Serie »Queer Eye Germany« ist Ayan Yuruk einer von fünf Mentoren, die in jeder Folge »in ein fremdes Leben hineinhopsen, um dort Stil, Wohnung und Selbstliebe aufzupolieren«, wie es SPIEGEL-Kolumnistin Anja Rützel formuliert. Ihr Fazit der Show ist durchweg positiv: »Die erste Erleichterung beim Anschauen: Hier werden nicht standardmäßig Wände hüfthoch in frech gemeintem Apfelgrün angestrichen.«
Tatsächlich versucht Yuruk in der Show, die Wohnungen der Menschen so einzurichten, dass sie sich selbst darin wohlfühlen – nicht nur so, dass sie besonders Instagram-tauglich aussehen. Er hört sich die Geschichten alter, schiefer Schränke und Kommoden an, bewundert Fotos, Trikots und Sammelfiguren und setzt sie dann neu in Szene. Und so nimmt man den Protagonisten am Ende ab, dass sie sich wirklich über Yuruks Veränderungen in ihrem Zuhause freuen.
Jeder darf sich Interior Designer nennen
Wer das Neugestalten von Räumen zu seinem Beruf machen möchte, hat verschiedene Optionen. So gibt es etwa eine dreijährige Ausbildung zum Raumausstatter oder zur Raumausstatterin. Weit verbreitet ist der Begriff Interior Designer. Diese Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Anders als etwa Innenarchitekt darf sich jeder so nennen. Aber nur Innenarchitekten dürfen auch Änderungen an der Bausubstanz planen.
work2morrow ist die Online-Konferenz von DER SPIEGEL und heise academy zu Themen rund um modernes Arbeiten: Drei Tage voller Input, Denkanstöße und Expertenwissen für mehr Erfolg und Zufriedenheit in einem sich verändernden Arbeitsumfeld.
Seien Sie dabei und sichern Sie sich jetzt Ihr Ticket!
Yuruks Sprungbrett in den Beruf als Kreativdirektor war eine Ausbildung zum Gestalter für visuelles Marketing. »Wenn ich jetzt daran denke, was ich da alles gelernt habe, was ich heute in meinem Beruf tatsächlich auch anwende, ist das grandios«, sagt er.
Yuruk hat eine Firma mit zwei Standbeinen: Mit »Roomz« bietet er individuelle Einrichtungsberatung für Privatpersonen an, mit »Showz« richtet er Shops und Ausstellungsräume für Firmen ein, »Markenerlebniswelten«, wie er es nennt. Zu seinen Kunden zählen der Immobilienkonzern Engel & Völkers, aber auch der Stromkonzern Vattenfall, die Kreditkartenfirma Visa und Handelsriese Amazon.
Eigentlich hatte Yuruk Versicherungs- oder Finanzwirtschaft studieren sollen – zumindest war das die Idee seiner Eltern. »Ich mag mir gar nicht vorstellen, was wäre, wenn ich Banker geworden wäre«, sagt Yuruk. »Da wäre ich ja total eingegangen.«
Schon als Schüler habe er sich gern extravagant gekleidet, sei in komplett pinken Outfits über die ehrwürdige Stuttgarter Königstraße flaniert, habe blaue Haar-Extensions und Piercings im Gesicht getragen. »Ich glaube, ich war schon immer sehr auffällig oder laut, wie ich heute auch bin. Nur habe ich es nicht unter dem Deckmantel queer gemacht, sondern ich war einfach ich. Ich habe aber die Sexualität nicht wirklich akzeptiert.«
Wie ihm seine eigene Kreativität – und Queerness – zum ersten Mal bewusst geworden ist, wie er es geschafft hat, sich vom Azubi bis zum Kreativdirektor hochzuarbeiten und wie er dann auch noch in der Netflix-Sendung gelandet ist, erzählt er im Podcast.
Sie können »Und was machst du?« in allen Podcast-Apps kostenlos hören und abonnieren. Klicken Sie dafür einfach auf den Link zu ihrer Lieblings-App:
Und abonnieren Sie dann den Podcast, um keine Folge zu verpassen. Wenn Sie lieber eine andere Podcast-App nutzen, suchen Sie dort einfach nach »Und was machst du?«. Den Link zum RSS-Feed finden Sie hier.
Die aktuelle Folge hören Sie hier: