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Quereinstieg als Lehrer Die Schule ist kein Zufluchtsort

Letzte Ausfahrt Lehramt? Als Notnagel ist der Lehrerjob nicht zu empfehlen. Aber auch ohne Pädagogik-Studium darf man unterrichten. Nur nicht in jedem Fach.
Dringend gesucht: Mathematiker, die Schüler mögen

Dringend gesucht: Mathematiker, die Schüler mögen

Foto: Corbis

Wissensdurstige junge Menschen auf das Leben vorbereiten, das klingt für viele nach einem Traumjob. Doch wer Lehrer werden will, der sollte erst einmal testen, worauf er sich da einlässt. Dazu rät Ilka Hoffmann, die den Organisationsbereich Schule in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft leitet. Wer von den Schülern nicht abgeschreckt wird, der ist als Quereinsteiger herzlich willkommen - und wird dringend gebraucht. Lehrer fehlen vor allem in Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik.

Aus der Not heraus sollte die Entscheidung nicht fallen, wünscht sich Hoffmann. Dafür sei der Beruf zu fordernd. In einer Hospitanz in der Schule merken Quereinsteiger recht schnell, ob ihnen die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen liegt.

Die Zulassungsvoraussetzungen zum Lehrerberuf ohne Lehramtsabschluss sind je nach Bundesland sehr unterschiedlich. Es braucht auf jeden Fall einen Hochschulabschluss, sagt Hoffmann. Wer Berufserfahrung hat, muss aber nicht einmal zwingend ein Referendariat machen.

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Lehramt-Quereinsteiger: In Berlin kann es jeder schaffen

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Einen Überblick bietet die Internetseite lehrer-werden.de . "Mehrjährige Berufserfahrung spricht für Sie", heißt es dort. Die Autoren der Seite ermuntern qualifizierte Seiteneinsteiger: "Sind Sie diplomierter Absolvent mit technischer, wirtschaftlicher oder kaufmännischer Ausrichtung oder Diplom-Ingenieur, dann sind Ihre Einstellungschancen sehr groß."

Auch Sonderpädagogen werden gesucht

Die Sonderpädagogik wird in der Debatte um Lehrermangel oft vergessen. Dabei fehlen gerade hier Fachkräfte, seit alle Schüler gemeinsam unterrichtet werden. Förderschwerpunkte sind zum Beispiel Sehen und Hören, die emotionale oder motorische Entwicklung.

Allein das Land Niedersachsen stellte zum aktuellen Schuljahr 160 Sonderpädagogen ein, berichtet das Kultusministerium. Erst nach und nach kommen Schulabsolventen, die die Anforderungen erfüllen.

"Gesucht werden hier zum Beispiel Diplom-Heilpädagogen", sagt Schulgewerkschafterin Ilka Hoffmann. Die Schwierigkeit: "Die sind generell nicht von Arbeitslosigkeit bedroht." Doch wer Lust auf die Schule hat, der komme trotzdem.

Nicht überall herrscht Mangel

Wollen Hochschulabsolventen oder Berufstätige an einer Schule unterrichten, sollten sie mindestens ein Jahr Zeit für die Vorbereitung einplanen, sagt Hoffmann. Schon die Formalien zu klären, beanspruche Zeit. "Meist bewirbt man sich als Quereinsteiger beim Bildungsministerium. Bei selbstständigen Schulen bewirbt man sich in der Regel direkt, die schlagen den Kandidaten dann beim Ministerium vor." Privatschulen stellen unabhängig von den Ministerien ein.

In Berlin war der Lehrermangel im vergangenen Jahr so groß, dass das Land Quereinsteiger aufrief, sich zu bewerben. Mehr als 3000 Kandidaten meldeten sich, Pharmazeuten, Journalisten, gescheiterte Unternehmer. Nach einem Vorbereitungsdienst bekommen sie etwa 4500 Euro.

In den kommenden Jahren ist in mehreren Fächern ein Lehrermangel zu erwarten, sagt der Bildungsökonom Ludger Wößmann. Er leitet das Ifo Zentrum für Bildungsökonomik in München. Viele Lehrer seien über 50 Jahre alt, sie werden in einigen Jahren pensioniert.

Gleichzeitig wird allerdings die Schüleranzahl aufgrund des demografischen Wandels zurückgehen, und es werden weniger Lehrkräfte gebraucht. Einen flächendeckenden Lehrermangel über alle Fächer und Bundesländer hinweg erwartet er daher nicht. Er empfiehlt, sich vorab genau zu informieren, wie die Lage im jeweiligen Fach und Bundesland ist.

Burn-out bei Lehramtsstudenten

Lehrer macht ihre stressige Arbeit krank - so lautet das Klischee. Eine neue Studie zeigt jetzt: Bereits viele Studenten haben ein hohes Burn-out-Risiko. Oft, weil sie aus den falschen Gründen Lehrer werden wollen.

isa/dpa