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Ellen Wagner

Hilfe von der Karriereberaterin Mein Team verhält sich rassistisch – was tun?

Ellen Wagner
Ein Gastbeitrag von Ellen Wagner
Eine neue Mitarbeiterin ist am Start, Kollegen machen rassistische Bemerkungen. Wie soll Teamleiterin Susanne jetzt handeln? Coachin Ellen Wagner rät zu klaren Signalen – und wird konkret.
Foto: 10'000 Hours / Digital Vision / Getty Images

Susanne, 43 Jahre, fragt: »Ich bin Führungskraft in einem mittelständischen Unternehmen. Mein Team war bislang sehr homogen, jetzt haben wir erstmalig eine Schwarze Mitarbeiterin dabei. Die neue Kollegin berichtete, dass ein Kollege eine Idee von ihr mit ›wir sind ja nicht in Afrika‹ kommentierte. Sie sagte, dass sie bereits ähnliche Kommentare im Team gehört hätte. Ich weiß nicht, wie ich ihr konkret helfen kann und wie ich das Thema am besten im Team ansprechen soll.«

Ellen Wagner ist Expertin für Diversity, Equity und Inclusion und arbeitet mit Kunden, Kundinnen und Unternehmen in Deutschland und den USA. Sie unterstützt Organisationen bei der Schaffung einer inklusiven Unternehmenskultur und Individuen, externe und interne Barrieren zu überwinden.

Liebe Susanne,

zunächst einmal ein großes Lob, wie ernst Sie das Problem der Diskriminierung in Ihrem Team nehmen und dass die Teammitglieder sich an Sie wenden können! Es ist immer eine Herausforderung, neue Mitarbeitende in ein bestehendes Team aufzunehmen. Die Aufgabe wird sicherlich komplexer, wenn die Person die »Erste« ist – in Ihrem Fall die erste Schwarze Mitarbeiterin.

Rassismus und Sprache

Rasse: Der Begriff Rasse beschreibt auf Menschen angewendet keine vermeintlich biologische Realität - die genetischen Unterschiede zwischen Menschen einer angeblichen "Rasse" können größer sein als die zwischen Menschen, die irrtümlich unterschiedlichen "Rassen" zugeordnet werden. Der Begriff ist daher selbst Ausdruck und Folge einer rassistischen und vielfach widerlegten Grundannahme. "Rasse" ist kurz gesagt eine tödliche Fiktion. 

In aktuellen Debatten entstehen viele Missverständnisse durch die falsche Übersetzung des englischen Begriffes "race", in den nach jahrhundertelangem Widerstand die Erkenntnis der sozialen Konstruktion, der "Uneigentlichkeit“ eingelassen ist. Ein weiteres Missverständnis betrifft die Verkürzung von Rassismus allein auf die "Hautfarbe“ - denn gruppenspezifische Formen von Rassismus wie beispielsweise Anti-Schwarzer Rassismus werden von Personen mit durchaus unterschiedlichen "Hautfarben" erlebt.

People of Color (Singular Person of Color): People of Color (kurz: PoC) ist eine politische Selbstbezeichnung von und für Menschen, die über einen geteilten Erfahrungshorizont in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft verfügen. PoC verbinden geteilte Rassismus- und Ausgrenzungserfahrungen, sowie kollektive Zuschreibungen des "Andersseins".

Schwarze Menschen: Schwarze Menschen ist eine politische Selbstbezeichnung, die einen gemeinsamen historischen und/oder gegenwärtigen Erfahrungshorizont beschreibt, keine "biologische" Eigenschaft (wie bspw. Hautfarbe) oder die Zugehörigkeit zu einer "ethnischen Gruppe". Schwarz wird in diesem Zusammenhang immer mit großem S geschrieben, um die sozial konstruierte Zuschreibung, gesellschaftliche Position sowie die Geschichte und Gegenwart des Widerstandes von Menschen, die von Rassismus betroffen sind, hervorzuheben. 

Was würden Sie normalerweise tun, wenn es im Team Konflikte gibt? Wahrscheinlich würden Sie ein Gespräch mit den betroffenen Teammitgliedern suchen. Ich vermute aber, dass Sie Respekt vor einer solchen Unterhaltung haben, wenn es um ein so aufgeladenes Thema wie Rassismus geht. Das kann ich gut verstehen, und Sie sind mit dem Gefühl nicht allein.

Trotz der verständlichen Unsicherheit ist es sehr wichtig, dass Sie das Thema im Team ansprechen. Allen Teammitgliedern muss klargemacht werden, dass ein solches Verhalten herablassend und rassistisch gegenüber der Kollegin ist. Machen Sie Ihrem Team sehr deutlich, dass es sich bei diesem Vorfall um klarem Rassismus handelt und selbst unreflektiert getätigte Aussagen verletzend und nicht entschuldbar sind. Doch als Coachin weiß ich: Selbst viele eindeutig rassistische Aussagen sind aber in erster Linie nicht verletzend gemeint, sondern werden lediglich ohne Empathie und Nachdenken getätigt.

Fehlende Diversität

Warum passieren Vorfälle dieser Art so häufig? Im Privatleben umgeben wir uns in der Regel mit Menschen, die uns ähnlich sind. Daher ist es oft so, dass zum Beispiel weiße Menschen nur sehr wenig Kontakt zu Schwarzen Menschen haben. Im Arbeitsumfeld kann sich das plötzlich ändern – das bedeutet aber auch, dass man sich erst in der Arbeitswelt zum ersten Mal mit dem Thema Rassismus auseinandersetzt.

Unwissenheit

Wenn Sie und Ihr Team sich noch nicht viel mit Rassismus beschäftigt haben, kann es sein, dass Sie gar nicht erkennen, wenn sich die Schwarze Kollegin verletzt fühlt. Erzählt Ihnen Ihre Mitarbeiterin, dass sie sich diskriminiert fühlt, ist es wichtig zu verstehen, warum das so ist und wie Sie und das Team angemessen reagieren können.

Angst vor Fehlern

Vielleicht fällt Ihnen das Gespräch mit Ihrem Team schwer, weil Ihnen das Wissen und die Sprache zum Thema Rassismus fehlen. Häufig ist es ein Tabu, darüber zu reden. Es ist unangenehm, sich über Themen zu unterhalten, über die man wenig weiß. Deshalb schweigen viele Menschen, die nicht von Rassismus betroffen sind, weil häufig die Angst mitschwingt, etwas Falsches zu sagen. Schwarze Menschen sagen aber auch lieber nichts, um nicht als Problemfall dazustehen. Hier sind drei Tipps, wie Sie das Thema konkret angehen können.

1. Weiterbildungsangebote schaffen

Bevor Sie sich mit Ihrem Team über Rassismus unterhalten und Lösungen finden können, ist es hilfreich, Begriffe und Definitionen kennenzulernen. Hierbei eignen sich zum Beispiel interaktive Workshops, in denen Fragen gestellt werden können, aber auch Vorträge oder Podiumsdiskussionen mit Schwarzen Vortragenden. Achten Sie darauf, dass die Menschen, die das Wissen vermitteln, nicht nur über sehr gute Fachkenntnisse zu dem Thema verfügen, sondern auch Konfliktmanagement beherrschen. Der Lernprozess ist für die meisten Beteiligten ungewohnt, unkomfortabel und emotional. Deswegen ist eine professionelle Moderation, die die verschiedenen Perspektiven versteht, sehr wichtig.

2. Mitarbeitende ermutigen, über Rassismus zu sprechen

Sind die Begriffe zum Thema Rassismus geklärt und von allen verstanden, kann im Team gut darüber gesprochen werden. Eine gute Idee ist es, das Team zu monatlichen Gesprächsrunden zusammenzubringen. Dort gibt es Raum für Fragen und eigene Erfahrungen zu dem Thema Rassismus, aber auch zu anderen Diskriminierungen etwa wegen Geschlecht, Alter oder Behinderungen. Fühlen Sie sich als Führungskraft noch unsicher, kann am Anfang eine externe Moderation hinzugezogen werden und die Gruppe begleiten. Über die eigenen Vorurteile und Gefühle zu sprechen, braucht Übung! Deswegen sind Geduld und Empathie von Ihnen als Führungskraft sehr wichtig.

3. Absicht und Wirkung trennen

Verletzen wir Menschen unbewusst mit unseren Worten, erkennen wir oft nicht den Schmerz der betroffenen Person. Häufig wird gesagt, dass es ja keine Absicht war. Trotzdem: Die Wirkung, der Schmerz, bleibt. Würden Sie beispielsweise einer Person beim Ausparken über den Fuß fahren, würden Sie sich selbstverständlich entschuldigen, Wiedergutmachung anbieten und in Zukunft besonders aufpassen. Eine solche Reaktion ist aber auch bei unsichtbaren Verletzungen angebracht.

Liebe Susanne, Sie sind auf einem guten Weg! Sie haben das Problem in Ihrem Team erkannt und wollen dafür sorgen, dass es wirklich zusammenwächst. Haben Sie keine Angst, Fehler zu machen – wir können alle nur wachsen, wenn wir bereit sind zu lernen.

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