Beschluss des Bundesrats Neue Regeln für den Arbeitsplatz

Freie Sicht vom Schreibtisch nach draußen und eine Ablage für Jacken: Firmen müssen sich auf neue Regeln für Arbeitsplätze einstellen. Der Bundesrat hat für einen Entwurf gestimmt - nach jahrelangem Gezerre.

Sekretärin am Schreibtisch (Symbolbild)
DPA

Sekretärin am Schreibtisch (Symbolbild)


Nach jahrelangem Ringen kommen auf die Unternehmen neue Regelungen über die Gestaltung von Arbeitsplätzen zu. Der Bundesrat hat am Freitag einem entsprechenden Verordnungsentwurf für einen besseren Schutz der Arbeitnehmer zugestimmt.

Anfang 2015 war eine über Jahre vorbereitete Vorlage für eine solche Verordnung nach Protesten der Arbeitgeber gestoppt worden. Konkretisiert wurden nun unter anderem Vorschriften für Fenster am Arbeitsplatz.

Dauerhaft eingerichtete Arbeitsplätze und sonstige große Sozialräume müssen Sichtverbindung nach draußen haben. Nur in besonderen Fällen, etwa in Flughäfen, Bahnhöfen, Sportstadien oder Einkaufszentren, sind Ausnahmen erlaubt.

Zeitweise sollte die Vorgabe für alle von Arbeitnehmern genutzten Räume gelten - was fensterlose Kaffeeküchen und Bahnhofsläden gefährdet hätte.

Keine abschließbaren Kleiderschränke

Viel Wirbel hatte es auch darum gegeben, dass zunächst abschließbare Kleiderschränke vorgesehen waren. Nun soll eine Kleiderablage zur Verfügung stehen, sofern keine Umkleideräume vorhanden sind. Abschließbar muss die Ablage jedoch nicht sein.

Die Verordnung enthält auch Regeln für Bildschirmarbeitsplätze oder für die Unterweisung der Beschäftigten etwa im Fall eines Brands.

Das Kabinett hatte bereits im Oktober 2014 über einen Entwurf abgestimmt. Arbeitgeber hatten die geplante Änderung jedoch scharf kritisiert und unter anderem im Hinblick auf die abschließbaren Kleiderschränke von absurden Vorgaben gesprochen.

Über den Kompromiss wolle nun auch das Kabinett zeitnah abstimmen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine".

Studenten-Fotos: So sieht mein Schreibtisch aus
  • zzz.lig
    Bananen, Kaffee, Klebezettel: Jeder hat sein eigenes System beim Lernen. Studenten haben SPIEGEL ONLINE auf ihren Schreibtisch blicken lassen.
  • Hier sind die Bilder.

lov/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
alexanderschleissinger 24.09.2016
1.
Frage: Was genau ist falsch daran, wenn man den AG verpflichtet, abschließbare Schränke zur Verfügung zu stellen? Jedes Fitnessstudio schafft das...
wolbit 24.09.2016
2. Lobby
Da war die Lobby wieder mal aktiv. Es.ist unglaublich wie die Politik immer wieder einknickt.
Moment_of_Zen 24.09.2016
3.
Komplett wirklichkeitsfremde Dinge. Man merkt das das Gros der Politiker (und der Kommentatoren über mir) davon ausgehen das jeder einen gemütlichen Schreibtischjob hat. A) Nicht jeder Arbeitgeber hat den Platz für abschliessbare Spinde. (wie früher gefordert und jetzt immer noch von Spon Lesern) B) Freie Sicht? Was machen Fabrikarbeiter? Oder Ingenieure in oft bunkerartigen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen? Oder Labore? Fenster sind nicht selten absolut Taboo am Arbeitsplatz und das zu Recht. Unglaublich? Ja unglaublicher Schwachsinn. Brücken zerfallen reihenweise, Schulen sind marode, in den Großstädten finden die Leute keine Wohnung auch nicht gegen Geld und gute Wort, gegen Minderheiten wird offen diskriminiert, die NSAfD marodiert offen durch die Landschaft und vergiftet Brunnen, aber Hauptsache Frau Paschulke kann ausm Fenster gucken. Doll. Merkt da in Berlin noch irgendjemand irgendwas?
rambazambah 25.09.2016
4. @Moment_of_Zen
Sie gehen dafür davon aus, dass ein Schreibtischjob gemütlich ist. Manch einer mag das sein, meiner ist es nicht. Ich teile mir das Büro mit dem Seniorchef und den beiden Juniorchefs des Familienunternehmens, für das ich arbeite. Im übrigen gibt es darin nur 3 Schreibtische, 2 völlig überfüllte Regale und einen Monsterdrucker. Das Büro ist 12m² groß. Gemütlich für den, der's so nennen will. Laut, stickig und nervig nenne ich das. Konzentriertes Arbeiten ist kaum möglich, ständig muss ich meinem Equipment (Taschenrechener, Lineal, Kuli, Locher, Schreibblock) hinterherrennen, weil sich die Herren frei bedienen. Ich habe ein Fenster. Davor fahren den ganzen Tag Gabelstabler (die, wie alle Baumaschinen, beim Rückwärtsfahren piepsen) und LKWs. Wenn es mir zu laut wird und ich über Banalitäten wie Marketingstrategien brüten muss, gehe ich mit meinen Notizen vor die Türe und suche mir eine ruhige Ecke. Die Lagermitarbeiter gehen darum davon aus, dass sich den ganzen Tag nichts tue, außer in meinem gemütlichen Büro zu sitzen und ab und mich ab und an bei einem Spaziergang zu entspannen. Aber: nach langer Arbeitslosigkeit bin ich gottfroh, ein gesichertes Einkommen zu haben. Ich erledige meine Arbeit, lasse nichts liegen und ignoriere die Unzulänglichkeiten, anstatt mich darüber aufzuregen. Die Energie ist anderso sinnvoller eingesetzt.
ansv 25.09.2016
5. Vorgabe ist halt Vorgabe...
Mein erster Gedanke war auch "wo sollen jetzt abschließbare Kleiderschränke hin?" - und dann fiel mir ein: im Keller unter dem Treppenabsatz ist noch Platz. Dort könnte es solche Schränke geben, wie sie in Schwimmbädern üblich sind. Die Benutzung wird den meisten MitarbeiterInnen wahrscheinlich zu umständlich sein, denn wir leben in einer Blase der Glückseligen, in der sich bisher Diebstähle auf Kugelschreiber und Schokolade beschränken. Aber Vorgabe ist halt Vorgabe. Das mit den Fenstern ist allerdings deutlich schwieriger. Die MitarbeiterInnen, die sich in den eng belegten Büroräumen durch Stellwände etwas Privatsphäre verschafft haben, werden nicht glücklich sein, wenn diese dann wieder abgebaut werden müssen. Aber Vorgabe ist halt auch hier Vorgabe...
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