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Arbeiten im Ausland Als Mitbringsel ein Rentenpunkt

Bali statt Bayern, Sandstrände statt Schneewehen: Vom Auswandern träumen viele Menschen. Wer den Schritt in die Ferne wagt, sollte auch an seine Rente denken. Am besten vor dem Umzug.
Auch der Herbst hat schöne Tage: Rentner in Florida

Auch der Herbst hat schöne Tage: Rentner in Florida

Foto: Corbis

Viele Menschen zieht es in die Ferne. Was die meisten bei ihren Auswanderungsphantasien am wenigsten im Kopf haben, ist die Rente. Doch wer allein oder mit der Familie für unbestimmte Zeit ins Ausland zieht, sollte vorsorgen. Grundsätzlich gilt: Rentenzahlungen können Arbeitnehmer aus verschiedenen Ländern erhalten. Dafür müssen aber Mindestversicherungszeiten eingehalten und Rentenanträge rechtzeitig ausgefüllt werden.

"Mit der gesetzlichen Rentenversicherung des Gastlandes sollte man sich frühzeitig auseinandersetzen", sagt Stefanie Kühn, Finanzberaterin aus Grafing bei München. Informieren sollte man sich vor allem über die Mindestzeit, die man in dem Land arbeiten muss, um später Rente zu bekommen: "Nicht, dass man einen Monat zu früh nach Deutschland zurückkehrt und dann keine Rente erhält."

In Deutschland gilt eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren. Dann hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Rente, wenn er die gesetzliche Altersgrenze erreicht hat. Diese wird zurzeit von 65 auf 67 Jahre angehoben.

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Büro am Strand: Auf der Sonnenseite des Arbeitslebens

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Wie hoch die Rente ist, kommt auf viele Faktoren an: "Dazu gehören beispielsweise die Dauer der Beitragszahlung und die Höhe des versicherungspflichtigen Einkommens, eventuelle Kinderbetreuungszeiten, das Alter, ab dem die Rente gezahlt wird", erklärt Dirk von der Heide von der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Für die Rentenkasse ist es ein Unterschied, ob ein Arbeitnehmer von einem deutschen Arbeitgeber für ein oder zwei Jahre in eine ausländische Niederlassung entsendet wird oder ob er einen Job bei einem ausländischen Arbeitgeber für noch längere Zeit annimmt. "Da ist ein ganz anderes Recht anzuwenden", sagt Anke Voss vom Bundesverband der Rentenberater. Selbst aktiv werden müssen Arbeitnehmer in der Regel nur, wenn sie einen Job bei einem ausländischen Arbeitgeber annehmen.

Erstes Gebot: Belege sammeln, überall

In diesem Fall ist es empfehlenswert, sich bei der Auslandsabteilung seines Rententrägers nach Formalitäten zu erkundigen, rät Rentenberaterin Voss. Wichtig ist, darauf zu achten, dass der Antrag korrekt bearbeitet werde. Abgesehen davon gelte die Regel, die für jede Kommunikation mit Behörden und anderen wichtigen Institutionen gelte: "Man sollte Belege auch im Ausland sammeln." Häufig missachteten Menschen das und hätten dann beim Renteneintritt keinen Nachweis über ihre Beitragszahlungen.

Gehen Beschäftigte in Rente, stellen sie ihren Rentenantrag beim zuständigen Träger des Landes, in dem sie ihren Wohnsitz haben, erklärt von der Heide. "Zeiten einer Beschäftigung außerhalb des Wohnsitzstaates sollte der Arbeitnehmer in diesem Antrag angeben", erklärt er. "Dann leitet die Rentenversicherung des Wohnsitzstaates das Rentenverfahren auch in den übrigen Staaten ein." Unproblematisch ist dies für die Mitglieder der Europäischen Union, in Island, Liechtenstein, Norwegen, der Schweiz und Staaten, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht.

Hat der Arbeitnehmer seinen Wohnsitz in einem Staat, mit dem es kein Abkommen gibt, muss er die deutsche Rente über die Deutsche Rentenversicherung beantragen. Vordrucke dafür findet er auf deren Internetseite.

"Es gibt die Möglichkeit, freiwillig weiter Beiträge in die Deutsche Rentenversicherung einzuzahlen", sagt Voss. Ob sich das lohne, müsse im Einzelfall geprüft werden. "Die Zahlung freiwilliger Beiträge kann sinnvoll sein, wenn man in Nicht-EU-Ländern arbeitet, mit denen auch kein Sozialversicherungsabkommen besteht", erklärt von der Heide. In diesen Fällen können nämlich die dortigen Beitragszeiten in der deutschen Rentenversicherung nicht berücksichtigt werden, so dass Lücken entstehen könnten.

Abgesehen von Fragen zur Rente sollten sich Arbeitnehmer auch im Ausland um private Vorsorge kümmern, rät Kühn. Wie immer gelte die Losung: "Mache dir Gedanken, wie viel Geld du im Alter haben willst und berechne, wie viel du dafür sparen musst." Viele ihrer Kunden behielten ihre deutschen Konten und Depots. "Sie durchschauen die Anlagen im Zielland nicht."

Sandra Ketterer/dpa/end