Praktikanten-Dumping Rewe will Konsequenzen ziehen

Nachdem bekannt wurde, wie der Inhaber eines Rewe-Marktes eine unbezahlte Praktikantin ausnutzte, versucht sich der Lebensmittelhändler in Schadensbegrenzung. Doch wie nachhaltig kann ein Zusammenschluss selbständiger Händler Personalpolitik betreiben?

Neuester Clou bei Rewe: Die Rewe-to-go Märkte, eine Art Tankstelle ohne Benzin
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Neuester Clou bei Rewe: Die Rewe-to-go Märkte, eine Art Tankstelle ohne Benzin

Von Helene Endres


Diese Woche verurteilte das Arbeitsgericht Bochum den Betreiber eines Rewe-Marktes, einer unbezahlten Praktikantin rückwirkend 17.281,50 Euro Lohn zu zahlen - für über acht Monate Arbeit an Kasse, Regal und im Lager. Zudem soll sie nicht die Einzige sein, die in diesem Rewe-Markt unbezahlte Dienste leistete, die weit über die Aufgaben eines Praktikanten hinausgingen.

Rewe distanziert sich von diesen Dumping-Praktiken. Florian Sörensen, Geschäftsbereichsleiter Einzelhandel bei Rewe betont gegenüber dem KarriereSPIEGEL, "dass die Vorgehensweise des Kaufmanns in keiner Weise mit den Richtlinien und Grundsätzen der Personalpolitik der Rewe Dortmund vereinbar ist. Die Rewe Dortmund wird aus dem Fall entsprechende Konsequenzen ziehen." Welche das sein werden, bleibt bislang offen. Auf weitere Nachfragen gab es keinen Kommentar.

Wo Rewe draufsteht, ist nicht immer Rewe drin - zumindest rechtlich. Denn ähnlich wie Edeka ist der Konzern genossenschaftlich organisiert. Das heißt: Unter der Dachmarke Rewe arbeiten Einzelunternehmer als selbständige, unabhängige Kaufleute. Jeder ist selbst verantwortlich für seinen Markt und handelt auch in Personalangelegenheiten eigenständig und unabhängig. Ein System, auf das Rewe nach eigenen Angaben stolz ist, weil es für "Unternehmertum, Eigenverantwortung, Kundennähe" steht, so der Händler in seinem Unternehmensleitbild. Jetzt fällt es Rewe auf die Füße.

Passt nicht ins Bild als Traumarbeitgeber

Handlungsbedarf ist da, arbeitet die Unternehmenszentrale doch mit aufwendigen Werbefilmchen und Wettbewerben daran, Azubis für die Ausbildung im Haus zu begeistern. Mit dem Motto "Rewelution" präsentiert sich der Händler als Traumarbeitgeber.

Gerade läuft mit dem "Rewe Group Star" ein interner Wettbewerb an für Auszubildende und Nachwuchskräfte der Rewe Group. Sie sollen verschiedene Nachhaltigkeitsprojekte realisieren, es lockt eine "glamouröse Veranstaltung", so Rewe.

Nicht nur deshalb kommt das Urteil für die Supermarktkette zur Unzeit: Am Donnerstag verkündete der Lebensmittelhändler seine Umsatzzahlen des vergangenen Jahres und freute sich über einen historischen Höchststand bei Umsatz und Ergebnis. Gruppenweit stiegen 2013 die Erlöse aus fortgeführtem Geschäft nach vorläufigen Berechnungen um 2,9 Prozent auf 50,6 Milliarden Euro. Darin enthalten ist auch der Beitrag der selbständigen Kaufleute.



insgesamt 28 Beiträge
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fridericus1 27.03.2014
1. Diese ganze Franchisescheisse ...
... wälzt das Risiko auf einen armen Willi ab, der verzweifelt versucht, trotz der knebelnden Vorgaben der lieben Mutti noch irgendwie Gewinn zu erwirtschaften. Und jetzt wird er auch noch öffentlich angemacht. Das seine Vorgehensweise hanebüchen ist, steht auf einem anderen Blatt.
mali123 27.03.2014
2. Boykott
einfach bei Rewe eine Zeit lang nix kaufen. Ich mache es so z.B. mit Coca Cola und kaufe die Produkte nicht mehr. Ich habe während meines Praktikums mit einem ehemaligen Cola-Mitarbeiter gearbeitet. Er hat mir erzählt, dass dort teilweise 5 Euro gezahlt werden. Seit dem kaufe ich keien Coke mehr.
glen13 27.03.2014
3.
Zitat von sysopDPANachdem bekannt wurde, wie der Inhaber eines Rewe-Marktes eine unbezahlte Praktikantin ausnutzte, versucht sich der Lebensmittelhändler in Schadensbegrenzung. Doch wie nachhaltig kann ein Zusammenschluss selbständiger Händler Personalpolitik betreiben? http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/rewe-distanziert-sich-von-haendler-der-praktikantin-17-000-zahlen-muss-a-961064.html
Natürlich kann man jetzt reflexartig über Rewe herfallen, aber das wäre nicht richtig. Ein Händler, der zudem selbständig als Franchisenehmer arbeitet, meinte, sich bereichern zu können. Rewe ist im großen und ganzen kein schlechterer Arbeitgeber als andere Einzelhandelsunternehmen. Allerdings müßte die Rewe Zentrale diesem Händler nun aus besonderen Gründen kündigen. Wenn das passiert, glaube ich der Rewe Zentrale.
abcstudent 27.03.2014
4. ist doch überall so
es gibt viele Filialen die eigenständig als GmbH geführt werden. Die Gehälter bestimmen sie selber. Die Preise auch. Das Gibts von REWE bis Media Markt.
Dreimal schwarzer Kater 27.03.2014
5.
Zitat von abcstudentes gibt viele Filialen die eigenständig als GmbH geführt werden. Die Gehälter bestimmen sie selber. Die Preise auch. Das Gibts von REWE bis Media Markt.
Es ist doch ein Unterschied. Denn eine GmbH kann Tochterunternehmen eines Konzerns sein. Damit ist der Gesellschafter der Konzern und der angestellte Geschäftsführer weder Eigentümer noch selbständig. Hier ist das anders. Der Rewemarkt wird von einem selbständigem Kaufmann geführt, gehört also nicht zum Konzern, wobei, wie im Artikel beschrieben Rewe eine Genossenschaft ist, somit also der umgekehrte Fall gegeben ist. Der Beitreiber besitzt somit Anteile an REWE. Was allerdings der Unterschied zwischen einer Genossenschaft und einem Franchisesystem ist, scheint dem einen oder anderen hier nicht so richtig klar zu sein ...
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