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Supermarkt-Praktikantin Rewe trennt sich von Ausbeuter-Chef

"Das verstößt gegen unsere genossenschaftlichen Werte": Rewe schmeißt einen Bochumer Supermarktleiter raus. Er hatte eine Praktikantin acht Monate ohne Gehalt arbeiten lassen und wurde zu einer Nachzahlung von 17.000 Euro verurteilt.
Die Rechnung, bitte: Ein Supermarktleiter sparte am Personal - und musste selbst gehen

Die Rechnung, bitte: Ein Supermarktleiter sparte am Personal - und musste selbst gehen

Foto: Inga Kjer/ picture alliance / dpa

Rewe in Dortmund hat sich von einem Marktbetreiber getrennt, der einer Praktikantin acht Monate lang kein Geld gezahlt hatte. Der Fall war publik geworden, weil das Arbeitsgericht Bochum den Leiter vergangene Woche zu einer Nachzahlung von rund 17.000 Euro an die junge Frau verurteilt hatte.

Bereits kurz danach kündigte das Unternehmen Konsequenzen an. Am Dienstagnachmittag erklärte Rewe nun, man habe sich von dem Marktleiter getrennt.

"Es gibt in der Rewe-Group keinen Platz für Verstöße gegen Gesetze und soziale Standards", erklärte Martin Brüning, der Sprecher der Handelskette. Das Gebaren verstoße gegen die "genossenschaftlichen Grundwerte", die "sowohl für Mitarbeiter als auch für Kaufleute" Geltung hätten.

Nach Rewe-Angaben hatte der selbständige Kaufmann einen Partnermarkt, also eine selbständig geführte Filiale, betrieben. Als Einzelunternehmer mit einer eigenständigen, kleinen Gesellschaft handele er auch in Personalangelegenheiten unabhängig. "Das entlässt ihn selbstverständlich nicht aus der Pflicht, seinen Markt tagtäglich nach den genossenschaftlichen Grundwerten der Rewe-Group zu führen und sich an Recht und Gesetz zu halten", unterstrich Brüning.

Der Konzern führt den Betrieb weiter

Nun hat man sich mit dem Marktleiter darauf verständigt, dass er seinen Markt verlässt. Die Dortmunder Rewe-Handelsgesellschaft führt das Geschäft weiter und setzt einen eigenen, angestellten Manager ein. Offenbar will Rewe für den langfristigen Betrieb einen neuen selbständigen Kaufmann finden.

Die Praktikantin, die sich vor Gericht durchsetzen konnte, hatte acht Monate lang an Kasse, Regal und im Lager des Bochumer Marktes gearbeitet - mit weit mehr Aufgaben, als man normalerweise von einem Praktikanten verlangt. Mit der Aussicht auf einen Ausbildungsplatz war sie immer hingehalten worden. Schließlich klagte sie gegen die ausbeuterischen Praktiken.

Der Richter schlug zunächst einen Vergleich vor, der den Arbeitgeber 13.000 Euro gekostet hätte. Er lehnte ab und bekam als Strafe eine Nachzahlung von 17.281,50 Euro aufgebrummt. Nun verliert er auch noch seinen Posten.

mamk/afp