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Auszeit vom Job So überzeugen Sie den Chef

Die nächsten Wochen würden Sie lieber am Strand statt im Büro verbringen? Das ist legitim - Ihrem Chef aber vermutlich relativ egal. Wer ein Sabbatical plant, braucht gute Argumente und eine schlaue Taktik.
Raoul Meier, 35, reiste sechs Monate lang um die Welt.

Raoul Meier, 35, reiste sechs Monate lang um die Welt.

Foto: TMN

Ausgerechnet seine Beförderung schien Raoul Maier, 35, die perfekte Gelegenheit, um seinen Chef um eine Auszeit zu bitten. Wer viel für die Firma geleistet habe, der könne auch mit Unterstützung fürs Sabbatical rechnen, meinte der Unternehmensberater. Und tatsächlich konnte er seinen Vorgesetzten überzeugen: Ein halbes Jahr lang reiste er mit seiner Verlobten um die Welt. Australien, Neuseeland, Tibet, China, Nepal, Hongkong und Hawaii standen auf ihrer Liste.

"Das Gespräch mit dem Chef ist der Dreh- und Angelpunkt", sagt Andrea Oder aus Berlin. Sie hat sich auf die Beratung von Möchtegern-Aussteigern spezialisiert. Wichtig sei vor allem eine gute Argumentation: Warum ist die Pause gerade jetzt so wichtig? Und welche Vorteile bringt sie der Firma? Sei es, dass man nach dem Sabbatical wieder mit Elan zurückkehre, im Ausland wertvolle Sprachkenntnisse erwerbe oder durch einen weiteren Studienabschluss Kompetenzen dazugewinne, "wenn ein Gewinn für die Firma sichtbar wird, hat der Vorgesetzte einen größeren Anreiz zuzustimmen".

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Menschen im Sabbatical: Tausche Büro gegen Strand

"Oftmals sind die Vorgesetzten kooperativer als vermutet, denn die meisten können einen solchen Wunsch durchaus nachvollziehen. Schließlich möchte jeder Arbeitgeber motivierte und kreative Mitarbeiter und niemanden, der kurz vor einem Burn-Out steht", sagt auch Iris Gadischke, die in Frankfurt die "AuszeitAgentur" betreibt. Wichtig sei, gut vorbereitet in das Gespräch mit dem Chef zu gehen. "Im Kopf sollte man bereits die Antworten auf mögliche Fragen haben: Wer könnte meinen Job in der Zeit übernehmen? Wie schnell könnte ich einen Nachfolger einarbeiten? Ist das wichtige Projekt nicht ohnehin gerade erfolgreich abgeschlossen?"

Nur drei Monate oder gleich ein ganzes Jahr?

Für den Ausstieg auf Zeit gibt es drei Varianten: Man kann Überstunden oder Urlaubstage auf einem Arbeitszeitkonto ansparen, unbezahlten Urlaub nehmen oder für einige Monate auf einen Teil des Gehalts verzichten und sich diesen dann während des Sabbaticals auszahlen lassen. So ist man weiter kranken- und rentenversichert.

Andrea Oder rät, das Chef-Gespräch vorher mit Freunden zu proben und sich auch auf negative Reaktionen gefasst zu machen: Wen könnte man einarbeiten? Muss es gleich ein Jahr sein oder reichen auch drei Monate Auszeit? "Wenn ich klar machen kann, dass ich an einem reibungslosen Ablauf interessiert bin, wirkt das engagiert", sagt Oder. Es sei wichtig zu zeigen, dass einem die Arbeit am Herzen liege.

Raoul Maier musste seine Reise dreimal um ein paar Wochen nach hinten verschieben, weil immer wieder Projekte dazwischenkamen. "So habe ich aber gezeigt, dass ich die Firmeninteressen vorne anstelle - was auch meine Vorgesetzten zu schätzen wussten", sagt er. "Man muss immer erst einmal ein paar Chips einzahlen, bevor man sich wieder welche herausnehmen kann."

Maria Fiedler/dpa/vet