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Job & Karriere

Bernd Slaghuis

Tipps vom Karrierecoach Hilfe, mein Feedback war mies

Bernd Slaghuis
Ein Gastbeitrag von Bernd Slaghuis
Ein Gastbeitrag von Bernd Slaghuis
Teamleiter Sebastian hat bei der anonymen Mitarbeiterbefragung schlecht abgeschnitten. Er versteht nicht recht, warum das Team unzufrieden ist – wie kann er die Sache ansprechen?
Der Job ist kein Bällebad – wie schafft man es, dass sich alle im Team gehört fühlen?

Der Job ist kein Bällebad – wie schafft man es, dass sich alle im Team gehört fühlen?

Foto: We Are / Getty Images

Sebastian, 41 Jahre, fragt: »Ich bin Teamleiter. In unserer Firma gibt es ein 360-Grad-Feedback, bei dem auch die Mitarbeitenden ihre Vorgesetzten bewerten. Ich habe bei zwei Fragen schlecht abgeschnitten: Weniger als die Hälfte fand, dass ich es gut verstehe, die Zusammenarbeit im Team zu fördern, und genauso wenige fanden, dass ich ›mit gutem Beispiel vorangehe‹. Ich nehme mir beides sehr zu Herzen, aber weil das Feedback anonym ist, weiß ich gar nicht genau, worum es den Mitarbeitenden geht. Wie kann ich das im Team ansprechen? Oder sollte ich Einzelgespräche führen?«

Zum Autor

Bernd Slaghuis ist Karrierecoach und hat seit 2011 in seinem Kölner Büro  mehr als tausend Angestellte und Führungskräfte bei ihren nächsten Schritten im Beruf begleitet. Er betreibt den Karriere-Blog »Perspektivwechsel«  und ist Autor des Buchs »Besser arbeiten«. Haben Sie eine Frage an den Coach? Dann schreiben Sie eine E-Mail an karriere.leserpost@spiegel.de – Stichwort Bernd Slaghuis 

Lieber Sebastian,

gut, dass die Unzufriedenheit Ihrer Mitarbeitenden durch die Befragung ans Licht gekommen ist, und noch besser, dass Sie das Feedback ernst nehmen. Ihr Ziel sollte es jetzt sein, gemeinsam Ideen für eine bessere Zusammenarbeit im Team zu erarbeiten. Und in Ihrer Rolle als Führungskraft jenen vertrauensvollen Rahmen zu schaffen, in dem Sie in Zukunft nicht mehr anonym, sondern direkt von Ihren Mitarbeitenden erfahren, was sie stört.

Anonymes Feedback ist der Kern des Problems

Wundert oder ärgert es Sie nicht, dass Sie diese Rückmeldung erst aus einem anonymen Feedbackprozess erhalten haben? Was sagt dies über die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Team aus? Bevor Sie überlegen, wie Sie die Ergebnisse besprechen, sollten Sie in die selbstkritische Analyse gehen: Warum wählen Ihre Mitarbeitenden diesen Schutz der Anonymität, um solche Aspekte öffentlich zu machen? Gibt es etwas, wovor sie Angst haben?

Dies ist der Kern des Problems, den Sie zuerst für sich und im Anschluss mit Ihren Mitarbeitenden klären sollten. Denn erst der vertrauensvolle Rahmen, der im Team eine offene sowie ehrliche Kommunikation erlaubt, wird die Grundlage für wirklich gute Zusammenarbeit sein.

Rollenklarheit: Was zeichnet Ihre Haltung aus?

Teile Ihres Teams haben offensichtlich eine von Ihnen abweichende Vorstellung davon, was Ihre Förderung guter Zusammenarbeit sowie Ihr Verhalten als vorbildlicher Chef ausmachen. Hierüber sollten Sie sich sachlich austauschen und ein gemeinsames Verständnis schaffen.

Doch bevor Sie Ihre Mitarbeitenden ansprechen, sollten Sie für sich selbst Klarheit über Ihre eigene Rolle sowie Haltung als Führungskraft finden: Wie möchten Sie von Ihren Mitarbeitenden sowie im Unternehmen wahrgenommen werden, wofür möchten Sie stehen? Was sind Ihre Stärken und was wünschen Sie sich, was andere an Ihnen als Führungskraft schätzen? Was zeichnet für Sie gute Zusammenarbeit aus und was tragen Sie bereits hierzu bei?

Je stärker Sie sich zuerst selbst reflektieren, umso besser können Sie später gemeinsam mit Ihren Mitarbeitenden über Unterschiede in der Wahrnehmung, ihre Erwartungen an Sie sowie über Veränderungen für die Zukunft sprechen.

Teamworkshop für gemeinsames Verständnis

Das Gefühl von guter Zusammenarbeit ist etwas sehr Individuelles, jede und jeder in Ihrem Team wird dies an anderen Kriterien festmachen. Manchen geht es vielleicht um das Gefühl von starker Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Anderen ist die Hilfsbereitschaft untereinander wichtig und als Team an einem Strang zu ziehen. Womöglich sind es auch klarere Vorgaben bei der Delegation von Aufgaben, das schnellere Treffen von Entscheidungen oder mehr persönliche Wertschätzung, die sich einige Ihrer Mitarbeitenden wünschen.

Mein Rat: Planen Sie zeitnah einen Workshop mit Ihrem gesamten Team, am besten mit einem neutralen, externen Moderator. Kommunizieren Sie im Vorfeld, dass Sie die Ergebnisse aus der 360-Grad-Befragung ernst nehmen und sich gemeinsam mit dem Team die Zeit nehmen möchten, über ihre individuellen Wahrnehmungen der letzten Monate sowie ihre Vorstellungen für eine bessere Zusammenarbeit zu sprechen.

Jeder im Team ist verantwortlich für gute Zusammenarbeit

Es ist wichtig, dass Ihre Mitarbeitenden gute Erfahrungen damit machen, Feedback direkt, statt anonym zu geben. Daher empfehle ich einen Teamworkshop, gemeinsam und auf Augenhöhe statt Einzelgesprächen hinter verschlossener Tür. Es geht nicht darum, dass Sie als Chef den Forderungskatalog als Wunschliste Ihres Teams kassieren – nach dem Motto »Chef, sorgen Sie endlich mal für gute Stimmung!« Auch Ihre Mitarbeitenden sollten erkennen, dass sie ebenso in der Verantwortung stehen und es mit in der Hand haben, gute Zusammenarbeit im Team zu gestalten. Arbeiten Sie so zusammen an konkreten Ideen und Maßnahmen, die Ihnen allen mehr Lust auf eine gemeinsame Zukunft im Team machen.