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Job & Karriere

Schon wieder schwanger Wie sag ich's meinem Chef?

Kind im Anmarsch? Berufstätigen Frauen ist bange vor dem folgenden Chefgespräch - oft zu Recht. Die Reaktionen reichen von subtilem Mobbing bis zu völlig unerwarteter Unterstützung. Courage, Mutter: Zwölf Frauen erzählen, wie sie Kinder und Karriere unter einen Hut bekommen haben.
Von Margarete Hucht

Fragt man offiziell bei Arbeitgebern, finden es fast alle toll, wenn ihre Mitarbeiter Kinder und Karriere haben wollen. Und inoffiziell würden viele wohl gern hinzufügen: so lange man auf der Arbeit nichts davon merkt.

Doch dass jemand die Kinderbetreuung mit den eigenen Arbeitszeiten und denen des Partners zusammenbringt, dabei genauso flexibel Überstunden schieben kann wie ein Alleinstehender - diese Idee ist weltfremd. Wird eine Mitarbeiterin also schwanger, sorgen sich viele Führungskräfte um die gewohnten Abläufe in der Abteilung. Und die Mitarbeiterin fürchtet nicht selten um ihren Job.

Am Anfang stehen existentielle Fragen: Wie sag ich's meinem Chef? Wie wird er reagieren, kann ich wirklich nach der Schwangerschaft an den Arbeitsplatz zurück? Und wie wird es danach funktionieren?

Éin rundes Dutzend Frauen berichtet hier ausführlich von ihren Erfahrungen. Die meisten haben sich ihre Entscheidung genau überlegt. Manche befürchteten, dass ihr Beruf an der Kreißsaaltür einkassiert wird. Und richtig glatt lief die Umstellung nur bei wenigen. Teils wurden sie von ihrer Stelle verdrängt, teils fühlten sie sich überfordert. Aber es gibt auch die Gegenbeispiele. Manche Arbeitgeber zeigten sich erstaunlich kulant und halfen ihren Mitarbeiterinnen: Courage, Mutter!

Die Psychologin - "dann wurde mir ein Chef vor die Nase gesetzt"

Heidbreder-Diekmann: "Plötzlich eine neue Hierarchieebene über mir"

Heidbreder-Diekmann: "Plötzlich eine neue Hierarchieebene über mir"

Foto: privat

Anja Heidbreder-Diekmann, 43 - Psychologin, zwei Kinder (3 und 6 Jahre alt), lebt in Bielefeld

"Ich habe acht Jahre bei einem Bauunternehmen gearbeitet und den Bereich Personalauswahl und Personalentwicklung verantwortet. Nach vier Jahren wurde ich schwanger und habe eine freiberufliche Kollegin, die ich noch aus dem Studium kannte, als Vertretung gewinnen können.

Nach der einjährigen Babypause setzte ich mich wieder an meinen Schreibtisch, als wäre nichts gewesen. Ursprünglich wollte ich wieder Vollzeit arbeiten, aber in der Zwischenzeit wurde die wöchentliche Arbeitszeit auf 43 Stunden erhöht, plus Überstunden - das war dann einfach viel zu viel! Auch organisatorisch funktionierte es nicht: Rein rechtlich darf ein Kind maximal neun Stunden pro Tag bei einer Tagesmutter sein.

Also reduzierte ich auf eine Vier-Tage-Woche. Das Unternehmen wuchs, es gab immer mehr zu tun. Gern hätte ich meine damalige studentische Hilfskraft wenigstens mit einer halben Stelle angestellt. Stattdessen wurde die Stelle eines Personalleiters ausgeschrieben und damit eine neue Hierarchieebene oberhalb meiner Position geschaffen.

Es war klar: Im Prinzip sollte mein Job neu besetzt werden. Das Aufgabenprofil in der Stellenanzeige umfasste viele Tätigkeiten, die ich bisher ausgefüllt hatte. Kein Wunder also, dass der neue Personalleiter und ich uns vom ersten Tag an nicht grün waren.

Ich entschied mich für ein zweites Kind und wollte wieder ein Jahr Elternzeit nehmen. Darauf wurde mein Chef eindeutig: 'Wollen Sie sich nicht etwas anderes suchen?' Mit einer Abfindung habe ich das Unternehmen schließlich verlassen und mich mit einer eigenen Personalberatung selbständig gemacht."

Die Teilzeit-Angestellte - "Frau Roth, wir wollen Sie halten!"

Roth mit Kind: "Telearbeit vereinfacht dann doch vieles"

Roth mit Kind: "Telearbeit vereinfacht dann doch vieles"

Foto: privat

Anne Roth, 33 - Mitarbeiterin im Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn, zwei Kinder (1 und 4), lebt in Köln

"Seit zwei Monaten bin ich wieder im Job. Ich habe eine 30-Stunden-Stelle beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn und pendele von Köln dorthin. Mein Partner bringt die Kinder morgens in die Betreuung, ich selbst sitze um 6.30 Uhr im Zug. Mein Tag beginnt früh, denn ich muss die Kleine schon nachmittags um 15 Uhr bei der Tagesmutter abholen. Um 14 Uhr muss ich also den Rechner im Büro herunterfahren und in den Zug steigen.

Ich gebe zu, es ärgert mich, dass ich 'nur' 75 Prozent arbeiten kann, während mein Freund eine volle Stelle hat. Trotzdem bin ich froh, dass ich nach der Geburt meiner ersten Tochter einen familienfreundlichen Arbeitgeber gefunden habe. Ich wurde beim BIBB auch schnell in den höheren Dienst befördert, bei meinem alten Arbeitgeber wäre das undenkbar gewesen.

Als ich wieder schwanger wurde und Elternzeit beantragte, signalisierte mir mein Chef: 'Frau Roth, wir wollen Sie halten!'. Während der Elternzeit schickte mir die Personalabteilung interne Stellenausschreibungen zu. So bin ich in Kontakt mit dem Arbeitgeber geblieben und konnte, obwohl mein Vertrag befristet war, beruhigt in die Zukunft blicken.

Nun bin ich seit Ende Mai mit einer neuen Aufgabe wieder am Arbeitsplatz. Gerade habe ich einen Antrag auf Telearbeit gestellt, freitags werde ich demnächst zu Hause arbeiten. Das wollte ich eigentlich nicht, weil man daheim nicht alles mitbekommt. Nun mache ich es aber trotzdem, weil es vieles vereinfacht.

Leider ist meine Stelle wieder befristet, aber ich schaue optimistisch in die Zukunft und bin sicher, dass mich mein Arbeitgeber weiterhin bei meiner beruflichen Entwicklung unterstützt."

Die Betriebswirtin - "Kinder fallen nicht vom Himmel"

Glonner und Kinder: "Mehrarbeit wird nicht so gern gesehen"

Glonner und Kinder: "Mehrarbeit wird nicht so gern gesehen"

Foto: privat

Marthe Glonner, 33 - Betriebswirtin, tätig im Vertrieb und Partnermanagement der Software-Firma GeNUA und stellvertretende Bundesvorsitzende im Verband berufstätiger Mütter, zwei Kinder (4 und 7), lebt in Baldham

"Ich arbeite in der Zone der Vollbeschäftigung - in Bayern, in der Nähe von München. Es gibt viele IT-Firmen dort, die auf gutes Personal nicht verzichten können. Außerdem drohen die Gemeinden zu überaltern und setzen gezielt auf die Anwerbung von Familien.

Ich wusste schon, als ich schwanger war, wir bekommen die Betreuung, die wir brauchen. Es gibt ein Kinderhaus, in dem Kinder von drei Monaten bis 14 Jahre betreut werden. Der Bedarf wird von der Gemeinde sehr gut erhoben und, so gut es geht, gedeckt. Die Chancen auf eine passende Kinderbetreuung sind zumindest überdurchschnittlich.

Außerdem gibt es einen Betriebskindergarten in meinem Unternehmen, der auch schon Babys ab drei Monaten aufnimmt. Ich habe eine tolle Infrastruktur und flexible Arbeitszeiten, kann pünktlich gehen. Da ist es für mich kein Problem, 30 Stunden zu arbeiten. Ich finde das eher wenig. Bei uns ist es so: Wer mehr als 15 Prozent Überstunden macht, soll diese durch Freizeit ausgleichen. Das kommt mir entgegen. Und es wird generell nicht so gern gesehen, wenn man dauerhaft mehr arbeitet - 'dann läuft irgendetwas schief', heißt es.

Die Hierarchien in der Firma sind flach. Wenn ein Vater oder eine Mutter in Elternzeit geht, werden meist in der Abteilung in Absprache mit der Geschäftsleitung Übergangslösungen gefunden. Man hat ja auch ein bisschen Zeit zu planen - Kinder kündigen sich an und fallen nicht vom Himmel. Bei uns fangen auch immer mehr Frauen an. Einer der drei Geschäftsführer ist übrigens selbst gerade in Elternzeit. Für mich persönlich ist es interessant, noch ein drittes Kind zu bekommen."

Die Selbständige - "Kinder sind extrem gute Lehrmeister"

Dr. Martina Henn-Sax, 41 - selbständig mit einem Institut zur Abiturvorbereitung, zwei Kinder (4 und 9), lebt in Göttingen

"Ja, mein zweites Kind war geplant, allerdings wollte ich direkt weiterarbeiten. Beim ersten Kind hatte ich ungeplant eine 15-monatige Auszeit. Das wollte ich so nicht wiederholen.

Henn-Sax: "Mehr gearbeitet als je zuvor"

Henn-Sax: "Mehr gearbeitet als je zuvor"

Foto: privat

Letztlich habe in dem Jahr mit meinem zweiten Baby mehr gearbeitet als je zuvor. Meinem Mann ging es ähnlich. Im Nachhinein war das eine nicht so kluge Entscheidung. Es war wie bei einem Computer-Akku, der immer gut funktioniert, egal wie lange er geladen wird. Der dann aber ganz plötzlich nicht mehr zu laden ist. Diesen Zustand hatte ich, als mein kleiner Sohn zweieinhalb Jahre alt war.

Dennoch denke ich, dass man mit zwei Kindern 40 Stunden und mehr pro Woche arbeiten kann. Organisationsgeschick ist allerdings ein Talent, das man haben sollte. Sicherlich braucht man auch einen Partner, der mitzieht. Manchmal musste ich meinen Mann an seine 50-Prozent-Verpflichtung erinnern.

Kinder sind zudem extrem gute Lehrmeister. Ich glaube, durch sie bin ich eine bessere Arbeitgeberin und mit Sicherheit eine bessere Lehrerin und Dozentin geworden. Auch effizient zu arbeiten lernt man mit Sicherheit besser, wenn man den Druck einer 'Kindergarten-Abholzeit' spürt oder damit leben muss, dass plötzlich eine Woche aufgrund kranker Kinder 'weg' ist.

Man sollte aber auch nicht vergessen, dass der eigene Körper mal Ruhe braucht. Das ist bei schlaflosen Nächten nicht zu unterschätzen. Wenn das Adrenalin im Körper weiterpowert, obwohl man erschöpft ist, kommt die Abrechnung für den Raubbau irgendwann.

Generell denke ich, dass meine Kinder glücklich sind, so wie ihre Betreuung läuft. Ein permanent schlechtes Gewissen der Mutter hilft ihnen nicht. Also genieße ich die Zeit mit ihnen und konzentriere mich in der Arbeitszeit auf meinen Job. Es gibt dabei bestimmte Regeln: Zwischen 17 und 20 Uhr ist Kinderzeit. Das heißt: Keine Anrufe, keine E-Mails, keine Meetings."

Die Unternehmensberaterin - "Frauen durchleben schreckliche Konflikte"

Kemmler: "Glaube nicht, dass all die Überstundenschieber zwölf Stunden produktiv sind"

Kemmler: "Glaube nicht, dass all die Überstundenschieber zwölf Stunden produktiv sind"

Foto: Sonia Diaz

Isinay Kemmler, 43 - selbständige Unternehmensberaterin, zwei Kinder (3 und 14), lebt in Frankfurt am Main

"Mein erstes Kind kam gleich nach dem Abschluss meines Studiums auf die Welt. Der Einstieg ins Berufsleben mit Kind gestaltete sich schwierig, obwohl wir die Betreuung durch eine Krabbelstube und ein Au-pair gesichert hatten.

Ich fing bei einem Großunternehmen mit einer Vollzeitstelle an, dort wurde meine Karriere regelrecht ausgebremst, weil ich keine Überstunden machen wollte. Es hieß, ich sei als Mutter nicht flexibel genug. Ich war aber einfach nicht bereit, bis 21 Uhr in der Firma zu bleiben. Bis heute kann ich nicht glauben, dass all die Singles und Männer, die sich vom Büro nicht trennen können, dort wirklich zwölf Stunden produktiv sind.

Ich habe dann gekündigt und die Stelle gewechselt. Später habe ich mein eigenes Beratungsunternehmen gegründet. Ein zweites Kind war geplant, aber aufgrund der Schwierigkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren, hat es elf Jahre gedauert. Ich habe all die Jahre nicht den Mut gehabt, nochmal schwanger zu werden. Ich wusste ja, wie schwierig es ist, als Mutter einer anspruchsvollen Tätigkeit nachzugehen. Dass mein Mann die Bereitschaft zeigte, in Elternzeit zu gehen, hat diese Entscheidung leichter gemacht.

Als ich nach dem Bachelor ins Hightech-Land Deutschland kam, rechnete ich nicht damit, dass die alten Rollenbilder hier noch so lebendig sind. Ich bin in der Türkei aufgewachsen. Und dort ist es sehr viel selbstverständlicher, dass Frauen mit Kindern Führungskräfte oder Unternehmerinnen sind.

Die Konflikte, die viele Frauen hierzulande durchleben, finde ich schrecklich. Es gibt die gängige Meinung: 'Wenn die Mutter eines Kleinkindes arbeitet, ist das Kind gestört.' So werden Frauen vor die Wahl gestellt - Kind oder Job. Oft denken sie dann, sie müssten Supermütter sein. Das tut auch den Söhnen und Töchtern nicht gut."

Die Kosmetik-Kauffrau - "50 Prozent gearbeitet und 30 Prozent verdient"

Babys: Selbstständige Schwangere sind in puncto Mutterschutz im Nachteil

Babys: Selbstständige Schwangere sind in puncto Mutterschutz im Nachteil

Foto: Corbis

Lisa Barghahn* - Inhaberin eines Kosmetikhandels, zwei kleine Kinder, lebt in Köln

"Ich bin selbständige Kauffrau und handele mit Haar- und Kosmetikprodukten, die ich an Friseurkunden verkaufe. Als Selbständige fühle ich mich benachteiligt. Angestellte bekommen viel mehr Leistungen - etwa den Mutterschutz.

Ich war gezwungen, bis kurz vor der Geburt zu arbeiten. Beide Kinder sind daher mit Kaiserschnitt auf die Welt gekommen. Zwei Wochen danach war ich wieder im Betrieb - und das Baby war mit dabei. Eine Betreuung hatte ich erst ab dem ersten Lebensjahr.

Mit dem Kind kamen die Umsatzeinbußen. In vier bis fünf Stunden schafft man einfach nicht so viel wie sonst an einem Tag. Man kann nicht auf Messen gehen und hat auch das Personal nicht mehr so gut unter Kontrolle. Ich habe 50 Prozent gearbeitet und 30 Prozent verdient. Daher war auch das Elterngeld beim zweiten Baby recht gering.

Es müsste leichter sein, auch stundenweise qualifiziertes Personal einzustellen. Insgesamt habe ich das Gefühl, ich leiste mehr, als ich sollte, zumal ich mittlerweile alleinerziehend bin."

(*Name geändert)

Die Ingenieurin - "gerade schwanger, bekam ich meinen Traumjob"

Bebensee und Kinder: "Mein Mann hat zurückgesteckt, was ihm aber auch nicht so leicht fiel"

Bebensee und Kinder: "Mein Mann hat zurückgesteckt, was ihm aber auch nicht so leicht fiel"

Foto: privat

Maarit Bebensee, 46 - Ingenieurin im städtischen Umweltamt, zwei Kinder (13 und 14), lebt in Kiel

"Die anstrengendste Zeit waren die Baby- und Kleinkindjahre. Nicht durchschlafen - das schlaucht sehr! In der Grundschule hatten wir Hortplätze im Kinderhaus gegenüber der Schule bis 16.30 Uhr. Das war toll, solange kein Kind krank war! Und jetzt sind die Mädchen in der 8. und 9. Klasse und natürlich sehr selbständig. Das genieße ich schon.

Beim ersten Kind kam bei mir beides zusammen: Gerade schwanger, bekam ich meinen Traumjob in Kiel. Ich wurde Vorgesetzte von vier Männern in der öffentlichen Verwaltung, von denen mindestens zwei nie daran gedacht hatten, eine Frau als Ingenieurin vorgesetzt zu bekommen.

Meine zweite Tochter, die bald danach auf die Welt kam, war sechs Monate lang ein Schreibaby, so dass mein Mann und ich alle Hände voll zu tun hatten. Da die Kinder so kurz hintereinander kamen, war ich körperlich sehr gefordert. Ich habe nie Elternzeit gemacht, nur die gesetzlichen Mutterschutzfristen gehabt, sechs Wochen vorher, acht nachher und eventuell noch ein bisschen Urlaub. Das war hart, auch weil die Kinder noch so winzig waren. Die tollen Regelungen von heute gab es damals ja noch nicht.

Mein Mann hat die Kinderbetreuung übernommen, da ich einen neuen, anspruchsvollen Job hatte. Tagesmütter waren teuer und steuerlich kaum anrechenbar. Er ist auch Elektroingenieur, war nebenbei, soweit es ging, selbständig oder bei mir angestellt und hat zurückgesteckt, was ihm aber auch nicht so leicht fiel.

Ich selbst hatte hohe Ansprüche an meine Arbeit und fühlte mich überlastet. 2003 bekam ich ein Burn-out und eine reaktive Depression. Daraus habe ich gelernt, ich sage inzwischen im Job auch mal nein.

Mittlerweile bin ich nicht mehr Vorgesetzte, sondern arbeite strategisch in einem Team mit drei Männern. Ich bin 80 Prozent der vollen Arbeitszeit von 39 Stunden im Büro und schaffe meines Erachtens mindestens so viel wie meine 100-Prozent-Kollegen, da ich pünktlich los muss und möchte. Wenn es sein muss, mache ich mehr Stunden, was mich körperlich aber mitnimmt. Inhaltlich macht mir meine Arbeit nach 15 Jahren noch sehr viel Spaß."

Die Abteilungsleiterin - "mein Chef war skeptisch beim zweiten Kind"

Schreihals: Die günstigste Lösung ist nicht immer die nächstliegende

Schreihals: Die günstigste Lösung ist nicht immer die nächstliegende

Foto: Corbis

Dr. Corinna Maier-Matic, 38 - Abteilungsleiterin in der Softwareentwicklung einer Firma für Medizintechnik , zwei Kinder (1 und 5), lebt in München

"Mein erstes Kind wurde in den USA geboren. Nach der Geburt nahm ich eine kurze Auszeit und ging wieder Vollzeit arbeiten. Niemand fragte mich am Arbeitsplatz: 'Was, du hast ein Kind und gehst Vollzeit arbeiten, wie bekommst du das nur hin?'

Zwei Jahre später machte ich mich in Deutschland auf Jobsuche, habe auch ziemlich schnell einen passenden Job gefunden. Während meiner Bewerbung spielte mein Familienstand keine Rolle, ich erwähnte meinen Sohn auch nicht. Als ich das Jobangebot bekam, reagierte mein zukünftiger Arbeitgeber positiv, als ich meine Familie erwähnte, und bot mir Hilfe bei der Kinderbetreuungssuche an.

Im Januar fing ich dort an zu arbeiten. Im September habe ich meine zweite Schwangerschaft bekannt gegeben. Mein Chef freute sich und gratulierte. Als ich nach sechs Monaten wieder Vollzeit in den Betrieb zurückgekommen bin, hatte mein Arbeitgeber mich für eine andere Position vorgesehen, vergleichbar mit der Stelle vor der Schwangerschaft. Ich habe mich jedoch für einen - für mich attraktiveren - Job beworben. Und ihn bekommen. Der neue Job hat mir großen Spaß gemacht, ich wurde nach sechs Monaten befördert.

Mein Chef wäre von sich aus wohl gar nicht auf die Idee gekommen, dass ich an der Aufgabe interessiert sein könnte, da man gelegentlich in die USA und innerhalb Deutschlands reisen muss. Er hat auch zugegeben, dass er zunächst etwas skeptisch war, ob dieser Job mit zwei Kindern überhaupt zu schaffen sei. Er unterstützt mich jedoch sehr und gibt mir viele Freiheiten.

In unserem Unternehmen herrscht keine Präsenzkultur. Ich kann, wenn nötig, abends und zu Hause meiner Arbeit nachgehen. Dies, die Unterstützung durch meinen Mann und die Hilfe einer Kinderfrau, die meine Kinder dreimal in der Woche aus den Einrichtungen abholt, ermöglichen es mir, relativ entspannt meiner Arbeit nachzugehen. Die erstaunte Frage: 'Was, du hast Kinder und gehst Vollzeit arbeiten?! Wie bekommst du das nur hin?' - die kenne ich heute eher aus dem privaten Umfeld."

Die Managerin - "wir warten nicht ewig mit dem vierten Kind"

Windeln in Größe 4: "Es wäre schön, wenn es mehr von Ihrer Sorte gäbe"

Windeln in Größe 4: "Es wäre schön, wenn es mehr von Ihrer Sorte gäbe"

Foto: Amy Sancetta/ AP

Dorothea Engel, 40 - Contract Managerin bei Wincor Nixdorf, vier Kinder (5, 9, 12, 15), lebt in Paderborn

"Ich bin Mutter von vier Kindern und arbeite in der Woche regelmäßig mehr als 40 Stunden. Mein Mann ist auch Vollzeit berufstätig. Ein Au-pair haben wir nicht, dafür Omas vor Ort, die als Back-up einspringen. Ansonsten gibt es gute Betreuungslösungen. Nur wenn wir beide - mein Mann und ich - gleichzeitig auf Dienstreise gehen, wird es schon mal kompliziert mit der Organisation.

Mein erstes Kind habe ich bekommen, als ich noch an der Uni promovierte. Ich habe mich dann für einen Wechsel in die Wirtschaft entschieden, was auch mit zwei Kindern noch gut funktionierte. Erst als ich dann zum dritten Mal schwanger war, hatte ich richtig Bammel vor den Reaktionen. Meine damalige, kinderlose Chefin hat aber ganz anders als erwartet reagiert. 'Das schaffen wir!' - meinte sie. Und hat sich mit mir gefreut.

Auf ihren Vorschlag hin habe ich auf 35 Stunden reduziert und zudem einen Telearbeitsplatz bekommen. Ich bin häufig vor 17 Uhr gegangen, und das war okay so. Für meine Leistungen fühlte ich mich respektiert. Ohnehin bin ich ein Typ, der selbständig arbeiten muss und sich notfalls abends noch mal hinsetzt.

Vor sieben Jahren haben mein Mann und ich uns getrennt. Mein neuer Partner hatte keine Kinder. Ich habe hin und her überlegt, wann der beste Zeitpunkt für ein viertes Kind sein könnte, zumal ich in der Zeit befördert werden sollte und ein Führungskräfte-Nachwuchsprogramm durchlief. Ich habe dann entschieden: 'Wir warten nicht ewig, sonst kommen wir aus dem Windeln nie mehr raus' - und wurde prompt schwanger.

Gegenüber meinem künftigen neuen Chef habe ich mit offenen Karten gespielt. Der hat mich trotzdem genommen, auch weil er wusste, dass ich keine lange Auszeit nehmen würde und Kind und Kegel schon organisiert kriege. Nur ein übergeordneter Vorgesetzter war weniger begeistert davon, dass ich in dieser Phase noch ein Kind bekomme. An seinen spontanen Spruch 'Die hat uns wohl ein Ei ins Nest gelegt' kann ich mich noch gut erinnern. Wenig später hat er das aber korrigiert und meinte: 'Es wäre schön, wenn es mehr von Ihrer Sorte gäbe'."

Die Richterin - "nein, das war kein Unfall"

Gaudernack mit Kindern: "Aufstieg mit Kindern inder Justiz erschwert"

Gaudernack mit Kindern: "Aufstieg mit Kindern inder Justiz erschwert"

Foto: privat

Dr. Dorothea Gaudernack, 34 - Richterin, zwei Kinder (zwei und fünf), lebt in Nördlingen

"'Das war sicherlich ein Unfall, oder?' Das war der Kommentar meiner Vorgesetzten nach der Geburt meines ersten Sohnes im Jahr 2006. Sie irrte sich, es war kein Unfall. Ich war fast 30 Jahre alt, seit einiger Zeit verheiratet und ja, ich hatte einen Kinderwunsch.

Als ich mit 18 das Jurastudium begonnen hatte, sah ich mich noch als Diplomatin beim Auswärtigen Amt oder im Chanelkostüm für wichtige Verhandlungen um die Welt jetten. Dann kam während meiner Referendarstationen bei zwei internationalen Großkanzleien und bei der Botschaft in Rom die Ernüchterung: Die wenigen Frauen mit interessanten Positionen, die ich kennenlernte, hatten meist keine Kinder. Mir war klar: Beides zusammen - das wird schwierig.

Mittlerweile habe ich zwei Jungs und bin jeweils recht schnell wieder ins Berufsleben eingestiegen. Den Eindruck, dass auch in der Justiz ein echter Aufstieg für Frauen mit Kindern erschwert ist, habe ich allerdings noch immer. Der Grundstein für den weiteren Karriereweg wird sehr früh gelegt. Teilzeittätigkeiten wirken sich in aller Regel eher negativ auf die Beurteilung aus.

Für Mütter ist es zudem schwer, die für eine Beförderung erforderlichen Anforderungen an Mobilität und Flexibilität zu erfüllen: So ist eine Abordnung an das Bundesjustizministerium oder gar nach Brüssel nicht zu leisten - es sei denn der dazugehörige Mann ist freischaffender Künstler oder sonst in keiner Weise beruflich gebunden.

Andererseits kann man einer Richterin, egal wie lange sie pausiert, nach ihrer Rückkehr nie eine unangemessene untergeordnete Position anbieten: Sie bleibt eben immer Richterin. Auch beim zweiten Kind konnte ich also problemlos wieder einsteigen.

Selbst ein drittes Kind kann ich mir vorstellen, obwohl mir hier in meiner ländlich geprägten Umgebung durchaus Sätze begegnen wie: 'Mit drei Kindern muss man aber wirklich nicht mehr arbeiten!' Oder: 'Irgendwann musst du dich halt entscheiden!' Merkwürdigerweise sind es fast immer Frauen, die so etwas sagen."

Die Teamleiterin - "irgendwer ist immer karrieregeil genug"

Yvonne von Papenburg (Name geändert), 37 - Teamleiterin im Bereich Einkauf in der Automobilbranche, zwei Kinder (eins und vier), lebt in Baden-Württemberg

"Ich stehe nach der zweiten Elternzeit kurz vor der Rückkehr in den Job und habe jetzt schon einen Horror davor, wie das wird. Was wird man mir nun anbieten? Ich traue mich nicht, nach einer 80-Prozentstelle zu fragen. Allerdings möchte ich mein Kind auch gern mal selbst vom Kindergarten abholen. So wird mein Mann, der in einer Behörde arbeitet, wohl weiter reduzieren und vielleicht nur 60 Prozent arbeiten.

Manchmal habe ich das Gefühl, ich lebe in der Steinzeit. Wenn man in meiner Firma 'nur' von acht bis 16 Uhr arbeitet, kommt unter Garantie der Spruch 'Ach, du machst wohl einen halben Tag frei'. Irgendwer ist immer karrieregeil genug, dass er bis spätabends in der Firma hockt.

Ich habe BWL und Sinologie studiert und sehr erfolgreich im Einkauf gearbeitet. Nach der Geburt meines ersten Kindes konnte und wollte man mir die Stelle während der Elternzeit nicht freihalten. Es kam eine Kollegin auf die Position, die kein Chinesisch spricht und die den Job auch gar nicht wollte. Das war sehr frustrierend für mich und hat letztlich dazu geführt, dass ich das Unternehmen gewechselt habe.

Firmen müssen einfach endlich umdenken und auch in Teilzeit interessante Positionen anbieten. Es heißt immer: 'Anspruchsvolle Stellen sind in 40 Stunden nicht getan'. Ich glaube das aber einfach nicht."