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31. Juli 2012, 12:10 Uhr

Anwerbeaktion

Schwäbisch Hall weist Portugiesen ab

Schwäbisch Hall warb in portugiesischen Medien um Fachkräfte und wurde mit 15.000 Bewerbungen überschwemmt. Ein halbes Jahr später ist die Bilanz mager: Die Betriebe haben nur 26 Portugiesen eingestellt, mehr Kellner als Techniker. Die besten Chancen hatte, wer spontan anreiste.

Eine Werbeoffensive sollte Fachkräfte aus Südeuropa scharenweise nach Schwäbisch Hall locken - doch ein halbes Jahr später sieht die Bilanz ernüchternd aus. Zwar gibt es mehr als 15.000 Bewerbungen, einen Job haben bisher aber nur 26 Menschen gefunden.

"Nachfrage und Angebot passen nicht immer zusammen", sagt Stadtsprecher Martin Kaspar zur Erklärung. Fachkräftemangel sei in der Stadt in Baden-Württemberg nach wie vor ein Thema.

Die Stadt hatte im Januar Journalisten aus kriselnden Euro-Staaten eingeladen, um sich ein Bild von Schwäbisch Hall und dem dortigen Jobangebot zu machen. Ein Beitrag in einer portugiesischen Zeitung löste daraufhin einen überraschenden Bewerberansturm aus.

Warum sich ausgerechnet so viele Portugiesen gemeldet haben? Unter dem Artikel hätten anders als in den Beiträgen anderer Blätter direkte Links zu möglichen Arbeitgebern gestanden, erklärte Kaspar. "Da mussten viele nur auf die E-Mail-Adresse klicken." In der ersten Nacht waren damals 2500 Bewerbungen eingetrudelt.

"Hallo, hier bin ich"

Einigen reichte ein Anschreiben allerdings nicht: "65 Portugiesen sind gleich persönlich vorbeigekommen", sagte Kaspar. "Die haben sich ins Auto oder Flugzeug gesetzt und gesagt: 'Hallo, hier hin ich.'" Von diesen spontanen Bewerbern hätten rund 20 auch einen Job bekommen. Viele seien in der Gastronomie - etwa als Köchin, Kellner oder Barkeeper - untergekommen, andere arbeiteten heute als Tischler oder bedienten Maschinen in Fabriken.

"IT-Ingenieure erster Klasse" seien bei diesen Bewerbern nicht dabei gewesen, sagte er. Unter den sechs Portugiesen, die später über eine klassische Bewerbung vermittelt wurden, seien allerdings IT-Spezialisten, Elektro- oder Maschinenbauingenieure und Industrie-Mechaniker.

Insgesamt habe die Agentur für Arbeit in der Flut an Einsendungen mehr als 2000 interessante Bewerber ausgemacht, sagte Emilio Petricca von der Arbeitsagentur der Stadt. Rund tausend von ihnen seien an die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) weitergeleitet worden und könnten damit auch im Rest der Bundesrepublik Erfolg haben. Auch rund um Schwäbisch Hall könnten einige noch ihr Glück finden: Derzeit seien hier etwa 2800 Stellen frei.

Gegen heimische Fachkräfte habe man dort allerdings auch nichts einzuwenden, betonte Stadtsprecher Kaspar. Die Werbeoffensive habe in Deutschland kaum jemanden auf die freien Stellen in Schwäbisch Hall aufmerksam gemacht, sagte auch Petricca. "Das war eine ganz geringe Zahl." Nur fünf Bewerbungen aus der Bundesrepublik seien daraufhin eingegangen - darunter zwei von Portugiesen, die bereits in Deutschland lebten.

mamk/dpa

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