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Foto: Rüdiger Lohf

Auswanderer in Schweden "Deutsche kommen mir mittlerweile so verkrampft vor"

Er hatte mehrere Jobangebote als Lehrer und entschied sich für die kleinste Gemeinde, mitten auf dem Land: Nach 27 Jahren in Schweden kann sich Rüdiger Lohf eine Rückkehr nach Deutschland gar nicht mehr vorstellen.

"Ich glaube, dass Integration am schnellsten in einer kleinen Gemeinschaft funktioniert. Deshalb haben meine Frau und ich uns für Idre, eine kleine Gemeinde auf dem Land im mittleren Schweden entschieden. 27 Jahre ist das jetzt her. Ich hatte damals mehrere Jobangebote - nach der Wiedervereinigung waren Deutschlehrer in Schweden gefragt, und Schwedisch hatte ich schon während des Studiums gelernt.

Der Umzug verlief reibungslos, obwohl Schweden noch gar nicht in der EU war. Wir kamen im Januar an - bei minus 30 Grad. Dass es so kalt sein würde, damit hatten wir nicht gerechnet. Wir mussten uns schnell wärmere Kleidung zulegen.

Ansonsten verlief die erste Zeit wie in einem Traum. Wir gehörten sofort dazu, ich bekam in der Gesamtschule sofort eine eigene Klasse. Noch heute, nach einigen Umzügen, habe ich Kontakt zu den Menschen in Idre und bin ihnen sehr dankbar.

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Foto: Rüdiger Lohf

An Schweden mag ich besonders die Vielfalt. Das Land ist fast 2000 km lang, von Süd nach Nord gibt es extrem unterschiedliche Klimazonen. Während in Stockholm das Fussballpokalendspiel stattfindet, fängt die Skinationalmannschaft in Kiruna, im Norden des Landes, schon mit dem Training an. Und diese Vielfalt überträgt sich irgendwie auch auf die Menschen.

Schweden versuchen immer, einen Konsens zu finden. Wenn neun Finnen zusammensitzen und eine Entscheidung treffen müssen, stimmen sie ab. Ist das Ergebnis 5:4, wird das Votum gleich umgesetzt. Anders in Schweden: Hier wird so lange diskutiert, bis möglichst alle einer Meinung sind. Wahrscheinlich ist deshalb die Lebenserwartung in Schweden so hoch - weil eben alles etwas länger dauert.

Die Menschen hier sind generell sehr gelassen. Vieles nehmen sie einfach so hin. Das hat vielleicht auch mit den klimatischen Bedingungen zu tun: Wenn Schnee fällt, kann man ihn auch nicht wegzaubern.

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Als Lehrer arbeitet ich mittlerweile nicht mehr, stattdessen entwickle ich Skandinavien-Reisen für große Reiseveranstalter - mein absoluter Traumjob! Ich brauche keine Landkarten mehr, kenne Menschen zwischen Hammerfest und Malmö, Kuusamo und Ålesund, das gibt mir unendlich viel.

Nach Deutschland zurückzukehren, kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, auch wenn es viele Städte gibt, die mir gut gefallen, wie zum Beispiel Hamburg. Ich vermisse auch deutsche Kneipen. In Schweden ist Alkohol sehr teuer, ein Glas Bier kostet häufig sieben Euro oder sogar mehr. Deshalb trinken die Leute eher zu Hause, das "Vorglühen" hat einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland. Gemütlich in der Kneipe zu sitzen und ein Bier mit Freunden zu trinken, das fehlt mir.

Aber ein befreundeter Landsmann sagte mal, dass man nach 30 Jahren in Schweden nicht mehr kompatibel mit Deutschland ist. Ich befürchte, da ist etwas dran.

Deutsche kommen mir zum Beispiel mittlerweile sehr verkrampft vor. Das gängige "Sie", das "Sehr geehrter Herr…", Namensschilder mit der Aufschrift "Frau Schmidt" - daran kann ich mich gar nicht mehr gewöhnen. Das sind doch die Umgangsformen der Großeltern! In Schweden bin ich Rüdiger, und wenn mich jemand mit Herr Lohf anredet, schaue ich, ob jemand hinter mir steht."

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