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Maren Hoffmann

Fehler-Fanfare, Endlosschleife und Chuck Norris Sechs neue Features für Videomeetings, die wir dringend brauchen

Maren Hoffmann
Eine Satire von Maren Hoffmann
Meetings per Video sind jetzt Standard - aber warum fehlen immer noch wichtige Features in den Videotools? Hier sind sechs Funktionen, die wir in Zoom und Teams wirklich vermissen.
Wenn Chuck Norris angeln geht, sagt er einfach: "Du, du und du. Rauskommen." Ein bisschen mehr von diesem Geist täte auch mancher Videokonferenz gut.

Wenn Chuck Norris angeln geht, sagt er einfach: "Du, du und du. Rauskommen." Ein bisschen mehr von diesem Geist täte auch mancher Videokonferenz gut.

Foto: Goldschmidt/ dpa

Die vergangenen Wochen haben gezeigt: Videomeetings haben viele Vorteile - ob Zoom, Teams oder GoToMeeting, gemeinsam ist ihnen: Sie müssen keine Schuhe tragen (je nach Kamerawinkel noch nicht mal eine Hose), können seltener duschen und müssen nachher nicht mit in die Kantine, obwohl Sie gar keinen Hunger haben, um zu verhindern, dass die anderen in großer Runde über Sie lästern. Aber es gibt bei der Optimierung der Videotools noch viel Luft nach oben. Immerhin kann man beim weitverbreiteten Microsoft Teams seit Kurzem auch eigene Hintergründe hochladen - prompt sieht man die Geringverdiener im Team vor barocken Schlössern hocken. Völlig unverständlich ist aber, dass andere dringend notwendige Extra-Features noch immer nicht zum Standard gehören. Hier ist unsere Wunschliste:

1. Die Fehler-Fanfare: Warum bitte gibt es noch immer nicht die Option, während des Meetings den jeweils Vortragenden sofort mit einem lauten, durchdringenden "PRÖÖÖÖÖÖÖÖT" auf offenkundige Mängel seiner Präsentation hinzuweisen? Das könnte doch so viel zur Qualitätssicherung beitragen! Natürlich muss die Fehler-Fanfare anonym aktiviert werden können - sonst traut sich ja keiner.

2. Emojis für alle: Das kleine Handsymbol in Videomeetings soll Durcheinander verhindern und Abstimmungen erleichtern: Mit einem Klick auf das Handsymbol kann sich jeder Teilnehmer melden, man sieht dann eine kleine Hand unter seinem Bild oder Video. Facebook und WhatsApp aber lehren uns: Die Menschen möchten mannigfaltigere Formen des Ausdrucks. Sie möchten Beiträge anderer mit lachenden Kothaufen kommentieren, den Mittelfinger recken und mit kotzenden Smileys ihren Unmut kundtun. Das sollte doch technisch ratzfatz machbar sein. Wenn Herr Klappke also im nächsten Meeting um Handzeichen bittet, ob der wöchentliche Jour fixe künftig am Freitag um 17 Uhr stattfinden soll, eröffnen sich weitaus differenziertere Möglichkeiten des Feedbacks als bisher.

3. Die Videoschleife: In größeren Runden werden die Kameras und Mikrofone der Teilnehmer oft deaktiviert. Das ist fein, denn dann kann man in Ruhe in die Küche gehen, sich ein Butterbrot machen und muss nur ab und zu mal reinhören, ob etwas von Belang gesagt wurde. Aber was, wenn die Runde klein ist und alle Kameras aktiv sind? Da würde es doch sehr helfen, wenn Sie ein, sagen wir, zehnminütiges Eigenvideo als Schleife einspielen könnten: Sie selbst in frisch gebügelter Bluse oder Hemd mit perfekt sitzendem Haar vor dem aufgeräumten Bücherregal. Ab und an nicken Sie bestätigend, neigen nachdenklich den Kopf oder nehmen anmutig einen Schluck Kaffee aus repräsentativem Porzellan. Die Kollegen werden Ihre neue kommunikative Zurückhaltung schätzen.

4. GIFs statt Kamera: Gerade die jüngeren Kollegen möchten starke Emotionen oft gar nicht in Worte (oder Emojis) fassen, sondern lieber kurze Filmsequenzen sprechen lassen. Es wäre eine gute Möglichkeit, das Videomeeting zu bereichern, wenn an passender Stelle statt Ihres Konterfeis plötzlich Chuck Norris sichtbar würde und sagte: "You've got an attitude problem." Es empfiehlt sich auch, als Chuck Norris den virtuellen Konferenzraum zu betreten, wenn Sie mal zu spät dran sind. Denn Sie wissen ja: Chuck Norris trägt keine Uhr - er entscheidet selbst, wie spät es ist.

5. Hintergrundgeräusche: Unzählig die Homeoffice-Geschichten von Kleinkindern, die plötzlich ins Bild tapsen, Wäsche sortierenden Gatten oder quiekenden Haustieren im Hintergrund. Das ist entzückend und macht den in der Arbeitswelt ja so wichtigen menschlichen Faktor sichtbar. Aber sie kommen oft zur Unzeit. Sie sollten dem Zufall auf die Sprünge helfen können: Wenn Sie sich im Meeting argumentativ in die Enge getrieben fühlen, könnten Sie aus einem kleinen Klappmenü rasch den passenden Sound auswählen, der Ihnen ein paar Minuten Luft zum Nachdenken verschafft: je nach Schwere des Problems die Türklingel, das schreiende Kleinkind oder die Explosion ("Entschuldigung, da muss ich mal nachsehen!").

6. Die Überraschungstaste: Während des Lockdowns mussten Zoos und Erlebnisbauernhöfe schließen - einige waren findig genug, daraus ein Geschäftsmodell zu machen. "Bei uns kannst du ein neugieriges Lama, einen ultrasüßen Esel, eine dicke fette Sau, eine immer hungrige ausgemusterte Milchkuh, ein zahmes Wildschwein oder eine alte Yak-Dame zu deiner nächsten Videokonferenz hinzubuchen", wirbt etwa dieser Gnadenhof . 50 Euro für zehn Minuten Yak ist eine heftige Ansage, allerdings ist das im Vergleich zu Top-Unternehmensberatern immer noch ein günstiger Stundensatz. Wer aber beim Meeting lieber nicht die Sau rauslassen möchte, sollte trotzdem neue, externe Impulse bekommen können, indem er oder sie auf eine Überraschungstaste drückt - dann wird mit einem anderen Meeting, das gerade über das jeweilige Tool läuft, einfach ein Teilnehmer getauscht. Schwupp sitzt Frau Mehlhorn nicht mehr im Projektmeeting bei der Stadtverwaltung, sondern in der Chefrunde bei Daimler - und bringt völlig neue Impulse ein, während Daimler-Chef Ola Källenius sicherlich etwas Konstruktives zur Radwegplanung an der Ecke Berufsschule/Wochenmarkt beitragen kann. Agiler geht es doch nicht!

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