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Kursanbieter in der Coronakrise Selbst Yoga-Unterricht geht aus dem Homeoffice

Klavier, Yoga, Rückbildung: Weil sie ihre Schulungsräume schließen mussten, schalten viele Anbieter im Schnellverfahren auf Online-Kurse um. Hier erzählen drei, wie das klappt.

Der Musikschulleiter: "Zeit der Entschleunigung nutzen"

Tele-Arbeitsplatz von Andreas G. Winter: Das Freie Musikzentrum in Stuttgart gibt weiter Musikunterricht - via Skype

Tele-Arbeitsplatz von Andreas G. Winter: Das Freie Musikzentrum in Stuttgart gibt weiter Musikunterricht - via Skype

Foto: Freies Musikzentrum Stuttgart

Andreas G. Winter (62), Leiter des Freien Musikzentrums Stuttgart:

"Wir machen jetzt Musikunterricht 2.0: Die Schülerinnen und Schüler können sich bei uns via Skype einwählen - so kann der Unterricht wie gewohnt auch ohne persönliche Anwesenheit stattfinden, wenn man einen internetfähigen Laptop, ein Smartphone oder Tablet hat. Für das Musikzentrum haben wir am Samstag noch drei Laptops und drei Webcams zusätzlich angeschafft. Die Webcams brauchen wir, damit man bei Gitarre oder Klavier auch das ganze Instrument sehen kann und die Aufnahmen nicht zwangsläufig so nasenzentriert sind.

Wir haben elf Proberäume, aber die sind nicht alle belegt; einige unserer 30 Lehrkräfte sind auch zu Hause schon technisch so gut ausgestattet, dass sie gar nicht ins Zentrum kommen müssen, sondern den Skype-Unterricht gleich aus dem heimischen Studio geben können. Am Montag haben wir alles getestet, ab Dienstag legen wir mit der neuen Unterrichtsform los. Wir haben zwischen 400 und 500 Schülerinnen und Schüler; die meisten finden die Idee mit dem Fernunterricht toll und lassen sich darauf ein - wir haben alle angeschrieben und viel positives Feedback auf unsere Mails bekommen.

Für viele von uns Musiklehrern ist das Unterrichten via Skype auch nicht ganz neu. Ich selbst lehre Klavier und habe auch vorher schon mit Schülern Rückfragen so geklärt oder einen Fingersatz gezeigt. Eine Kammerorchesterprobe bekommt man so natürlich nicht hin, aber Einzelunterricht wird gut klappen. Natürlich ist der eine oder andere Kollege auch skeptisch, aber ausprobieren wollen wir es alle: Wir wollen diese Zeit der Entschleunigung und des Stillstandes nutzen, um unseren Schülern die Möglichkeit zu geben, weiter voranzukommen. Und die Kontinuität des Unterrichts ist besonders für Kinder und Jugendliche wohltuend, weil sie Halt gibt. Negative Rückmeldung haben wir eigentlich nur in einer einzigen Mail bekommen: Da war davon die Rede, dass das nicht die Leistung wäre, für die sie bei Vertragsabschluss gezahlt hätten."

Die Yogalehrerin: "Die Ausatmung verlängern"

Tina von Jakubowski unterrichtet Yoga - und gibt ihre Kurse jetzt online

Tina von Jakubowski unterrichtet Yoga - und gibt ihre Kurse jetzt online

Foto: Caroline Guth

Tina von Jakubowski (29) betreibt mit ihrem Mann das Studio "Yoga individual" in Aachen:

"Wir haben am Sonntag auf den Seiten des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales gelesen, dass wir den Kursbetrieb ab Dienstag einstellen müssen. Ab Mittwoch werden wir verschiedene Videokurse über Youtube und Facebook anbieten. Wir haben über die Woche rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in unseren Kursen. Die reagieren bisher sehr positiv auf das kommende alternative Angebot. Allerdings werden es nicht alle nutzen, viele ältere Leute haben keinen Zugriff auf digitale Medien oder können ein Live-Videoformat nicht so gut handhaben. Die jüngeren Leute freuen sich eigentlich alle darauf. Unabhängig von der aktuellen Situation drehen wir schon seit einigen Monaten Videoserien für unser eigenes Online-Yogastudio. Den Launch dieses Angebotes versuchen wir jetzt vorzuziehen.

Übertragen werden wir die Kurse von unserem Übungsraum zu Hause - ich weiß gar nicht, ob ich noch in mein Studio darf. Das ist ein ganz komisches Gefühl: Wir haben gerade für die nächsten Wochen alles dicht gemacht. Ich habe in den vergangenen acht Jahren noch nie mehrere Wochen lang nicht persönlich mit meinen Yogaschülern gearbeitet. Das wird mir sehr fehlen, auch, weil manuelle Hilfestellungen in den Kursen sehr wichtig sein können – wir versuchen trotzdem, den Teilnehmern auch online über gezielte verbale Hilfestellungen das Yogastudio-Gefühl nach Hause zu bringen.

Den Schülern und uns wird aber der Kontakt zu diesem besonderen Ort fehlen, der uns Ruhe gibt. Ich bin trotzdem sehr positiv gestimmt: Mein Mann und ich werden die Zeit nutzen, um auch selbst viel Yoga zu machen. Es ist so wichtig, dass noch irgendetwas normal ist! Wir werden natürlich auch Tipps geben, wie man sich zu Hause einen guten Ort zum Praktizieren schaffen kann. Eine Übung, die wirklich jeder machen kann, egal wo: Setzen Sie sich ruhig hin und verlängern Sie bewusst die Ausatmung. Die ist mit dem beruhigenden Teil unseres Nervensystems verbunden. Das hilft gelassener zu werden und die Situation klar wahrzunehmen."

Die Physiotherapeutin: "Neues Format auch über die Krise hinaus"

Sabine Grabosch und Nina Siebenlist (rechts) von der Physiopraxis Mutter & Kind 73 in München

Sabine Grabosch und Nina Siebenlist (rechts) von der Physiopraxis Mutter & Kind 73 in München

Foto: Nina Siebenlist/ Physio Mutter & Kind 73

Nina Siebenlist (42), Physiotherapeutin in München:

"In unserer Praxis bieten wir Kurse für Mütter mit Kindern, Yoga für Schwangere und Rückbildungskurse an. Seit Montag haben wir unser gesamtes Kursangebot auf die Videoplattform Zoom verlagert. Wir sind selbst sehr überrascht und begeistert, wie gut das angenommen wird - wir haben eine Quote von 100 Prozent, niemand hat abgesagt. Die Frauen sind begeistert und dankbar, dass die Kurse weiterlaufen.

Ich leite die Stunden von zu Hause aus mit dem Laptop: Ich zeige die Übungen auf meiner Matte, wie sonst auch. Die anderen müssen allerdings ihre Mikros stummschalten, weil sonst immer diejenige groß im Bild gezeigt wird, bei der es gerade Hintergrundgeräusche gibt, das ist ja gerade mit kleinen Babies im Raum sonst dauernd der Fall. Das Korrigieren der Übungen geht natürlich nicht ganz so gut wie bei einem Kurs, bei dem alle gemeinsam real anwesend sind. Aber die Frauen können natürlich Rückfragen stellen. Ein Vorteil ist, dass wir nicht so limitiert sind: In unseren Übungsraum in der Praxis passen nur sechs Teilnehmerinnen, online können wir die Kurse auf zehn erweitern.

Ich könnte mir vorstellen, dass das neue Format auch über die Krise hinaus Bestand hat – die Nachfrage ist auf jeden Fall da, und es ist wirklich unkompliziert."

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