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Eignungstests Sind Sie stark genug für die Selbständigkeit?

Eine gute Idee und kaufmännisches Grundwissen allein machen noch keinen Unternehmer aus. Es gibt ein paar Eigenschaften, ohne die man als Selbständiger bald scheitert. Aber woran lässt sich erkennen, ob man ein Gründertyp ist?
Foto: Zsolt Czegledi/ dpa

"Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung", hat Antoine de Saint-Exupéry gesagt. Der Spruch des franzöischen Schriftstellers gefiel Anke Hunziger so gut, dass sie ihn als Motto für ihre Berliner Coaching-Praxis "Cope" gewählt hat. 2010 wagte die Diplom-Kauffrau den Schritt in die Selbständigkeit - nachdem sie knapp 20 Jahre angestellt gewesen war, unter anderem als Managementberaterin sowie als Personalvorstand eines Solartechnikanbieters.

Heute gibt Hunziger ihre Erfahrungen an Menschen weiter, die sich beruflich umorientieren wollen. "Märkte verändern sich, Unternehmen verändern sich, Beziehungen verändern sich - und das setzt auch eine ständige Veränderung und Weiterentwicklung der Menschen voraus", sagt die Trainerin.

Die Blickrichtung zu wechseln, das erfordert eine gehörige Portion Neugier - und einen Schuss Abenteuerlust. "Wenn geregeltes Einkommen sowie geregelte Freizeit und Urlaub einen hohen Stellenwert besitzen, sollte man sich den Weg in die Selbständigkeit lieber zweimal überlegen", warnt Johannes Stärk, Inhaber des Trainings- und Beratungshauses Intertrainment in Unterhaching. "Denn auf diese Annehmlichkeiten wird man, zumindest in den ersten Jahren, in den allermeisten Fällen verzichten müssen."

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Zum Persönlichkeitsprofil erfolgreicher Gründer gehörten außerdem Selbstdisziplin, Ausdauer, Organisationsfähigkeit und Eigenmotivation, sagt Stärk. Und natürlich muss ein stabiles Fundament gelegt sein: "Wer sich selbständig macht, sollte über kaufmännische Basiskenntnisse verfügen oder sich diese schleunigst aneignen."

Brigitte Böhi, die als Karriereberaterin im schweizerischen Zug tätig ist, hält Überzeugungsfähigkeit für entscheidend. Zum einen müsse der Jungunternehmer an sich und seine Geschäftsidee glauben, zum anderen lebe er davon, andere zu überzeugen, um sie als Kunden zu gewinnen. "Selbstvertrauen und Eigenständigkeit" zeichneten den Gründer aus, ebenso "Ziel- und Lösungsorientierung". Nicht zuletzt brauche er eine gute Gesundheit, die ihm helfe, Stress und Unsicherheiten auszuhalten. "Bei erfolgreichen Unternehmern und Unternehmerinnen spielen die genannten Faktoren zusammen, nicht alle sind jedoch gleich stark gewichtet", sagt Böhi.

Schlüsselkompetenzen, die man nicht erlernen kann

Allerdings muss nicht nur die Persönlichkeit, sondern auch die Zeit reif sein für die Selbständigkeit. Der KfW-Gründungsmonitor 2010 machte Mut: Erstmals seit sechs Jahren war wieder eine "Belebung der Gründungsaktivität in Deutschland" zu beobachten, hieß es da. Inzwischen sind die Zahlen wieder gefallen, auch weil der erste Arbeitsmarkt boomt - viele Verlegenheitsgründungen fallen weg.

Doch immerhin 835.000 Menschen haben sich im vergangenen Jahr selbständig gemacht. 67 Prozent aller Gründer benötigten Startkapital, wobei die meisten mit weniger als 5000 Euro auskamen.

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Die größten Risiken lauerten vor allem in der Finanzierung, stellt die KfW Mittelstandsbank fest. So unterschätzen viele Jungunternehmer, dass gerade in der ersten Zeit häufig Liquiditätsengpässe auftreten, weil Kunden Rechnungen spät oder gar nicht bezahlen. Ein weiteres Problem seien Informationsdefizite: Wie sieht mein Markt aus? Wer sind meine Kunden, wer meine Konkurrenten? An Qualifikationsmängeln scheiterten hingegen nur wenige Gründer. Haben sie außerdem ihre familiäre Situation im Griff, stehen die Chancen gut, dass aus einer Idee ein veritables Unternehmen wird. Vor allem der Partner muss mitziehen.

Anke Hunziger hat es geschafft. Sie bringt nicht nur Einzelpersonen beruflich auf Kurs, sondern berät auch große Unternehmen zu Themen wie Personalentwicklung und Führungskultur. Hunziger hat gelernt, eine Geschäftsidee weiterzudenken, auszubauen und nicht bei der ersten Schwierigkeit aufzugeben. "Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen" - ein anderes ihrer Lieblingszitate, das allerdings nicht von Saint-Exupéry stammt, sondern von Erich Kästner.

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