Die aktuelle Stellenanzeige Google sucht Fahrer für Autos ohne Fahrer

Sie sitzen gern stundenlang im Auto, und zwar am liebsten als Beifahrer, der die Fahrkünste eines anderen streng überwacht? Dann hat Google den perfekten Job für Sie.

Selbstfahrendes Google-Auto
AP

Selbstfahrendes Google-Auto

Von


Steigen Sie ein. Lassen Sie sich tagelang in verschiedenen Städten der USA im Auto durch die Gegend kutschieren. Achten Sie darauf, wie bequem die Fahrt ist. Meckern Sie los, wenn der Motor absäuft oder das Anfahren holpert. Und lassen Sie sich dafür bezahlen. Ungefähr so liest sich die Job-Beschreibung einer neuen Stellenanzeige von Google. KarriereSPIEGEL zitiert daraus und kommentiert die Anforderungen.

Der Technologiekonzern forscht so wie verschiedene Autohersteller und der chinesische Internetkonzern Baidu seit einigen Jahren an selbstfahrenden Autos. Eigentlich wird der Mensch bei selbstfahrenden Autos hinterm Steuerrad überflüssig. Eigentlich. Ganz traut Google der Sache offenbar noch nicht. Deshalb sucht er menschliche Beifahrer oder wie es im Unternehmenssprech heißt: "Spezialisten für Fahrzeugsicherheit, die Teil des Google-Projekts für selbstfahrende Autos werden wollen."

An fünf Tagen in der Woche, sechs bis acht Stunden pro Tag, sollen Testfahrer den Betrieb der Autos im US-Bundesstaat Arizona überwachen, also mitfahren. Das klingt zunächst, als ob die Suche nach dem bequemsten Job aller Zeiten mit dieser Stelle ein Ende hätte. Aber ganz so entspannt ist die Arbeit möglicherweise doch nicht:

"Entwickeln Sie ein einzigartiges Set an Fähigkeiten, um Hard- und Software der Fahrzeuge zu bedienen. Handeln Sie souverän in einem sich rasant entwickelnden Umfeld, in dem Sie teilweise gleichzeitig auf bis zu vier Kanälen (High- und Low-Tech-Medien) kommunizieren."

Auf welchen Kanälen der Kandidat kommunizieren können muss, wird nicht genau verraten. Aber Brieftauben wird er sicherlich nicht losschicken müssen. Wer im Google-Auto mitfährt, muss auf jeden Fall Multi-Tasking-Fähigkeiten besitzen: mehrere Dinge gleichzeitig tun und sich davon nicht stressen lassen.

Bewerber sollen den Verkehr im Blick behalten und im Notfall eingreifen, bevor das selbstfahrende Auto einen Unfall verursacht - so wie etwa Mitte Februar, als ein Google-Auto gegen einen Bus krachte und einen Blechschaden anrichtete. "Wir suchen nach Menschen, die hervorragende Fahrer sind, sehr genau auf den Verkehr achten und die sozialen Aspekte des Autofahrens vorhersagen können", sagte Brian Torcellini der Zeitung "Arizona Republic". Er leitet bei Google das Team, das die selbstfahrenden Autos testet.

Nörgeln ist erwünscht

Außerdem nützt eine Veranlagung zur Nörgeligkeit, um Defiziten der neuen Technologie auf die Spur zu kommen und diese zu melden:

"Liefern Sie den Ingenieuren detailliertes, sorgfältiges Feedback."

Die Google-Fahrer sollen täglich Berichte verfassen, in denen sie Fahrten und Testergebnisse dokumentieren. Falls sie dabei aber zum Beispiel feststellen, dass die selbstfahrenden Autos miserable Verkehrsteilnehmer sind, müssen sie darüber schweigen können.

"Es wird erwartet, dass Projektdetails vertraulich behandelt werden."

Wer die Stelle bekommt, darf mit dem neuen Job bei Google und seinem Insider-Wissen also nicht gegenüber Freunden oder gar Reportern angeben. Diskretion ist gefragt. Bewerber sollten außerdem reiselustig sein, um die Autos gegebenenfalls in mehreren Städten und Staaten zu testen. Und sie sind aufgefordert, ihre Kollegen mit persönlichen Glanzleistungen unter Druck zu setzen:

"Legen Sie die Latte für exzellente Arbeit für den Rest des Teams höher!"

Es werden also nicht nur aufmerksame, kommunikative Nörgler gesucht, sondern auch noch schwiegersohntaugliche Streber: Denn die Bewerber brauchen einen Führerschein und eine "saubere Vergangenheit als Autofahrer", also ein reines Punkte-Konto in Flensburg.

Können Sie schnell tippen?

Das Unternehmen erwartet zudem zwar einen Hochschulabschluss, am besten einen Bachelor, aber es ist egal in welchem Fach. Sie können also auch gern Theologie oder Altgriechisch studiert haben. Bewerber sollten außerdem schnell tippen können. Mindestens 40 Wörter pro Minute müssen schon drin sein.

Die Anforderungen wirken im Vergleich zu anderen Ausschreibungen bei Google sehr lasch und unspezifisch. Aber dafür gibt es einen Grund: "Dieser Beruf des Testfahrers ist noch so neu, dass wir keinen bestimmten Personentyp suchen", sagte Teamleiter Brian Torcellini.

Wer all das erfüllt, hat die Chance "an vorderster Front an einer Spitzentechnologie" mitzuarbeiten. Zwischen den Zeilen klingt das Versprechen durch, bei etwas Großem und Außergewöhnlichem dabei zu sein. Am Lohn ist das aber nicht zu erkennen: Für den Job gibt es 20 Dollar oder knapp 18 Euro pro Stunde.

insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
allessuper 19.05.2016
1. gOOgle sOll sich trOllen! Und alle Harald Welzer lesen!
damit wir nicht dumm personalisiert sterben.
andrestich 19.05.2016
2. Google
Mach ich. Allerdings benötigt man nur ein Auto, dass die Garage findet und den Staus ausweicht.
Rooo 20.05.2016
3. Klingt nach einem Traumjob
Würde ich machen. Auch wenn die Bezahlung für Valley-Verhältnisse unterirdisch ist.
bernd.stromberg 20.05.2016
4. Sind Sie sicher?
Zitat von RoooWürde ich machen. Auch wenn die Bezahlung für Valley-Verhältnisse unterirdisch ist.
Sind Sie da auch ganz sicher? Es gibt wohl kaum einen langweiligeren Job als den ganzen Tag im Google Auto rumzufahren und jederzeit konzentriert und zum menschlichen Eingreifen bereit sein zu müssen. Denn genau das ist ja der Job und die Verpflichtung beim autonomen Fahren und deren Tests: es muss ein Fahrer dabei sitzen, der immer voll konzentriert ist und im Notfall blitzschnell eingreifen kann. Die Tage müssen einem vor diesem Hintergrund ja ewig vorkommen. Natürlich kann man währenddessen auch lesen oder surfen. Dann erfüllt man aber seinen Job nicht und hat im Ernstfall wohl ein Problem.
querulant_99 20.05.2016
5.
Zitat von RoooWürde ich machen. Auch wenn die Bezahlung für Valley-Verhältnisse unterirdisch ist.
Was soll das Gejammere? Im Bus müssen Sie sogar etwas dafür bezahlen, wenn Sie durch die Gegend kutschiert werden wollen. Ich frage mich sowieso, warum Google dem Fahrer etwas bezahlt. Ein kostenloser Mietwagenverleih mit autonomen Fahrzeugen wäre doch der Renner!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.