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Büro-Kung-Fu So verteidigen Sie sich gegen Ihren Chef

Ihr Boss geht Ihnen mit dummen Sprüchen auf die Nerven, beleidigt oder mobbt Sie sogar? Das lässt sich ändern - mit geschmeidiger Selbstverteidigung können Sie fiese Attacken kontern. Chefgeplagten Angestellten helfen die Basistechniken des Büro-Kung-Fu.
Kämpfende Manager: Die richtige Abwehrstrategie ist alles!

Kämpfende Manager: Die richtige Abwehrstrategie ist alles!

Foto: Corbis

Erinnern Sie sich an eine Situation, in der Sie Ihr Chef besonders geärgert hat - vielleicht hat er Sie beleidigt oder bloßgestellt. Oder er hat einfach einen ungehobelten Spruch geklopft. Denken Sie daran zurück: Wie haben Sie sich gefühlt? Waren Sie wütend? Traurig? Frustriert?

Vielleicht leiden Sie unter Anspielungen Ihres Chefs, finden ihn sexistisch oder rassistisch. Vielleicht haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, was Sie hätten erwidern können, haben stundenlang über einen möglichst schlagfertigen Konter nachgegrübelt. Vielleicht haben Sie sogar einen gefunden - würden sich aber letztlich, wenn es hart auf hart kommt, doch nicht trauen, Ihrem Chef vor versammelter Mannschaft Paroli zu bieten.

Was Sie an Ihrem Chef am meisten stört, wissen Sie selbst man besten. Sicher ist: Viele Probleme lassen sich bereits mit einigen rhetorischen Kniffen lösen. Schlagfertigkeit ist keine Hexerei, kein Privileg von Menschen mit großem Ego. Sie lässt sich lernen.

Und sie lässt sich auch gut mit Kung-Fu vergleichen. Der Name der Jahrtausende alten Kampfkunst bedeutet wörtlich übersetzt etwa: "Etwas durch harte Arbeit Erreichtes". Es gibt das sogenannte Tan Tui, einen Satz von Übungen, die in vielen chinesischen Kung-Fu-Schulen als Basistechniken unterrichtet werden. Man kann sie so lange einüben, bis man sie in einer gefährlichen Situation ganz automatisch anwendet.

Im Buch "Wer lacht, hat noch Reserven - die schönsten Chef-Weisheiten"  gibt es neben skurrilen, lustigen und bösartigen Sprüchen der Bosse auch eine Reihe von Tipps, wie man sich gegen Sozialrambos wehrt. Der Management-Trainer Karsten Bredemeier  hat sozusagen den schwarzen Gürtel in Schlagfertigkeit. Mit einer Art Grundkurs im Büro-Kung-Fu kann man Basistechniken wie das Tan Tui trainieren. So sind Sie präpariert, wenn der Chef sprachlich über die Stränge schlägt - hier ein Auszug der im Buch beschriebenen Techniken.

Bis hierhin und nicht weiter - persönliche Angriffe abwehren

Eine gezielte Pointe gegen eine Verbalattacke zu setzen, kann auf entwaffnende Weise die Hierarchie aufheben und den Chef dem Angestellten näher bringen. Sofern er Humor hat. Sofern die Pointe zündet. Und sofern Ihnen überhaupt spontan eine eingefallen ist.

Sollten Ihnen schlagfertige Sprüche nicht liegen oder sind sie nicht gerade opportun: Verzagen Sie nicht! Viel wichtiger als lustige Sprüche zu klopfen, ist, dass Sie Ihrem Vorgesetzten im entscheidenden Moment Grenzen aufzeigen. Zum Beispiel in folgender Situation:

Chef: "Also, Ihr Konzeptentwurf: Stecken Sie sich den Scheiß doch hinter den Ofen!"

Solche Attacken haben mit konstruktiver Kritik nichts mehr zu tun. Sie richten sich gegen die Person. Wer so etwas unerwidert lässt, gilt schnell als Schwächling und lässt zu, dass seine harte Arbeit schlechter bewertet wird, als sie tatsächlich ist. Dabei ist die Verteidigungschoreografie leicht zu lernen. Sie besteht aus drei Schritten.

  • Touch = Aufnehmen der Attacke
  • Turn = Korrektur
  • Talk = Vertiefung des eigenen Anliegens

Bei der "Touch, turn, talk"-Technik, einer Erfindung Bredemeiers, geht es im Kern darum, standhaft zu bleiben. Dazu müssen Sie sich einen über Jahre antrainierten Reflex abgewöhnen: Wir neigen im Gespräch dazu, die Aussagen des Gegenübers zunächst zu wiederholen, um ihm zu signalisieren, dass wir ihn verstanden haben. Diesen Impuls gilt es zu unterdrücken.

Falsch:

Chef: "Also, Ihr Konzeptentwurf: Stecken Sie sich den Scheiß doch hinter den Ofen!"

Mitarbeiter: Mein Konzeptentwurf ist nicht schlecht...

Richtig:

Chef: "Also, Ihr Konzeptentwurf: Stecken Sie sich den Scheiß doch hinter den Ofen!"

Mitarbeiter: "Das werde ich nicht tun. Er erfüllt alle Anforderungen, die wir im Vorfeld besprochen haben. Lassen Sie mich die drei wichtigsten Punkte noch einmal kurz zusammenfassen..."

Versuch's mal mit Geschmeidigkeit - Verbalattacken aushebeln

Wenn Ihr Chef Sie mit einem wenig ernstzunehmenden Spruch aufzieht, wäre es schlecht, wütend oder beleidigt zu reagieren. Schlimmstenfalls merkt er sich, dass man Sie leicht provozieren kann, und tut es immer wieder.

Besser ist: humorvoll kontern. Sie blocken den Schwinger Ihres Chefs gewissermaßen ab und verdrehen ihm den Arm auf den Rücken. Einige Beispiele:

Chef: Mein Team sieht aus wie meine Jeans. An jeder wichtigen Stelle 'ne Niete.

Mitarbeiter: Immer noch besser, als wenn es wie meine Anzughose aussähe. Die hat an der falschen Stelle eine verkniffene Bügelfalte.

Chef: Ich bin die Eins, die euch Nullen vorsteht, damit ihr überhaupt was wert seid.

Mitarbeiter: Es sind doch gerade die Nullen, die die Eins so wertvoll machen. Jede angehängte Null erhöht den Wert zuverlässig um den Faktor zehn.

Solches Geplänkel ist einfach zu lernen. "Die Kunst ist es, das vorgegebene Bild aufzugreifen und so weiterzuspinnen, das die inhaltliche Aussage umgedeutet ist", sagt Schlagfertigkeitstrainer Bredemeier. Dazu ist nur etwas bildhaftes Denken nötig.

Angestellte haben dabei einen großen Vorteil: Die Kreativität der meisten Chefs ist begrenzt. Viele klopfen immer und immer wieder dieselben Sprüche. Tut Ihr Boss das auch? Dann überlegen Sie sich in Ruhe eine Replik. Und testen Sie sie im Freundeskreis. Wenn Ihr Chef mal wieder seinen Standardspruch klopft, kontern Sie ganz entspannt.

Wenn die Argumente versiegen - Charaktermörder besiegen

Sind Sie schon einmal einem Charaktermörder begegnet? Nein? Wirklich nicht?

Das Wort mag Ihnen martialisch vorkommen. Doch es gibt diese Technik schon seit Tausenden von Jahren. Seien Sie sich sicher: Charaktermörder gibt es überall. Auch in Ihrem Büro. Ihr Chef könnte einer sein.

Der Begriff kommt aus dem Englischen. Dort ist von character assassination die Rede. Kommunikationsstrategen sprechen auch von Rollenzuweisung. Beim rhetorischen Schlagabtausch versucht der Angreifer, seinem Gegner eine möglichst unvorteilhafte Rolle zuzuweisen und dadurch dessen Glaubwürdigkeit zu zerstören. Und wenn Sie noch so überzeugende Argumente haben - das zählt dann nicht mehr. Ein guter Charaktermörder gewinnt jede Diskussion.

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Foto: Corbis

Chefs nutzen diese Technik oft, um Widerspruch abzubügeln, vor allem, wenn ihnen Argumente gegen die Widerrede fehlen. Einige Beispiele:

Chef: "Das ist so, als ob man Sägemehl sägt." (Sie werden als Erbsenzähler gebrandmarkt.)

Chef: "Herr B., jetzt machen Sie nicht immer 'Wäh, wäh, wäh', jetzt machen Sie einfach mal." (Sie werden als ewiger Nörgler dargestellt.)

Chef: "Haben Sie die Lösung, oder sind Sie das Problem?" (Der Chef wirft Ihnen Inkompetenz vor.)

Schlagfertigkeitstrainer Bredemeier empfiehlt in solchen Fällen, auf die kommunikative Metaebene zu wechseln. Sprich: die Art der Kommunikation zu thematisieren. Zum Beispiel so:

Mitarbeiter: "Unser Gespräch entfernt sich gerade von unserem eigentlichen Ziel. Unser gemeinsames Ziel ist es, eine gemeinsame Lösung für dieses Problem zu erarbeiten. Lassen wir also bitte einmal die persönlichen Interessen außen vor. Die wesentlichen Argumente sind..."

Oder etwas schärfer formuliert:

Mitarbeiter: "Statt zu argumentieren, greifen Sie mich persönlich an. Ein solches Niveau widerspricht doch auch Ihrer Fairness. Lassen Sie uns bitte wieder sachlich diskutieren. Noch einmal, der Punkt ist..."

Wrestling - schmutzige Tricks erkennen und parieren

Nicht nur bei versuchtem Charaktermord ist Metakommunikation ein probates Mittel. Diese Technik ist auch in Situationen nützlich, wenn Sie Ihrem Chef allein gegenübersitzen. Zum Beispiel, wenn Sie über Ihr Gehalt verhandeln oder zu einer Zeit Urlaub nehmen möchten, in der Ihr Vorgesetzter Sie gern im Betrieb haben will - obwohl er weiß, dass Ihre Familie Ihnen aufs Dach steigt, wenn Sie sich nicht freinehmen.

Solche Gespräche erinnern weniger an einen ehrlichen Kung-Fu-Kampf. Sie haben viel von einer Wrestling-Show. Man kennt die Szene aus dem Fernsehen: Der Schiedsrichter wird abgelenkt, dreht den Kämpfern den Rücken zu. Da schnappt sich der eine Wrestler einen Stuhl, zieht dem Gegner eins über - und gewinnt den Kampf.

Zwar wird Ihr Chef Sie vermutlich nicht mit dem Sessel verprügeln, wenn Sie ihn um mehr Geld bitten. Doch er kann im Kampf perfide rhetorische Waffen zücken. Schließlich sind Sie mit ihm allein, ohne Schiedsrichter.

Hier ein Auszug aus der Liste der schmutzigen Tricks:

Selektion: Ihr Chef bewertet ein Projekt oder Ihre Arbeit nur anhand ausgesuchter Kriterien und stellt die Dinge dadurch negativer da, als sie sind.

Gegenmittel: Erweitern Sie die Diskussionsbasis. Sagen Sie: "Die von Ihnen angesprochenen Punkte sind richtig und wichtig. Lassen Sie mich aber noch weitere Aspekte ergänzen, ohne die sich die Qualität meines Projekts/meiner Arbeit nicht vollständig bewerten lässt..."

Schwarzweißmalerei: Laut Ihrem Chef gibt es nur zwei Möglichkeiten, um sich zu einigen. "Der Kunde braucht den Entwurf in 14 Tagen, und ausgerechnet in der kommenden Woche haben Sie Urlaub. Entweder Sie verschieben ihn - oder das Projekt platzt."

Gegenmittel: Zeigen Sie Alternativen auf. Sagen Sie: "Die Abteilung von Herrn Schmitz hat gerade ein Projekt beendet und noch kein neues begonnen. Wenn zwei Mitglieder aus seinem Team diese Woche bei uns mitarbeiten, könnte der Kunde den Entwurf sogar schon Ende dieser Woche in Empfang nehmen." (Und Sie können wie geplant verreisen.)

Trügerische Kausalketten: Ihr Chef nennt für die Lösung eines Problems eine zeitliche Abfolge, die unbedingt eingehalten werden muss. In Wahrheit handelt es sich um ein Scheinargument, um Zeit zu gewinnen. Beispiel: "Ich kann Sie jetzt noch nicht in eine andere Stadt versetzen. Ich muss erst die Personalprobleme in Ihrer Abteilung in den Griff bekommen."

Gegenmittel: Durchbrechen Sie die Kausalkette. Sagen Sie: "Soweit ich es einschätzen kann, ist meine Versetzung nicht abhängig von anderen Personalfragen. Wichtige Projekte, die ich für die Firma schon jetzt in Angriff nehmen könnte, verzögern sich nun."

Zum Autor

KarriereSPIEGEL-Autor Stefan Schultz ist Redakteur im Wirtschaftsressort von SPIEGEL ONLINE. Frisch erschienen ist sein Buch "Wer lacht, hat noch Reserven".AMAZON Shop-Link: Stefan Schultz "Wer lacht hat noch Reserven" 

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