Jobben im Ruhestand Viele Rentnerinnen arbeiten, weil sie das Geld brauchen

Zur Ruhe setzen? Von wegen. Viele Senioren gehen in den ersten drei Jahren ihrer Rente einem Job nach. Meistens tun sie das aus Spaß. Doch gerade Frauen treibt auch die finanzielle Not.

Seniorin arbeitet in Reifenlager (Archivbild)
imago/photothek

Seniorin arbeitet in Reifenlager (Archivbild)


Sie haben Freude an der Arbeit, brauchen aber auch eine Aufgabe und den Kontakt zu anderen Menschen: 90 Prozent aller berufstätigen Rentner arbeiten aus diesen Gründen weiter.

Insgesamt arbeitet mehr als jeder vierte Rentner in Deutschland in den ersten drei Jahren seiner Rente. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Bei den Frauen sind es 31 Prozent, bei den Männern 28 Prozent.

Rund 70 Prozent aller Frauen arbeiten indes auch, weil sie das Geld brauchen. Bei den Männern sind es hingegen nur 53 Prozent.

Rentnerinnen sind also häufiger auf einen zusätzlichen Verdienst im Ruhestand angewiesen, weil sie etwa wegen der Familiengründung häufiger in Teilzeit beschäftigt waren und im Schnitt weniger Rente erhalten.

"Unklar ist, ob mit dem zusätzlichen Erwerbseinkommen das Wohlstandsniveau vor der Rente erhalten werden soll oder ob diese Personen ihr Existenzminimum sichern müssen", heißt es im IAB-Bericht.

Die Studie beruht auf den Angaben von rund tausend Männern und Frauen im Alter von 58 bis 69 Jahren, die seit maximal drei Jahren eine Altersrente erhalten. Zugrunde liegen Daten des Nationalen Bildungspanels aus den Jahren 2012 bis 2016.

Aus den Daten geht allerdings auch hervor, dass gerade bei Männern und Frauen mit einem hohen Haushaltseinkommen die Wahrscheinlichkeit besonders hoch ist, im Ruhestand weiterzuarbeiten. Haben Rentner ein Einkommen von 1000 Euro im Monat zur Verfügung, arbeiten 26 Prozent der Männer und 29 Prozent der Frauen weiter.

Haben Rentner ein Einkommen von mindestens 2500 Euro, arbeiten knapp 60 Prozent der Männer und Frauen weiter. Gerade bei Männern gilt also: Je besser sie ausgebildet sind, desto eher gehen sie im Ruhestand noch einer Beschäftigung nach.

Von den Rentnerinnen, die nicht arbeiten, hätte der Studie zufolge knapp jede fünfte Frau gern weitergearbeitet. Bei den Männern sind es 22 Prozent. "Politik und Betriebe sollten mit flexiblen Regelungen günstige Rahmenbedingungen schaffen, damit Erwerbswünsche im Rentenalter besser realisiert werden können", heißt es in der Studie.

Video: Wenn die Rente nicht zum Leben reicht

Deutsche Welle

lov/AFP/dpa



insgesamt 57 Beiträge
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bildammontag 16.10.2018
1. Bei Angabe von Prozenten...
... kann man fast sicher sein, dass was schief geht, siehe Überschrift: Nicht 70 Prozent aller Rentnerinnen arbeiten, weil sie das Geld brauchen, sondern 70% aller arbeitenden Rentnerinnen... Wenn "nur" ein Viertel aller Rentner überhaupt weiterarbeitet, sind 70% schon ein paar weniger, als 70% aller Rentnerinnen. Aber das genügt der Polemik wohl nicht.
neoleo99 16.10.2018
2. Niederlande
In den Niederlanden erhält jeder eine Grundrente. Zitat: Wer in den Niederlanden lebt, hat mit dem 65. Lebensjahr Anspruch auf eine Grundrente, die das Existenzminimum abdeckt. Unabhängig davon, ob er jemals Beiträge gezahlt hat, bekommt er 45 Prozent seines Durchschnittslohns und mindestens 70 Prozent des Mindestlohns für einen Alleinstehenden. Zitat ende. Quelle https://www.vile-netzwerk.de/niederlande/articles/das-rentensystem-in-den-niederlanden.html. Ja, liebe Leute, deshalb wählen wir in Deutschland nicht mehr die SPD. Nicht deshalb, weil die SPD die Zielgruppe nicht mehr erreicht, oder wie Kommentatoren der wirtschaftnahen Presse oft mutmassen, weil die Zielgruppe nicht mehr existiert. Nein, wie heisst es so schön: Wer hat uns verraten ? - Die Sozialdemokraten. Unter Schröder, muss man hinzufügen. Da vergisst man mit der Zeit den Kahlschlag in der sozialen Gesetzgebung. Rente, Berufsunfähigkeit, Senkung des Höchststeuersatzes für die Superverdiener, etc. Auch die Sozialisten in Frankreich und jüngst auch in Schweden siechen dahin, gerade weil sie den Neoliberalen auf den Leim gegangen sind. Liebe Damen und Herren der SPD, woran erkennt man sozialdemokratische Politik ? Ganz einfach: Wenn die Arbeitgeber und deren Verbände und Interessengruppierungen (INSM) Zeter und Mordio schreien, dann hat man den richtigen Nerv getroffen.
Dr. Kilad 16.10.2018
3. Arbeiten im Ruhestand wegen besserer Ausbildung?
Falsch. Die Ausbildung war für die Berufswahl entscheiden, für die Rente ist es nur der Verdienst im Beruf. Es gibt also einen großen Unterschied, warum jemand trotz Rente noch nebenbei arbeitet. Maßgeblich ist die Altersarmut. Weil nur sie auf staatlichen Zwang beruht. Was die freiwillige Weiterarbeit betrifft, ist die Situation anders. Erst wenn eine ausreichend hohe Rente auch bei prekären Jubs gesichert ist, macht ein Vergleich überhaupt Sinn. Erst ein Mindeststundenlohn von ca. 12 Euro kann eine Gleichstellung im Alter bringen.
mino2206 16.10.2018
4. 70% aller Menschen arbeiten....
weil sie das Geld brauchen. In welcher Welt muss man groß werden, um zu denken, dass 75 jährige Zeitungsausträger bei Wind und Wetter morgens um 5 Uhr Selbstverwirklichung betreiben.
Phil2302 16.10.2018
5. Überschrift führt in die Irre
Ich habe das so verstanden, dass 70 % aller Rentnerinnen für mehr Geld arbeiten gehen, nicht, dass von den Rentnerinnen, die sowieso noch arbeiten gehen, es 70 % des Geldes wegen machen. Ein großer Unterschied, und etwas irreführend formuliert in der Überschrift.
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