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Sicher durchs Interview Wie Personaler Bewerber in die Mangel nehmen

Ein Bewerbungsgespräch wirkt auf Kandidaten oft wie eine Blackbox mit unbekanntem Inhalt. Stimmt aber nicht. Die Gespräche laufen meist nach Schema F - SPIEGEL ONLINE zeigt, mit welchen sieben Schritten die Interviewer Ihr Innerstes nach außen kehren wollen.

Die sieben Phasen im Bewerbungsgespräch - und wie man sie sicher übersteht

Phase 1: Warming-Up - "Wie war die Fahrt?"

Foto: Corbis

Kaffee, Tee, Wasser? Der Start des Gesprächs dient dem Aufbau der Beziehung, mit der die Kommunikation beginnt. Meistens wird kurz über die Anreise geplaudert, wie die Fahrt so war, haben Sie's auch gleich gefunden? Anschließend gibt der Interviewer Zeitrahmen und Zielsetzung des Interviews vor.

"Beim Warming-Up stellt man sich kurz vor. Dieser Teil dient nicht in erster Linie der Informationsbeschaffung, sondern dem Beziehungsaufbau. Deshalb ist jedes Thema, was hier weiterhilft, recht", sagt Friedemann Stracke.

"Ein paar Informationen zum Zeitrahmen und zur Zielsetzung des Interviews sollen dem Bewerber Sicherheit vermitteln. Anschließend gibt man ihm in der Erzählphase die Möglichkeit, sich vorzustellen."

Phase 2: Erzählphase - ein Leben, in zehn Minuten

Foto: Corbis

In der Erzählphase hat der Bewerber meist zehn Minuten lang Gelegenheit, sich frei sprechend vorzustellen. Viele Bewerber orientieren sich an ihrem Lebenslauf, denn der chronologische Aufbau gibt ein wenig Halt und eine Struktur vor.

Möglich ist aber auch, prägende Phasen hervorzuheben, wenn diese besondere Eigenschaften oder Kompetenzen befördert haben. Der Recruiter sammelt hier Informationen, auf die er später eingehen kann. Hier gilt es für den Bewerber vor allem, die Zeitvorgabe nicht dramatisch zu unterbieten, aber auch nicht zu überziehen. Mit lebendigem, selbstsicherem Auftreten kann man in dieser "Freestyle"-Phase erste Punkte sammeln.

Phase 3: Explorative Phase - Ja, wen haben wir denn da?

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Durch einen Dialog versucht der Recruiter in der explorativen Phase bestimmte Eigenschaften, wie Kognition, Motivation und sozial-zwischenmenschliches Verhalten, genauer zu ergründen.

Inhalte sind dabei die aktuelle berufliche Situation, Interessen, Erfahrungen, Kompetenzen, Potential und Eignung. "Zum Kennenlernen der Persönlichkeit des Bewerbers ist die Explorationsphase besonders wichtig", sagt Stracke. "Hier kommt es für uns darauf an, die individuellen Qualitäten einer Person herauszuarbeiten, Schein und Sein zu überprüfen."

Dazu gehören die Kognition, die Motivation und das zwischenmenschliche Verhalten. Hier ist es also wichtig, schlagfertig, kreativ aber zugleich ehrlich zu sein. Personaler wissen, an welchen Stellen sie piken müssen, um all zu aufgepumpten Bewerbern die Luft rauszulassen.

Phase 4: Informationsphase - Was die Firma will

Foto: Corbis

In der Informationsphase stellt der Recruiter das Unternehmen vor und informiert den Bewerber über die Anforderungen und Aufgaben der offenen Stelle. Es ist letztlich die Wiederholung der Stellenausschreibung, und bedeutet für den Bewerber Zeit sich zu sammeln, sich Nachfragen zu überlegen - und trotzdem genau zuzuhören, denn es könnten wichtige Informationen zu Überstunden und Gepflogenheiten erwähnt werden, mit denen man als Einsteiger später leben muss.

Phase 5: Klären von Bewerberfragen - "Wie läuft das mit den Überstunden?"

Foto: DPA

Der Bewerber hat nun die Möglichkeit, Unklarheiten auszuräumen und noch mal sein Interesse an der Stelle zu signalisieren. Es ist aber auch durchaus legitim, nach den Rahmenbedingungen in dem Unternehmen zu fragen, wenn sie der Personaler bisher aus irgendeinem Grund weggelassen haben sollte - sprich, keine Scheu vor der Frage nach Urlaubsregelungen, Überstunden, Verdienst.

Eine Frage, die Recruiter selbst empfehlen: Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit in diesem Unternehmen? Gibt einem als Bewerber auch mal die Möglichkeit zuzuhören und ein wenig den Spieß umzudrehen. Aber: Nicht zu intensiv nachbohren, die Rollen Verhörter und Verhörer sind aus gutem Grund ganz klar verteilt.

Phase 6: Feedback-Phase - Schön, dass wir drüber gesprochen haben

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In der Feedback-Phase bekommt der Bewerber die Möglichkeit, das Gespräch zu beurteilen. Viele Bewerber beginnen nun frei zu reden, da sie das Gefühl haben, dass das Interview vorbei sei.

Doch Vorsicht: Auch die Äußerungen in der Feedback-Phase bestimmen das Gesamtbild, das der Bewerber hinterlässt. Also gilt auch hier: Offen und ehrlich sein, sich nicht zu sehr verstellen - und auf der Hut bleiben.

Phase 7: Warming-Down - Jetzt nur nicht stolpern!

Foto: Corbis

Das Warming-Down ist nicht viel mehr als eine freundliche Verabschiedung. Abreise, Wetter, sonstiges Geplänkel, all das taugt für zwei drei Sätze auf dem Weg zur Tür.

Wer jetzt nicht beim Rausgehen gegen die Glastür läuft oder einen möglichen Vorgesetzten mit der Kaffeetasse in der Hand auf dem Flur über den Haufen rennt, hat alles überstanden - und kann von jetzt an hoffen und sich selbst die Daumen drücken, wenn Gespräch und Jobbeschreibung denn gefallen haben.

Cooling-Down sind diese letzten Sekunden allerdings noch nicht. Das Niveau der gelassenen Spannung und der freundlichen Aufgeschlossenheit sollte gewahrt bleiben, bis man wirklich draußen auf der Straße ist.