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Matthias Martens

Tipps vom Karrierecoach Hilfe vom Headhunter

Matthias Martens
Ein Gastbeitrag von Matthias Martens
Ein Gastbeitrag von Matthias Martens
Wie arbeiten Headhunter? Und wie kann mir das helfen – oder schaden? Outplacement-Berater Matthias Martens erklärt, wie Sie Personalberater klug in Ihre Karriereplanung einbeziehen können.
Wer könnte passen? Das herauszufinden ist die Aufgabe von Headhuntern

Wer könnte passen? Das herauszufinden ist die Aufgabe von Headhuntern

Foto: Andrey Popov / Getty Images/iStockphoto
Zum Autor

Matthias Martens, Jahrgang 1964, war zehn Jahre Personalleiter im Otto-Konzern, bevor er sich 2006 für die Selbstständigkeit entschied. Heute begleitet der Inhaber einer Outplacementberatung  als Berater und Coach vor allem Menschen in der Lebensmitte, die sich beruflich neu orientieren wollen oder müssen. Alle Kolumnen von Matthias Martens  Mail an den Coach 

Headhunter sind längst nicht mehr auf die Besetzung von Managementpositionen beschränkt. Mit dem sich verschärfenden Fachkräftemangel beauftragen Unternehmen sie zunehmend auch für die Suche gefragter Spezialisten.

Wenn Sie einen neuen Job suchen, kann sich der Kontakt zu einem Personalberater also lohnen. Allerdings machen viele Führungs- und Fachkräfte dabei auch frustrierende Erfahrungen. Hier lesen Sie, was Sie von Personalberatern erwarten können – und wann bei Ihnen die Alarmglocken klingeln sollten.

Hüten Sie sich vor »Lebenslauf-Händlern«

Abgesehen von den vergangenen zwei Coronajahren verzeichnet die Personalberaterbranche ein stetiges Wachstum. Die Schattenseite dieser Entwicklung ist jedoch, dass einige schwarze Schafe auf diesen Zug aufgesprungen sind. Wenn Ihr Lebenslauf ohne Vorgespräch und sorgfältige Analyse Ihres Profils an Unternehmen weitergereicht wird, gleicht das eher einem Handel mit Lebensläufen, als einem seriösen Executive Search. Dieser Drang zum schnellen Geld schädigt leider den Ruf der ganzen Branche.

Seien Sie vorsichtig, wenn Sie ein Personalberater anspricht, der nicht vom Unternehmen zur Stellenbesetzung beauftragt wurde. Dies kann zu einer unerwünschten mehrfachen Vorlage Ihres Lebenslaufs bei ein und demselben Unternehmen führen und dadurch Ihrer Reputation schaden.

Dies gilt übrigens auch für die Aufnahme Ihres Profils in sogenannte Marketing-Newsletter, die an Hunderte Unternehmen verschickt werden. Solche Newsletter mögen der Kundenakquise dienen, aber nicht Ihrer Vermittlung. Im Worst Case sind sogar Rückschlüsse auf Ihre Person möglich. Sofern Ihnen diese Dienstleistung angeboten wird, sollten Sie dankend ablehnen. Sie können auch jederzeit Ihre Einwilligung zur Speicherung und Verwendung Ihrer Daten widerrufen, wenn Ihnen Zweifel an der Professionalität Ihres Kontaktes kommen.

Headhunter suchen Menschen für freie Stellen und nicht freie Stellen für Sie

Viele Führungskräfte berichten mir von frustrierenden Erlebnissen mit Personalberatungen. Diese Enttäuschungen beruhen jedoch vielfach auf Unkenntnis und unrealistischen Erwartungen. Ein Headhunter wird von einem Unternehmen für die Besetzung einer definierten Stelle mandatiert – jedoch nicht für die Vermittlung zufälliger Bewerber. Es wäre demnach naiv zu hoffen, ein Headhunter würde sich anstrengen, um für Sie eine passende Vakanz zu finden. Entweder Ihr Profil passt zu den Suchaufträgen oder Ihre Bewerbung landet in der Ablage.

Wie Sie mit Personalberatern in Kontakt kommen

Sie können Personalberater über XING und LinkedIn identifizieren und dort auch erste Kontakte knüpfen. Sofern Ihr Profil aussagekräftig ist, verschafft sich der- oder diejenige einen ersten Eindruck und erbittet bei Interesse weitere Informationen von Ihnen. Gehen Sie dabei gezielt vor und sprechen Sie nur Personalberater an, zu deren Zielgruppe Ihr Profil passt. Das ist zwar etwas mühsam, zahlt sich jedoch aus. Und beginnen Sie frühzeitig mit der Kontaktaufnahme, denn es kann einige Wochen dauern, bis ein Headhunter ein Mandat vorliegen hat, zu dem Ihr Profil passt.

Bleiben Sie seriös

Wer Professionalität vom Personalberater erwartet, sollte sich auch selbst so verhalten. Versuchen Sie niemals verschiedene Personalberater gegeneinander auszuspielen oder hinter ihrem Rücken den vermeintlichen Auftraggeber direkt anzusprechen. Das führt nur zu Ihrem schnellen Ausschluss aus dem Bewerbungsverfahren.

Überhöhte Vergütungsvorstellungen signalisieren dem Personalberater, dass Sie keine realistische Selbsteinschätzung besitzen oder ein »Zocker« sind. Beides gefährdet Ihren Bewerbungserfolg. Bleiben Sie auf dem Teppich. Ein guter Personalberater wird als ehrlicher Makler die Vergütungsvorstellungen zwischen Ihnen und dem Arbeitgeber vermitteln.

Verdient der Personalberater mit, wenn ich ein höheres Gehalt fordere? Diese Frage höre ich oft. Im Markt gibt es unterschiedliche Honorarmodelle, die sich entweder am Zielgehalt der Position oder am zu erwartenden Schwierigkeitsgrad der Stellenbesetzung orientieren. Ihr individuell verhandeltes Einstiegsgehalt wird jedoch nur selten das Beraterhonorar maßgeblich bestimmen, weil dies zu taktischen Spielchen einlädt, die einer ernsthaften Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber und Personalberater im Wege stehen.

Fazit

Nutzen Sie Personalberater als einen von mehreren Wegen, um die für Sie optimal passende neue Position zu finden. Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn Ihnen nicht überall der rote Teppich ausgerollt wird. Verhalten Sie sich trotzdem immer professionell und wertschätzend. Denken Sie daran: jede Ihrer Aktivitäten dient dem zukünftigen Arbeitgeber und seinem Dienstleister als diagnostischer Hinweis auf Ihre Eignung für die angestrebte Position.