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13. Oktober 2017, 11:54 Uhr

Expat fragt Karriereberaterin

Wie komme ich bloß zurück nach Deutschland?

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Auslandserfahrung gehört im Job dazu - aber bitte nicht zu viel. Denn irgendwann wird einem die alte Heimat fremd. Wer dann trotzdem dort eine Stelle finden will, sollte sich vorher ein paar Fragen stellen.

Marina fragt, welche beruflichen Möglichkeiten es nach 18 Jahren im Ausland gibt, in ihrem Fall Japan. Dort war sie sechs Jahre in ihrem Beruf als Architektin tätig und danach zwölf Jahre in der Forschung, Hotellerie und als Geschäftsführungsassistenz. Jetzt möchte sie zurück nach Deutschland.

Karriereberaterin Svenja Hofert antwortet:

Im Ausland wird man ein neuer Mensch. Das versichern mir immer wieder Klienten, die jahrzehntelang in Südamerika, den USA, Japan oder China gelebt und gearbeitet haben. Wer sich aber stark verändert, betrachtet sein Leben anders. Genau aus diesem Grund gibt es aus Sicht vieler deutscher Unternehmen ein Zuviel an Auslandserfahrung.

Manche Arbeitgeber bieten ihren Expatriates nach der Rückkehr spezielle Resozialisierungstrainings an. Denn selbst wenn man fast überall auf der Welt seine eigene kleine deutsche Gemeinde, deutsche Schulen und Oktoberfeste findet - die Sitten verändern das Denken und Verhalten. Man wird Teil des neuen Systems.

Die japanische Kultur, das Leben, die Sprache - das ist jetzt Ihr Pfund!

Marina, Japan hat seinen eigenen Charakter und dieser steckt jetzt auch in Ihnen. Und genau das können Sie sich zunutze machen. Sie haben die japanische Kultur, das Leben, und ich nehme an, auch die Sprache gelernt. Das ist jetzt Ihr Pfund. Nutzen Sie das für Ihre Bewerbungen! Dafür müssen Sie aber möglicherweise erst einmal wieder lernen, was es bei uns für Bewerbungsgepflogenheiten gibt.

Oft fehlen etwa Zeugnisse. Aber auch das Verhältnis zur Führung ist bei uns ganz anders als in Japan. Haben Sie die deutsche Direktheit noch?

Zwölf Jahre berufsfremde Arbeit verändern zusätzlich. Aber darin steckt auch eine Riesenchance: Ihr Erfahrungshorizont hat sich verbreitert. Aber Ihrem gelernten Beruf als Architektin sind Sie inzwischen womöglich entwachsen und nicht mehr auf dem neuesten Stand. Dafür sind Sie in etwas anderes hineingewachsen und haben jetzt aktuelleres Praxis- und Prozesswissen.

Sie haben, um das so auszudrücken, ein neues Karrieremosaik geschaffen. Solche Mosaike bilden sich oft zufällig. Deshalb ist es manchmal schwer, daraus Ideen für neue Positionen abzuleiten. Erwarten Sie dabei kein fertiges Berufsbild. Sie sollten sich vielmehr erst einmal fragen, was Sie gern machen würden - vielleicht verwalten, organisieren, beraten, verkaufen, bauen oder testen.

Jobs haben meist drei bis fünf solcher Schwerpunkttätigkeiten. Diese verbinden Sie mit einem Thema, dass sich aus Ihrer Erfahrung oder Ihren Kenntnissen ableitet. Überlegen Sie, wo Sie in Deutschland mit ihrem Mosaik einen Mehrwert stiften können und wollen. Sprechen Sie mit Menschen, die auch in Japan gelebt haben und jetzt wieder hier sind.

Facebook-Gruppen, Xing oder Linkedin nutzen

All das, was in Ihrem Mosaik als Steinchen glänzt, kann Ihnen zu einem neuen Job verhelfen. Vielleicht können Sie auf Ihrem eigentlichen Beruf aufbauen. Ich erinnere mich an eine Architektin, die später für architekturnahe Dienstleistungen in der PR arbeitete. Letztendlich müssen Sie auch berücksichtigen, wo Sie Ihre Stärken sehen.

Möglicherweise können Sie bei japanischen Unternehmen punkten oder dort, wo es kulturelle oder wirtschaftliche Berührungspunkte zu Japan gibt. Da können Facebook-Gruppen, Xing, Linkedin oder Meet-up-Gruppen helfen.

Manchmal empfiehlt sich auch etwas total Simples: Geben Sie in eine Jobsuchmaschine einfach "Japan" oder "japanisch" ein und schauen Sie, was kommt. Vielleicht ist was Interessantes dabei. Und wenn nicht, ein Versuch war's wert. Dabei können Sie auch gleich einen Profilcheck unternehmen: Reichen Ihre Qualifikationen oder brauchen Sie ein "Upgrade"?

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