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Sorge vor Nachzahlung So sparen Kurzarbeiter Steuern

Das Kurzarbeitergeld ist steuerfrei – und wirkt sich doch auf die Steuerklärung aus. Viele Menschen fürchten nun Nachforderungen vom Finanzamt. Doch nicht alle müssen sich Sorgen machen.
Zeit für die Steuererklärung: Droht das dicke Ende?

Zeit für die Steuererklärung: Droht das dicke Ende?

Foto: Katleho Seisa / E+ / Getty Images

Das Kurzarbeitergeld gilt als Wundermittel, um wirtschaftliche Krisen zu überstehen – und zwar auch die, die wir gerade im Kampf gegen das Coronavirus erleben. Dank Kurzarbeit verlieren viel weniger Menschen ihren Job, wenn es ihrer Firma zeitweilig schlecht geht. Und wenn die Geschäfte später wieder besser laufen, fehlen den Unternehmen nicht die altgedienten Mitarbeiter.

Dazu beantragen die Unternehmen Kurzarbeit, schicken ihre Mitarbeiter in der Flaute nach Hause, und der Staat zahlt einen Teil des Gehalts weiter. Das kostet die öffentlichen Kassen zwar Geld, aber weil die Wirtschaft nach der Krise schneller wieder anzieht, lohnt sich das. Sonst hätte man ja auch mehr Erwerbslose unterstützen müssen.

Dennoch machen sich die Betroffenen oft Sorgen: Wird sich der Arbeitgeber wieder berappeln? Reicht das Geld in der Zeit der Kurzarbeit? Und zuletzt kam hinzu:

Muss ich später Steuern nachzahlen?

Eine verständliche Frage, denn wer Kurzarbeitergeld bezieht, ist zur Steuererklärung verpflichtet. Und die sieht in so einem Jahr deutlich anders aus als sonst.

Zunächst einmal: Das Kurzarbeitergeld wird steuerfrei ausgezahlt. Das heißt: Es liegt zwar niedriger als das Bruttogehalt, aber weil auch keine Steuern und Sozialabgaben mehr abgezogen werden, ist der Unterschied zum gewohnten Nettoentgelt gar nicht so groß.

Allerdings unterliegt Kurzarbeitergeld dem Progressionsvorbehalt. Klingt kompliziert – ist es auch. Jana Bauer vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine erklärt es so: »Wenn Sie die Steuererklärung für das vorige Jahr machen, dann wird ja zunächst ermittelt, wie hoch Ihr zu versteuerndes Einkommen und die darauf festzusetzende Steuer ist.« In Deutschland gilt eine Steuerprogression, das heißt, wer mehr verdient, bekommt auch einen höheren Prozentsatz von seinem Einkommen als Steuer abgezogen – zumindest in einem bestimmten Rahmen. »Für die Ermittlung des Steuersatzes wird nicht nur das Gesamteinkommen betrachtet, also nicht nur der steuerpflichtige Anteil beispielsweise aus dem Bruttolohn, sondern auch Lohnersatzleistungen, wie etwa Arbeitslosengeld, Elterngeld oder Mutterschaftsgeld«, so Bauer. Und so wirkt sich auch Kurzarbeitergeld, das eine klassische Lohnersatzleistung ist, auf die Steuerprogression aus.

Eine Rolle kann das beispielsweise spielen, wenn man einen halben Monat sein Arbeitsentgelt bekommt und die anderen zwei Wochen Kurzarbeitergeld. Weil für den halben Monat das Gehalt nur halb so hoch ist, wird bei der monatlichen Gehaltsabrechnung eine wesentlich niedrigere Steuer direkt vom Gehalt abgezogen. Das Kurzarbeitergeld, das für die zweite Monatshälfte fließt, hebt aber den Steuersatz. Dann muss man wegen des höheren Satzes bei der Steuererklärung Geld nachzahlen.

Das ist auch der Grund, weshalb man als Empfänger von Kurzarbeitergeld zur Steuerklärung verpflichtet ist. Ledige Arbeitnehmer, die in der Steuerklasse 1 besteuert werden, sind zu einer Erklärung eigentlich nicht verpflichtet. In Jahren mit Kurzarbeitergeld von mehr als 410 Euro aber eben doch.

»In der Praxis dürften die meisten Bezieher von Kurzarbeitergeld von einer Nachzahlung verschont bleiben, wenn sie einige Monate ausschließlich in Kurzarbeit waren und in anderen Monaten voll gearbeitet haben«, sagt Bauer. Pauschal ausschließen kann man es zwar nicht, weil bei der Steuerklärung so viele Faktoren mit hineinspielen, etwa auch, was an Werbungskosten, haushaltsnahen Aufwendungen oder Sonderausgaben abgezogen wird. »Häufiger werden aber Konstellationen sein, bei denen man nach der Steuerklärung noch eine Rückzahlung bekommt.«

Ein einfaches Beispiel mit runden Zahlen veranschaulicht das und zeigt, welchen Unterschied schon die Art der Kurzarbeit macht:

Ein Alleinstehender ohne Kinder mit der Steuerklasse I und 2000 Euro Bruttolohn befindet sich dieses Jahr sechs Monate in 100 Prozent Kurzarbeit, die übrigen Monate arbeitet er Vollzeit.

Der Arbeitnehmer kann nach der Steuererklärung mit rund 600 Euro Erstattung rechnen.

Denn bei 2000 Euro Bruttolohn über ein halbes Jahr müsste er mehr als 1100 Euro Lohnsteuer zahlen, weil die Berechnung von einem gleichbleibenden Lohn für das gesamte Jahr ausgeht. Wenn der Arbeitnehmer nur 50 Prozent Kurzarbeit hätte, aber diese über das gesamte Jahr, müsste er dagegen rund 600 Euro Steuern nachzahlen.

Der Grund: Bei 1000 Euro, also »halbem« Lohn, zahlt er gar keine Lohnsteuer.

Fürs laufende Jahr hat Bauer auch einen Tipp parat: »Prüfen Sie Ihre Steuerklasse!« Wer jetzt schon absehen kann, dass er bald in Kurzarbeit gehen muss, kann sich eventuell damit einen Vorteil im laufenden Monatsbudget verschaffen.

Mehr Kurzarbeitergeld durch Steuertrick

Denn die Höhe des Kurzarbeitergeldes wird nach dem letzten Nettoentgelt bemessen, und das ist von der Steuerklasse abhängig. Wer in die Steuerklasse 3 für Verheiratete wechselt, bei der das monatliche Netto höher liegt, hat in den folgenden Monaten etwas mehr Geld zur Verfügung. Der andere Ehepartner, mit dem man die Steuer gemeinsam erklärt, hat hingegen weniger Nettoeinnahmen. »Unterm Strich macht es bei der Steuerbelastung keinen Unterschied«, so Bauer, »weil die Differenzen spätestens bei der Steuerklärung ausgeglichen werden. Mehr oder weniger Kurzarbeitergeld ist aber endgültig und wird durch die Steuererklärung nicht ausgeglichen.« Die Steuerklasse kann bereits zum darauffolgenden Monat geändert werden.

Das ist nicht nur völlig legal. Um solch einen Wechsel einfacher zu gestalten, wurden seit 2020 die Regeln geändert: Seither ist der Wechsel beliebig oft möglich. Auf der Website des Bundesfinanzministeriums gibt es einen Rechner, mit dem jeder die individuelle Wirkung der Steuerklasse auf seinen Monatslohn ermitteln kann.

mamk
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