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25. April 2012, 08:55 Uhr

Azubi-Gehälter

Top-Verdiener und Niedriglöhner

Augen auf bei der Berufswahl: Wie weit die Löhne für Azubis in Deutschland auseinanderklaffen, zeigt eine neue Studie. Bauhandwerker können auf über 1300 Euro kommen, manch anderer Lehrling geht mit kaum mehr als 200 Euro nach Hause. Beim Verdienst spielt auch die Region eine Rolle.

Endlich eigenes Geld verdienen: Darauf freuen sich jedes Jahr in Deutschland Hunderttausende Auszubildende, die in einen Lehrberuf starten. Zwischen den Branchen gibt es aber erhebliche Unterschiede, zwischen den Regionen ebenso. "Sei schlau, verdiene gut auf dem Bau" - das wäre die Devise, jedenfalls wenn es allein um die Ausbildungsvergütung ginge.

Denn am meisten erhalten Azubis auf dem Bau in Westdeutschland. Für sie sind 1227 Euro im dritten Ausbildungsjahr drin, im vierten Jahr sogar 1379 Euro - der absolute Spitzenwert. Am wenigsten bekommen Lehrlinge des privaten Transportgewerbes. So verdienen Speditionskaufleute in Thüringen durchschnittlich nur 332 Euro pro Monat.

Das geht aus einer aktuellen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor. Das Tarifarchiv des Instituts hat für die Untersuchung nur tariflich geregelte Ausbildungsvergütungen berücksichtigt und trotz zum Teil einheitlicher bundesweiter Löhne auch große regionale Unterschiede festgestellt. "Die aktuellen Ausbildungsvergütungen zeigen ähnliche Differenzierungen wie die Tariflöhne und -gehälter", sagte WSI-Leiter Reinhard Bispinck. Es gebe ein West-Ost-, aber auch ein Süd-Nord-Gefälle.

Binnenschiffer zählen zu den Spitzenverdienern

Je nach Branche können die regionalen Vergütungen stark schwanken. Zum Beispiel junge Gebäudereiniger, drittes Ausbildungsjahr: 820 Euro brutto pro Monat erhalten Lehrlinge im Westen, nur 650 Euro in Ostdeutschland. Azubis in Hotels und Gaststätten gehen in Bayern mit 789 Euro nach Hause, in Mecklenburg-Vorpommern lediglich mit 520 Euro.

Viel geringer fallen die Unterschiede in der Metall- und Elektroindustrie aus. Hier beträgt der regionale Unterschied nur etwa 78 Euro: Die tarifliche Spanne reicht von 884 Euro in Nordrhein-Westfalen bis zu 962 Euro in Baden-Württemberg. Etliche Branchen zahlen bundesweite einheitliche Vergütungen, etwa Banken und Versicherungen, die Druckindustrie oder der öffentliche Dienst.

Im vergangenen Jahr sind die Azubi-Gehälter überwiegend gestiegen - nach Angaben des Instituts zwischen einem Prozent (öffentlicher Dienst) und zwölf Prozent (Holz und Kunststoff verarbeitende Industrie).

Das WSI hat die Ausbildungsvergütungen nach Branchen unter die Lupe genommen, unterteilt nach 26 Wirtschaftszweigen und Tarifbereichen unterteilt. Im Januar hatte bereits das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) eine Auswertung nach einzelnen Berufen vorgelegt. Das ist aufschlussreich und mitunter verblüffend: Ganz vorn liegen Azubis im dritten Lehrjahr mit körperlich harten Berufen. So kommen westdeutsche Beton-, Rohrleitungs- oder Straßenbauer, Stuckateure, Zimmerer oder Maurer allesamt auf 1227 Euro. Auch Binnenschiffer schneiden mit 1114 Euro monatlich sehr gut ab. Im ersten Jahr als Azubi liegt die Vergütung aber stets deutlich niedriger.

Die Aufschlüsselung des BIBB zeigt ebenso die Hungerlohn-Jobs für Lehrlinge. Ganz weit hinten rangieren angehende Friseure in Ostdeutschland: nur 214 Euro im ersten Jahr, 269 Euro im Durchschnitt der Ausbildung. Da verdienen selbst ostdeutsche Floristen-Azubis und Schuhmacher (je 312 Euro), Fleischer (357 Euro) oder Tankwarte (375 Euro) noch besser. Von der eigenen Arbeit leben können Lehrlinge in solchen Berufen erst nach Abschluss der Ausbildung.

joe/jol/dpa

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