In Kooperation mit

Job & Karriere

Studie von mehr als 900 Top-Lebensläufen So wird man heute Vorstandschef

Eine Personalberatung hat typische Muster von Top-Karrieren analysiert - die Studie liegt dem SPIEGEL vorab vor. Was die Chefs von 900 großen Unternehmen in 16 Nationen gemeinsam haben und was Sie davon lernen können.
Ganz oben: Eine neue Studie zeigt, auf welchen Wegen CEOs an die Spitze kommen

Ganz oben: Eine neue Studie zeigt, auf welchen Wegen CEOs an die Spitze kommen

Foto: John Lamb/ Getty Images

Wie werde ich CEO eines großen Unternehmens? Im Einzelfall hängt das natürlich von vielen Dingen ab. Eine neue Studie der Personalberatung Heidrick & Struggles, die dem SPIEGEL vorliegt, zeigt aber deutliche Muster auf. Demnach verbessern folgende Faktoren Ihre Chancen.

Altern Sie schneller!

Während die Vorstandschefs weltweit bei ihrer Berufung im Durchschnitt 49,6 Jahre alt waren, ist im globalen Krisenmodus, in den zuletzt weltweit geschaltet wurde, Erfahrung gefragt. 906 Chef-Lebensläufe wurden untersucht; diejenigen, die erst maximal ein Jahr im Amt sind, waren im Schnitt bei der Berufung schon 52 Jahre alt. „Viele Unternehmen erwarten schwierigere Zeiten, in denen gerne auf Seniorität und nachgewiesene Resilienz gesetzt wird,“ sagt Michael Oberwegner, Deutschlandchef der Personalberatung Heidrick & Struggles.

Was tun, wenn Sie unter 45 Jahre alt sind?

Versuchen Sie Ihr Glück in Norwegen, Belgien oder Schweden. Hier ist die Quote der jungen Chief Executive Officer (CEOs) besonders hoch. In Norwegen ist knapp die Hälfte der Vorstandschefs bereits mit unter 45 Jahren auf den Chefsessel gekommen.

Bleiben Sie Ihrem Unternehmen treu!

Gerade in Krisenzeiten setzen Unternehmen gerne auf Eigengewächse. Von den derzeit im Amt befindlichen CEOs kommen zwei Drittel aus dem eigenen Unternehmen. Bei den neu berufenen sind es sogar drei Viertel. Die Firmen wollen so laut Experte Oberwegner Risiken minimieren: „Kandidaten von außen ordnen zunächst das Führungsteam neu und müssen sich zuerst in die Kultur einleben. Bei internen CEO-Berufungen ist die Phase der Einarbeitung in der Regel kürzer.“ Beste Chancen, sich dann auch lange im Amt zu halten, haben Sie übrigens in Belgien – dort sind die Chefs im Schnitt schon neun Jahre auf dem Posten, in Frankreich acht. Schneller dreht sich das Glücksrad in China, der Schweiz, Dänemark und Schweden, wo es nur vier Jahre sind.

Was tun, wenn Sie schon gewechselt haben?

Sehen Sie es positiv: Immerhin ein Viertel der Unternehmen hat noch extern rekrutiert. Investieren Sie außerdem in Bildung – global geht der Trend zu immer höheren Bildungsabschlüssen: 64 Prozent der neu berufenen CEOs haben einen höheren akademischen Grad, 27 Prozent einen Master of Business Administration (MBA). Von den Veteranen, die schon länger als 15 Jahre im Dienst sind, sind es nur 46, respektive 16 Prozent.

Werden Sie erst einmal Finanzvorstand.

Die Position des Chief Financial Officers (CFO) ist in vielen Fällen ein Sprungbrett nach ganz oben auf den Chefsessel. Das gilt vor allem für Deutschland: Fast ein Drittel der CEOs hatten vorher dieses Amt inne. International ist es immerhin ein knappes Fünftel. Studien-Autor Oberwegner: „Dass bei der CEO-Auswahl in Deutschland Finanzchefs besonders gute Karten besitzen, beobachten wir seit über einer Dekade. In keinem anderen der untersuchten Länder stehen so viele ehemalige CFOs an der Firmenspitze wie in Deutschland. Dies ist auch ein Zeichen für finanzielle Solidität.“

Was tun, wenn Sie nicht CFO sein können?

Werden Sie Chief Operating Officer (COO). In den USA, Frankreich und den Niederlanden werden die CEOs nämlich lieber aus diesem Kreis rekrutiert. Gute Karten haben Sie auch als Bereichsleiter – unter allen CEOs, die zuvor nicht auf C-Level tätig waren, ist das die gängigste Station im Lebenslauf. Und was frühe Karriereentscheidungen angeht: Ein Drittel der CEOs begann den Weg an die Spitze in der allgemeinen Geschäftsführung, da ist man nah am Zentrum der Macht. Lediglich 5 Prozent haben eigene Erfahrungen als Unternehmer.

Setzen Sie auf Bildung – besonders als Frau.

Die Frauen, die es an die Spitze geschafft haben, haben im Schnitt höhere Bildungsabschlüsse als ihre männlichen Kollegen – was man als Beweis dafür sehen kann, dass Frauen sich heute noch immer stärker behaupten müssen als ihre männlichen Kollegen.

Der Anteil an Frauen unter den CEOs steigt zwar, aber er tut es sehr langsam – von 4 Prozent im vergangenen Jahr auf 5 Prozent in diesem. Bei neu berufenen CEOs liegt die Quote immerhin bei 9 Prozent, also immer noch weniger als einem Zehntel. Das korreliert mit einer Untersuchung des Weltwirtschaftsforums, der zufolge es noch fast hundert Jahre dauert, bis global eine Gleichstellung zwischen den Geschlechtern erreicht ist. In Deutschland ist die Lage im vergangenen Jahr ein winziges kleines bisschen besser geworden: Einer Auswertung des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY zufolge arbeiteten in den 160 Konzernen der Börsenindizes Dax, MDax und SDax zum Stichtag 1. Januar 2020 insgesamt 64 Frauen im Vorstand, sechs mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: Es sind 633 Männer. In 66 Prozent der Vorstandsgremien sitzt allerdings überhaupt keine Frau.

Wo gibt es die besten Chancen für Frauen?

In Norwegen. Dort sind 16 Prozent der Vorstandsvorsitzenden des Leitindex OBX Frauen. Hohe Quoten gibt es auch in Belgien (10 Prozent) sowie in den USA (8 Prozent) und Großbritannien (7 Prozent). Und versuchen Sie es für den nächsten Karriereschritt gar nicht erst in China – da ist es weniger als 1 Prozent.

Gehen Sie ins Ausland!

Die Quote der CEOs, die über Auslandserfahrung verfügen, steigt: Bei allen derzeit amtierenden Top-Managern liegt die Quote bei 40 Prozent, das sind 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Man muss dann auch nicht unbedingt ins Heimatland zurückkehren: Auch als Ausländer hat man gute Chancen auf einen Platz an der Spitze, jedenfalls in einigen Ländern. In Deutschland haben 46 Prozent der CEOs der im Leitindex Dax und dem MDax notierten Unternehmen Auslandserfahrung, ein knappes Viertel kommt selbst aus dem Ausland. In anderen Ländern sind es weitaus mehr: Dänemark hat 71 Prozent Ausländer an den Unternehmensspitzen, die Schweiz und die Niederlande 68 Prozent.

Was tun, wenn Sie keine Auslandserfahrung haben?

Ganz einfach: Bleiben Sie zu Hause und machen Sie es damit wett, dass Sie Ihrer Firma treu bleiben. Im Idealfall sind Sie US-Amerikaner oder Chinese: In den USA haben nur 18 Prozent der „Fortune 100“-Manager Auslandserfahrung, von den chinesischen Top100 SSE-Unternehmen ist es nur ein CEO. In China gibt es keinen einzigen Ausländer, der es ganz an die Spitze der dort notierten Unternehmen geschafft hätte.  

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.