Niedriglöhner bei Wal-Mart Mitarbeiter sammeln Essen für arme Kollegen

Wer arbeitet, muss nicht hungern - so sollte es sein, so ist es aber nicht immer. In den USA sammeln Mitarbeiter der Supermarktkette Wal-Mart Lebensmittelspenden für Kollegen. Deren Löhne sind so mickrig, dass es nicht für den Festtags-Truthahn reicht.

Protest gegen Dumping-Löhne: Wal-Mart-Mitarbeiter gehen auf die Straße
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Protest gegen Dumping-Löhne: Wal-Mart-Mitarbeiter gehen auf die Straße


"Save money. Live better", so lautet der Werbeslogan der US-amerikanischen Supermarktkette Wal-Mart. In einer Filiale im Bundesstaat Ohio stehen nun Sammelkisten - für arme Mitarbeiter. "Bitte spenden Sie Nahrungsmittel, um hilfsbedürftigen Kollegen an Thanksgiving ein Festessen zu ermöglichen", steht auf einem Schild an den Kisten, die im Aufenthaltsraum der Mitarbeiter aufgestellt wurden.

"Demoralisierend und deprimierend" fand eine Angestellte das - und schickte ein Foto des Sammeltischs an die Mitarbeitervereinigung "Organization United for Respect at Walmart", kurz "Our Walmart". Der Verband postete es auf seiner Facebookseite mit der provokanten Frage: "Warum kann Wal-Mart uns nicht genug zahlen, um unsere Familien zu ernähren?"

Die schlechten Arbeitsbedingungen und die niedrige Bezahlung bei der Supermarktkette sorgen in den USA immer wieder für Aufregung und Proteste. Erst am Montag hatte die US-Behörde für Arbeitsrecht dem Unternehmen mit einer Klage gedroht:Mitarbeiter der Firma sollen bedroht, bestraft oder entlassen worden sein, weil sie an Kundgebungen oder Streiks für höhere Löhne teilgenommen hatten.

"Toll, wie sich die Mitarbeiter umeinander kümmern"

Nach eigenen Angaben zahlt Wal-Mart den Mitarbeitern einen Stundenlohn von 12,83 Dollar - im Durchschnitt. Nur sagt so ein Durchschnittslohn nicht unbedingt viel über den Lohn eines normalen Angestellten unterhalb der Führungsetagen. Dem Magazin "Forbes" zufolge fließen in die Rechnung nämlich auch die Spitzengehälter der Wal-Mart-Manager ein: 20,7 Millionen Dollar habe allein der Firmenchef im vergangenen Jahr kassiert.

Der Mindestlohn in den USA liegt bei 7,25 Dollar pro Stunde, das sind umgerechnet etwa 5,30 Euro. An oder in der Nähe dieser Untergrenze bewegen sich laut "Our Walmart" die meisten Mitarbeiter des Supermarktes. "Wenn ich 25.000 Dollar im Jahr verdienen würde, bräuchte ich keine Essensmarken", zitiert der Verein einen Wal-Mart-Angestellten aus Ohio.

Die Sprecherin der Supermarktkette kann die Aufregung um die Sammelaktion nicht nachvollziehen. "Das zeigt doch, wie sehr sich die Mitarbeiter umeinander kümmern", sagte Kory Lundberg dem US-Fernsehsender ABC. Die Aktion sei von den Mitarbeitern selbst ausgegangen; sie habe selbst erst jetzt davon erfahren. "Was die Filiale da macht, ist doch eine tolle Sache."

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robert.c.jesse 19.11.2013
1. Corporate Madness...
Je GRÖßER die Konzerne sind & werden, desto mehr können Sie über das Leben der Menschen bestimmen. Das ist der Feudalismus des 21.Jahrhunderts.
Lucas1103 19.11.2013
2. Selbst dran Schuld
Wenn man nun mal Jahrzehntelang alles verteufelt was nicht 100% frei Marktwirtschaft, Sozial- und Wirtschaftsdarwinismus und Hyperkapitalistisch ist kommt letzten Endes so etwas wie Wal-Mart dabei heraus... Mein Beleid für die Mitarbeiter aber ich denke, dass die Konzernführung es einfach nicht besser weiss (oder wissen will); Löhne + Einkaufspreise niedrig, Kunden locken mit "niedrigen Preisen", Gewinnmarge aus 1$ Verkaufspreis - (1ct einkaufspreis+2ct Mitarbeiterlohn) einstreichen und fertig.
juergw. 19.11.2013
3. Was in den USA passiert.....
Zitat von sysopREUTERSWer arbeitet, muss nicht hungern - so sollte es sein, so ist es aber nicht immer. In den USA sammeln Mitarbeiter der Supermarktkette Wal-Mart Lebensmittelspenden für Kollegen. Die Löhne sind so mickrig, dass es nicht für den Festtags-Truthahn reicht. http://www.spiegel.de/karriere/ausland/spendenaktion-bei-walmart-mitarbeiter-sammeln-essen-fuer-kollegen-a-934467.html
fand doch mit zeitlicher Verzögerung auch bei uns statt.Mal sehen ,wann es hier so weit ist.Gegen den Mindestlohn wird ja jetzt von den Lobbyisten schon Sturm gelaufen.Gibt es den USA keine food stamps mehr ?
nemensis_01@web.de 19.11.2013
4. Keinen Cent würde es geben.
Die Amerikaner sollten alle einmal bei Sarazin nachlesen. Für 2,50€ kann man sich ausreichend und Wertstoffreich pro Mahlzeit ernähren. Es muss nicht immer Truthahn sein.
jupp78 19.11.2013
5.
Also bei 7,25$ Stundenlohn sollte auch ein Wall-Mart Mitarbeiter in Vollzeit nicht hungern müssen. Also irgendwo anders liegt dort der Fehler drin.
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