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Teeplantage in Sri Lanka

Foto: M.A.Pushpa Kumara/ dpa

Teepflücker auf Sri Lanka Schuften wie zur Sklavenzeit

Tee ist die wichtigste Einnahmequelle Sri Lankas. Mehr als eine Milliarde Euro kommen dadurch jährlich ins Land. Doch die Plantagenarbeiter gehen leer aus. Sie leben und arbeiten wie vor hundert Jahren.

Sie ist 38 Jahre alt, sieht mit ihrem eingefallenen Gesicht aber aus, als sei sie schon 50. Balasingham Prameela rupft Teeblätter von einem Strauch und schmeißt sie in einen Sack, der an ihrer Stirn befestigt ist. Solange, bis der Sack so viel wiegt, wie sie selbst. Seit 23 Jahren macht sie das, sieben Tage pro Woche, von 6 Uhr morgens, bis es am Nachmittag zu heiß wird unter der sengenden Sonne.

Sri Lanka ist ein aufstrebendes Schwellenland, das unter anderem dank der zahlreichen Touristen in den vergangenen Jahren ein Wirtschaftswachstum von fünf bis sieben Prozent verbuchte. "Strahlend schönes, königlich leuchtendes Land", lautet die Übersetzung von Sri Lanka, das früher Ceylon hieß. Die dunklen Seiten werden oft verschwiegen. Dazu gehört auch der Teeanbau.

Seit mehr als 150 Jahren wird hier der weltweit geschätzte Ceylon-Tee angebaut, und genauso lange schuften Arbeiter dafür in erbärmlichen Verhältnissen. Ihr Behausungen sind heute so beschämend wie zu Kolonialzeiten: Hütten mit Lehmfußböden und löchrigen Dächern, in denen jede Familie nur einen Raum hat. Offene Kanalisation und halb verfallenen Toiletten stinken, es gibt weder Strom noch fließend Wasser. Und kaum eine Möglichkeit, der Knochenarbeit zu entfliehen.

400 Rupien, umgerechnet 2,50 Euro, bekommt Prameela pro Tag, abhängig von der Pflückmenge. Das sei so üblich auf Sri Lankas Plantagen, sagt sie. "Meine einzige Sorge ist, dass ich nicht genug verdiene, um meine Kinder zur Schule zu schicken."

Wie berechtigt ihre Sorge ist, sieht man in den heruntergekommenen Plantagensiedlungen. Viele Kinder müssen Feuerholz herbeischleppen oder Wasser von einem weit entfernten, verdreckten Bach holen. Deswegen können sie oft ihre Hausaufgaben nicht machen - und schneiden viel schlechter ab als andere Schüler.

Sri Lanka hat sich verändert, die Plantagen nicht

Wollen Familien die Plantage verlassen und sich eine bessere Arbeit suchen, sagen die Besitzer unmissverständlich: Dann verliert ihr euer Haus. Also bleiben die meisten. Ihnen fiele die Jobsuche ohnehin schwer. Sie sind überwiegend Tamilen, sprechen also Tamilisch und nicht das vorherrschende Singhalesisch.

Rund 800.000 Plantagenarbeiter gibt es heute auf der Insel, und sie alle stammen von Indern ab. Als die britischen Kolonialherren auf der Insel regierten, führten sie Tee ein und brachten, als es nicht ausreichend lokale Arbeitskräfte gab, Menschen aus Südindien in die Kolonie. Dort mussten die Migranten in Schuldknechtschaft arbeiten. Seit 1948 ist Sri Lanka unabhängig. Aber in den Teeplantagen hat sich kaum etwas geändert.

"Ihre Vorfahren lebten während der britischen Herrschaft wie Sklaven, und diese Bedingungen herrschen leider noch immer", sagt der Gewerkschaftsführer S.P. Anthonymuttu. Der Rest des Landes habe sich verändert, aber die Plantagen nicht.

Dabei ist die Teeindustrie Sri Lankas wichtigste Einnahmequelle für Devisen. 1,5 Milliarden Euro kamen dadurch im Jahr 2014 herein. Premierminister Ranil Wickremesinghe stellte jüngst einen neuen Plan vor , wonach jede Teearbeiterfamilie ein Stück Land und Geld für den Hausbau bekommen soll. 160.000 Häuser seien nötig.

Das wäre ein erster Schritt. Doch auch die Straßen zu den Häusern der Arbeiter sind schlecht. So schlecht, dass Kranke und Verletzte kaum in die nächste Stadt gebracht werden können. Gekocht wird am offenen Feuer, im Rauch, da sich kaum jemand Gas leisten kann. Licht spenden oft nur Kerosinlampen. Gegessen werden jeden Tag Reis und Linsen, für mehr reicht es nicht.

Salamanth Serpie ist 85 Jahre alt. Seit sie denken kann, lebe sie im gleichen Elend, sagt sie unter Tränen. "Wir haben unser ganzes Leben lang gearbeitet, aber nichts hat sich für meine Familie verbessert." Außer der Hütte, der Plantage und der nächstgelegenen Stadt hat Serpie in ihrem Leben nichts gesehen. Eine Rente bekomme sie trotz jahrzehntelanger Arbeit nicht, sagt sie. "Ich bedauere es zutiefst, dass ich nun eine Bürde für meine Kinder bin."

Anthony David und Doreen Fiedler, dpa/mamk

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