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Selbstständigkeit neben dem Job So gründet man ein Start-up - in vier Stunden

Sie wollten schon immer ein Café eröffnen? Kein Problem! Start-up-Gründer Felix Plötz erklärt, wie man sich als Angestellter nebenher selbstständig macht - und warum vier Stunden pro Woche dafür ausreichen.
Barista in einem Café

Barista in einem Café

Foto: Corbis
Zur Person
Foto: Sarah Rubensdörffer

Felix Plötz, Jahrgang 1983, ist Wirtschaftsingenieur und arbeitete in einem Großkonzern, als er 2015 parallel sein erstes Start-up gründete: "Plötz & Betzholz", ein Verlags-Start-up, wurde im selben Jahr von der Frankfurter Buchmesse mit der "Wildcard" ausgezeichnet und legte kurz darauf bereits seinen ersten "SPIEGEL-Bestseller" vor. Im Februar 2016 wurde "Plötz & Betzholz" von der Ullstein Verlagsgruppe übernommen. Felix Plötz lebt als Autor, Unternehmer und Vortragsredner in Bad Honnef und Berlin.

SPIEGEL ONLINE: Herr Plötz, in Ihrem Buch wollen Sie zeigen, wie man in vier Stunden pro Woche ein Start-up gründen kann. Dabei arbeitet doch wahrscheinlich kaum jemand mehr als ein Unternehmensgründer. Ist Ihr Versprechen Quatsch?

Felix Plötz: Nein. Aber dass fast jeder von uns ein eigenes Business erfolgreich nebenbei gründen kann, widerspricht der gängigen Vorstellung. Wenn wir noch die Klischees "Man muss zum Unternehmer geboren sein" und "Wer selbstständig ist, macht alles selbst, und das ständig" hinzufügen, dann haben wir die gängigsten Gründe beisammen, warum viele Menschen lieber im Hamsterrad bleiben, anstatt sich zu trauen ihre Ideen auszuprobieren. Dabei geht beides. Das Vier-Stunden-Start-up ist die moderne Version des klassischen zweiten Standbeins: etwas machen, das einem Spaß bringt, und dabei Geld verdienen.

SPIEGEL ONLINE: Wie soll das gehen, ein Start-up neben einem Vollzeitjob?

Plötz: Das Geheimnis ist, sich nicht zu überfordern und sich eine Idee zu suchen, die einen auch wirklich begeistern und erfüllen kann. Sie würden doch auch keinen Hobbyfußballer fragen, wie er es schafft, dreimal die Woche zum Training zu gehen und einen Teil des Wochenendes ebenfalls auf dem Platz zu verbringen. Das Charmante ist: Ein Vier-Stunden-Start-up kann grundsätzlich ohne Erfolgsdruck entstehen - mit vier Stunden pro Tag, Woche oder auch pro Monat.

SPIEGEL ONLINE: Was ist der erste Schritt?

Plötz: Das ist natürlich sehr abhängig von der Geschäftsidee. Allerdings gibt es drei Hürden, die jeder überwinden muss:

  • Erstens: Du darfst nicht beim ewigen "Eigentlich würde ich gerne mal" bleiben. Der Wunsch allein genügt nicht. Das klingt banal, ist allerdings die Hürde, an der die meisten Menschen scheitern.

  • Zweitens: Du musst etwas finden, das zu dir und deinen Fähigkeiten passt. Ein Beispiel: Die Idee zu Facebook ist erwiesenermaßen extrem erfolgreich. Zu meinen Fähigkeiten hätte sie allerdings nicht gepasst - ich wäre damit grandios gescheitert.

  • Drittens: Die Idee, die zu dir und deinen Fähigkeiten passt, muss ihren Markt haben. Tut sie das nicht, ist es nur ein Hobby, aber kein Nebenbusiness.

SPIEGEL ONLINE: Okay, sagen wir, jemand träumt davon, einen Teeladen zu eröffnen. Wie sähen die ersten Schritte aus?

Plötz: Die ersten Schritte haben allesamt ein einziges Ziel: herausfinden, ob die Idee überhaupt tragfähig ist. Kann ich das Produkt so herstellen wie geplant? Das muss ich in der Realität herausfinden, beispielsweise indem ich Hersteller kontaktiere. Und noch viel wichtiger: Interessieren sich diejenigen, die ich mit meiner Geschäftsidee adressiere, überhaupt dafür? Wenn mein Teeladen ein Onlinehandel sein sollte, könnte zur Probe eine einfach gestaltete Webseite mit Shop in Kombination mit Google-Anzeigen sinnvoll sein. Das hat man in ein paar Stunden fertig. Möchte ich mein Geschäft in der Münchner Innenstadt eröffnen, würde ein temporärer Popup-Store am Ort des Geschehens Sinn machen.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange dauert das, wenn die Person wirklich nur vier Stunden pro Woche investiert?

Plötz: Es gibt keine Formel. Wer etwas anderes behauptet, hat entweder keine Ahnung oder er will Sie übers Ohr hauen. Selbst wenn Sie mit Ihrem Start-up alles richtig machen, hängt ganz viel schlicht von Glück und Zufall ab. Sicher sind nur zwei Dinge: Wenn Sie Ihre Idee nicht ausprobieren, ist die Chance gleich null, dass daraus etwas wird. Und: Jemand, der sich vier Stunden am Tag um sein "Baby" kümmert, kommt selbstverständlich schneller voran als bei vier Stunden im Monat.

SPIEGEL ONLINE: Und wie kommt man an Startkapital?

Plötz: Ein sehr gutes Tool, um gleichzeitig Geld einzuspielen und eine Idee zu prüfen, ist Crowdfunding. Es beantwortet eine wichtige unternehmerische Frage: Sind Sie in der Lage, Menschen dafür zu begeistern?

SPIEGEL ONLINE: Muss ich meinem Chef Bescheid sagen, wenn ich ein Start-up gründe?

Plötz: Grundsätzlich darf jeder in seiner Freizeit arbeiten, was er will. Doch es gibt natürlich auch Ausnahmen und Spielregeln, die man kennen muss, wie zum Beispiel das Wettbewerbsverbot, wonach man seinem Arbeitgeber ohne dessen Einverständnis keine Konkurrenz machen darf.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben selbst zwei Unternehmen gegründet. Haben Sie das nebenbei gemacht?

Plötz: Ich habe mein erstes Start-up ungefähr eineinhalb Jahre lang neben dem Job aufgebaut und kündigte erst, nachdem klar war, dass meine Idee tragfähig ist. Dann schwor ich mir eine Sache: nicht zurück in den Rhythmus aus "eat, work, sleep, repeat" zu geraten. Ich wollte das Hamsterrad nicht verlassen haben, nur um mir ein neues zu kreieren.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Stunden in der Nacht schlafen Sie?

Plötz: Mehr als vier - falls Sie darauf hinaus wollen. Als ich kündigte, traf ich eine ganz bewusste Entscheidung: Ich muss nicht finanziell reich werden, aber meine Projekte sollen mein Leben bereichern. Diese Philosophie verfolge ich immer noch. Dauerhafter Schlafmangel hat in diesem Plan keinen Platz.

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