Start-ups in Berlin Zwischen Hype und Realität

Magnet Berlin: Mehr als 100.000 neue Jobs werden Start-ups in den kommenden Jahren in der Hauptstadt schaffen, orakelt McKinsey. Für billige und hochqualifizierte Arbeitskräfte ziehen Firmen sogar aus Singapur her. Restlos begeistert sind nicht alle.

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Döner oder Fischkopfcurry, Gänseblümchen oder Orchideen? Berlin hat's nicht leicht im Wettkampf mit Singapur. Wer will schon im Nieselregen angeschnauzt werden, wenn es auch höflich mit Verbeugung im Sonnenschein geht? Das Start-up Foodpanda ist trotzdem von der asiatischen Metropole in die deutsche Hauptstadt gezogen - obwohl Deutschland gar nicht zu den 28 Ländern gehört, in denen der Online-Lieferservice seine Dienste anbietet.

Berlin ist zu einem der Lieblingsstandorte junger Online-Unternehmen in Europa avanciert. Viele Firmen, die mit E-Commerce, Browserspielen oder sozialen Netzwerken durchstarten wollen, zieht es hierher. Allein im Jahr 2012 zählten die Berliner Statistiker 1063 Gewerbeanmeldungen von Unternehmen, die "Dienstleistungen der Informationstechnologie" anbieten wollen. McKinsey geht davon aus, dass Start-ups bis zum Jahr 2020 mehr als 100.000 neue Jobs in Berlin schaffen werden. Davon sollen 40.000 bei den Internet-Unternehmen selbst entstehen, der Rest durch "Multiplikatoreneffekte" in anderen Firmen, heißt es in einer Langzeitprognose der Unternehmensberatung.

"In Singapur gibt es nicht diese Vielfalt", erklärt Ralf Wenzel, Geschäftsführer und Mitgründer von Foodpanda, den Umzug seines Unternehmens, das weltweit schon mehr als 800 Menschen beschäftigt. Programmierer, Designer, Produktentwickler oder Marketing-Experten - in Berlin gebe es einen riesigen Pool an jungen Talenten aus aller Welt. "Hochqualifizierte, mehr oder weniger ungebundene Leute, die sich auf ein vielleicht kurzlebiges Projekt mit unterdurchschnittlicher Bezahlung einlassen", so formuliert es Jochen Steinbicker, Soziologe der Berliner Humboldt-Universität Berlin: "Start-ups brauchen, vereinfacht gesagt, Ideen und Personal."

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Investor auf Start-up-Messe: Zwischen Bauchgefühl und Businessplan
289 Jobangebote von Berliner Start-ups fand die Online-Jobsuchmaschine Adzuna im November. 162 Stellen boten allein die vier Start-ups Zalando, Glossybox, ad2games und Home24 an. Was die Suchmaschine nicht offenbarte: Beim Kosmetikhersteller Glossybox ist die Zahl der Mitarbeiter insgesamt geschrumpft, rund 150 Stellen wurden in den vergangenen eineinhalb Jahren gestrichen.

Besonders gefragt sind weiterhin Software-Entwickler und Marketingexperten. "Es versteht sich von selbst, dass Start-ups in der Regel nicht die gleichen Gehälter wie große Unternehmen zahlen können", sagt Adzuna-Manager Matthias Lissner. Dafür böten sie aber ein dynamisches Arbeitsumfeld, Jobs mit viel Verantwortung und häufig auch Aktien-Optionen.

Berliner Start-ups wie Soundcloud, Wooga oder 6Wunderkinder haben sich mittlerweile auch international einen Namen gemacht. Für Ausländer ist es deutlich einfacher, hier anzuheuern als im Silicon Valley, wo die Visums-Kontingente chronisch ausgeschöpft sind. Doch spektakuläre Verkäufe oder Börsengänge in Millionenhöhe konnte die Hauptstadt erst wenige vermelden. Facebook oder Twitter spielen in einer anderen Liga.

In Berlin fehlten größere Büroflächen, die sich zu flexiblen Konditionen mieten lassen, bemängeln die Unternehmensberater von McKinsey. Auch die vielen Universitäten und Forschungseinrichtungen könnten aktiver sein.

Konstantin Guericke, Gründer von LinkedIn, hat die Geduld mit der Hauptstadt schon verloren. Sein Fazit im "Handelsblatt": "Alle sollten im Silicon Valley launchen." Man brauche sich nur zwei gleich gute Teams vorzustellen mit einem gleich guten Produkt, eins in Berlin, eins im Silicon Valley. "Nach einem Jahr hat das deutsche Start-up vielleicht 100.000 Kunden. Das amerikanische hat eine Million."

vet/dpa

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systembolaget 10.01.2014
1. Am Ende läuft es in Berlin nur auf das Eine hinaus:
Mit übermotivierten unterbezahlten jungen Leuten wird etwas begonnen... und dann kommen die Samwer-Brüder und kopieren die Kopie.
marthaimschnee 10.01.2014
2.
Leute schlecht zu bezahlen ist eine Sache, aber im Gegenzug hohe Motivation, Verantwortung und Flexibilität fordern und das dann auch noch mit Aktienanteile - wobei das wenig Erfolgs- sondern eher als Risikobeteiligung zu verstehen ist - zu koppeln, klingt schwer nach dem Verheizen von Arbeitskräften! Wenn's gut geht, is schön und wenn nicht, trägt der Mitarbeiter einen Großteil des Risikos.
kraijjj 10.01.2014
3. naja
---Zitat--- Dafür böten sie aber ein dynamisches Arbeitsumfeld, Jobs mit viel Verantwortung und häufig auch Aktien-Optionen ---Zitatende--- Kann man auch so übersetzen... "unsicheres, stetige Flexibilität erforderndes Arbeitsumfeld, keine Planungssicherheit, Jobs mit viel Verantwortung/Stress" und das ganze mit nicht angemessener Bezahlung, die kaum ausreicht um den Lebensunterhalt zu begleichen. De Facto sucht man dafür ungebundene Tagelöhner, die für Fame aber nicht für Geld arbeiten.
rational_bleiben 10.01.2014
4. optional
"Doch von Patrick Meisberger bekommen sie noch nicht einmal die Visitenkarte: "Ich kenne mindestens zwei Wettbewerber in Deutschland, die Ähnliches anbieten. Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Idee zu wenig" Hammer-Argument. Es gäbe heute kein VW, kein Opel, kein BMW, wenn man damals so gedacht hätte. "Sie wollen also Automobile bauen Herr Opel...hmm...Daimler und Benz tun das aber schon, die haben's schließlich erfunden, was ist ihr Alleinstellungsmerkmal?" Wenn der Markt es will, kann man bestehendes eins zu eins nachbauen (unter berücksichtigung von copyright, patenten bla bla versteht sich) und man wird ein Vermögen damit machen.
MiriamAZ 10.01.2014
5. Wann endet der lobby-gesteuerte Berlin-Hype?
Nachdem die Venture-Capital-Unternehmen mit ihren überwiegend vielen arbeitslos gewordenen vormaligen Hedgefonds-, Banken- usw.-Exmanagern das Geld ihrer Investoren weitgehend in Berlin verbrannt haben und deshalb kaum neues bekommen... Kommt jetzt der Großangriff auf das Geld des Steuerzahlers. Die neue Regierung ist da - auf zum Sturmangriff auf die neu sich öffnenden Kassen-Chancen. --- -- Wie sollen beispielsweise arbeitslos gewordene Börsenspekulanten (mit ihren gängigen Millioen-Abfindungen) plötzlich Technologie-Märkte optimieren können - die wettbewerbsintensivsten und also schwierigsten Märkte überhaupt? Das Insolvenz-Chaos ist fast immer garantiert. Die millionste App - beispielsweise zur Lokalisierung des gealterten leicht dementen Haushundes in der Wurstabteilung des Supermarktes - wie anders soll das enden als mit Insolvenz? ("Übertreiben macht anschaulich.") --- --- Praktisch 100% der Berliner Startups sind alsbald (2 bis 3 Jahre später?) in der Insolvenz. Mit ihren so immer stereotypen Gründerfotos, so immer gleichartig lässig-dynamische Traumgestlten + Firmenlogo, kann man es zwar in die Medien schaffen. Aber unternehmerische Kompetenz, Erfahrung, Standvermögen, breite Technologie-Kenntnis, Führungserfahrung: Praktisch immer Fehlanzeige. Ergebnis dementsprechend - siehe Berliner Insolvenzgerichte. --- --- Was es heißt, dass hierdurch Millionen verdienende "graue Eminenzen" mit ihren Versprechen im Hintergrund die gläubigen unerfahrenen Gründen massenweise in die Insolvenz jagen, hat noch kein Medienberichterstatter analysiert... Höchste Zeit, einmal hinter die Kulissen zu schauen. Unvorstellbar, wie unerfahrene junge Idealisten mit dem Stigma ihrer ersten Insolvenz sodann in das normale Berufsleben eintreten müssen. Bei Linkedin wurden die Berliner Missstände schon einmal als "Venture Capital Pedophilia" bezeichnet. Denn die Familien der Hoffnungsvollen müssen ja dann möglicherweise einen wesentlichen Teil der Verluste ausbügeln, um die Schäden für die Lebenszukunft in Grenzen zu halten, soweit insolvenzübliche Strafverfahren anderenfalls drohen würden. --- --- Ausnahmsweise ein Link - ich hoffe, das wird verziehen, nötig als Schutz der jungen Jungen: aha7.com/ppp-de/ecbjw-humor-de.htm --- --- Natürlich geschieht in Berlin etwas ganz Außerordentliches, etwas Faszinierendes, ein großartiger Beitrag zur Zukunft. Die andere Sache - unternehmerischer - Erfolg liegt vorwiegend bei den erfahrenen "Serien-Unternehmern". Also eben nicht bei denen, die mit den Millionen anderer Leute jonglieren und die für Futter-Nachschub die Hype-Kanonen bedienen. Da geht es um Geld, um ganz viel Geld - Geld anderer Leute... und die nach außen auftretenden Jungpersonen sind nur die dafür nun einmal unerlässlichen "Marionetten".
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