In Kooperation mit

Job & Karriere

Radeln mit Steuervorteil Dienstwagen auf zwei Rädern

Ein neues Fahrrad für den Sommer? Lassen Sie sich's doch von der Firma bezahlen! Für Räder gelten jetzt die gleichen Steuervorteile wie für dicke Dienstwagen. Man spart Geld für Benzin oder teure Reparaturen - und ist allemal schneller im Büro.
Berufsverkehr mal anders: Aufsatteln lohnt sich

Berufsverkehr mal anders: Aufsatteln lohnt sich

Foto: Corbis

Auf dem Handy blinkt das nächste Meeting im Terminkalender schon rot. Doch der Verkehr steht still, zu Fuß ist es viel zu weit bis ins Büro. Wer jetzt mit dem Rad unterwegs ist, kann einfach an den Wagenkolonnen vorbeizischen. Dass Autos im Berufsverkehr längst nicht mehr das einzige Fortbewegungsmittel sind, hat auch der Gesetzgeber erkannt. Und deshalb die Steuervorteile für Dienstwagen auch auf Fahrräder, E-Bikes und Pedelecs ausgeweitet.

"Da das Rad immer mehr Liebhaber findet, war es notwendig, eine neue Regelung zu finden", sagt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. Für Unternehmen habe das Rad schon länger eine Bedeutung: "Große Automobilhersteller haben auf ihrem Werksgelände Hunderte Fahrräder. Dort sind zwischen den Fertigungshallen Wege zurückzulegen, für die das Fahrrad Vorteile bietet."

Die Bedeutung als Statussymbol verliert das Auto allmählich. Das Rad wird auch für die Mitarbeitermotivation relevanter - und kommt viel günstiger als ein Dienstwagen. Für die private Nutzung von Diensträdern wurde als monatlicher Durchschnittswert ein Prozent des Listenpreises festgesetzt, in einem Erlass  der Länderfinanzbehörden vom November 2012. Der Steuervorteil gilt rückwirkend zum 1. Januar 2012.

Das Rad als Motivation

Die Rechnung geht so: Kostet ein Auto mit seinem "Bruttolisten-Neupreis" 80.000 Euro, wird der sogenannte geldwerte Vorteil, den ein Arbeitnehmer durch die private Nutzung hat, im Rahmen der Ein-Prozent-Regelung mit 800 Euro veranschlagt. Um diese Summe erhöht sich also das monatliche gesetzliche Einkommen, auf das Steuern und Sozialabgaben zu entrichten sind. Die Kosten für das Auto sind dadurch geringer als beim privaten Kauf. Aber das Jahreseinkommen steigt, somit auch Steuern und Sozialabgaben. "Beim Rad kommen selten mehr als 20 Euro im Monat zusammen", sagt Anita Käding.

Fotostrecke

Steuervorteil Fahrrad: Drahtesel als Dienstwagen

Foto: Leaserad

Ein weiterer Pluspunkt des Fahrrads: Für den Dienstwagen müssen Arbeitnehmer zusätzlich 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises versteuern, als geldwerten Vorteil für die Wegstrecke zur Arbeitsstätte. "Das fällt beim Rad ganz weg", so Käding. Und weil meist Leasing-Modelle für die Beschaffung der Räder genutzt würden, können Mitarbeiter das Rad in der Regel nach drei Jahren behalten, wenn sie einen geringen Restpreis von 10 bis 20 Prozent des Neupreises zahlen. "Sie haben es mit ihren Monatsraten ja ohnehin quasi abbezahlt", erklärt Käding. "Und was soll das Unternehmen mit einem so alten Rad sonst auch machen?"

Auch Fahrradanbieter trommeln für die neue Regelung, sie sehen Vorteile für Unternehmen wie Beschäftigte: Räder bräuchten weniger Stellfläche als ein Limousinen-Fuhrpark, sagt Stephan Schreyer vom Zweirad-Industrie-Verband. Mitarbeiter, die aufs Rad umsatteln, seien zudem fitter, der Krankenstand gehe nachweislich zurück. Wirtschaftlich sinnvoll sei das Rad sowieso, so Schreyer: Kleine Reparaturen vielleicht, aber "außer mal einem Fahrradschlauch für zwölf Euro braucht es ja kaum etwas - keine Wartung, kein Benzin". Und Firmen könnten damit Umweltbewusstsein zeigen.

Das Dienstfahrzeug des Normalo-Angestellten

Doch einen starken Trend hin zum Dienstrad hat die Neuregelung in dem halben Jahr noch nicht ausgelöst. Dass Unternehmen ihre Beschäftigten nun scharenweise aufsatteln lassen, konnte noch kein Verband beobachten: weder der Bundesverband der Mittelständischen Wirtschaft noch die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände oder der Deutsche Industrie- und Handelskammertag.

Als Lohnanreiz gilt das Dienstrad also offenbar noch nicht. "Man muss realistisch bleiben, was das Potential angeht", so Schreyer vom Zweirad-Verband. "Der Vorstandsvorsitzende eines Großunternehmens wird nicht zum Termin von Frankfurt nach Berlin radeln. Letztlich ist das Rad nur für kurze Wege interessant." So stellt die Commerzbank für ihre Mitarbeiter bereits seit vier Jahren an mehreren Frankfurter Standorten Räder bereit.

Wer im neuen Job oder beim Jahresgespräch Verhandlungsspielraum hat, kann die Gelegenheit nutzen: "Ein Rad kann eine gute Alternative für alle sein, die sich privat ein teures Rad kaufen würden und bei der Gehaltsverhandlung keinen Dienstwagen durchgesetzt bekämen", sagt Gehaltscoach Martin Wehrle. Er rät, mit drei Forderungen ins Gehaltsgespräch zu gehen: einem Minimal- und einem Maximalziel beim Gehalt - plus Alternativziel für den Fall, dass sich das Maximalgehalt nicht durchsetzen lässt. Das Rad kann eine solche Alternative sein.

Dienstfahrzeuge - dicke Schlitten und drahtige Esel

Thorsten Wiese, dpa/hae
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.