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Stipendium mal anders 100.000 Dollar für Uni-Verweigerer

Preis für den besten Bachelor, Stipendium für gute Noten: Wer sich an der Universität richtig reinhängt, kann viel Bares geschenkt bekommen. Ganz anders läuft es gerade für einige junge Talente in den USA. Ihnen winkt Geld, wenn sie zeitweilig aufs Studium verzichten. Viel Geld.
Geldregen, ganz studienfrei: Manchmal ist keine Ausbildung mehr wert

Geldregen, ganz studienfrei: Manchmal ist keine Ausbildung mehr wert

Foto: Corbis

100.000 Dollar bezahlt der deutschstämmige Unternehmer Peter Thiel 24 jungen Leuten - wenn sie versprechen, nicht zu studieren. Er hat sich dafür eine Zeit ausgesucht, in der in den USA der Wert eines Studiums zur Debatte steht. Durch wachsende Studiengebühren werden hoch verschuldete Absolventen auf den umkämpften Arbeitsmarkt geschwemmt. Immer mehr Amerikaner stellen sich deshalb die Frage, ob eine Universitätsausbildung überhaupt ihr Geld wert ist. "Menschen als Studenten zu Schuldensklaven zu machen, ist nicht der Weg, eine bessere Gesellschaft aufzubauen", erklärt Thiel.

Der Unternehmer hatte ein anderes Konzept: Er rief junge Leute auf, Ideen einzureichen, mit denen sie die Welt verbessern wollen. 24 davon suchte er selbst aus . Ein Gewinner will ein mobiles Banksystem für die Entwicklungsländer auf die Beine stellen, ein anderer arbeitet an billigerem Biosprit. Einer plant den Bau von Robotern, die im Haushalt helfen. Sie alle bekommen 100.000 Dollar. Einzige Bedingung: Sie dürfen nicht studieren.

Thiel glaubt, dass nur radikale Lösungen die Menschheit weiterbringen. Und er ist der Meinung, dass die besten jungen Köpfe mehr zur Gesellschaft beitragen können, indem sie auf die Universität verzichten und ihre Ideen direkt umsetzen.

Einer von ihnen ist Nick Cammarata : Schon in der Highschool hat er lieber das gelesen, was ihn interessiert, als aufzupassen. Sein Talent fürs Programmieren hat ihm trotzdem einen Platz im angesehenen Programm für Computerwissenschaft an der Universität Carnegie Mellon gesichert. Aber der 18-Jährige wird das Studium nicht antreten. Zusammen mit seinem 17-jährigen Kollegen arbeitet er ab jetzt an einer Software zur Verbesserung der Unterrichtsqualität an Schulen. Auch der lehnte den Platz an einer renommierten Universität ab.

Suche nach dem nächsten Zuckerberg

Peter Thiel  machte sein Vermögen als Mitbegründer des Online-Bezahlsystems PayPal, danach investierte er in Facebook. Das Netzwerk dient ihm als Beispiel, als Prototyp, als Beweis für seine These: Er glaubte damals an den Harvard-Abbrecher Mark Zuckerberg und investierte 500.000 Dollar in das soziale Netzwerk. Die Anteile sind heute Milliarden wert.

Der provokative Ansatz zieht jedoch Kritik auf sich. So erklärte der Forschungsdirektor vom Zentrum für Unternehmertum der Duke Universität, Vivek Wadhwa, Thiel sende die falsche Botschaft aus. Er lasse den Eindruck entstehen, jeder könne ein Mark Zuckerberg werden. "Das Silicon Valley lebt in einer Blase", sagte Wadhwa. "Es hat eine verdrehte Wahrnehmung." Die Menschen dort seien erfolgreich wegen ihrer Ausbildung.

Peter Thiel sieht das anders. Er meint, seine Kritiker sollten erst einmal abwarten, was die Stipendiaten auf die Beine stellen. Peter Thiel hat seinen Abschluss in Stanford gemacht.

dapd/mia