Streit über Gehälter ZDF-Reporterin legt Berufung ein

Der Fall der ZDF-Reporterin, die ihren Arbeitgeber zu einer gerechteren Bezahlung zwingen wollte, geht in die nächste Runde. Die Journalistin war vor dem Berliner Arbeitsgericht gescheitert und legt nun Berufung ein.

Studio von "Frontal 21"
ZDF/ Svea Pietschmann

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Mit drastischen Worten hat der Rechtsanwalt der ZDF-Reporterin das Urteil des Arbeitsgerichts Berlin gegen seine Mandantin bewertet. Hans-Georg Kluge bezeichnete es als "in schwerwiegender, ja willkürlicher Weise rechtsfehlerhaft". Die Redakteurin des Magazins "Frontal 21" werde nun Berufung vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg einlegen, heißt es auf der Webseite der Kanzlei.

Die Journalistin war am Dienstag mit einer Klage für mehr Lohngleichheit gegen das ZDF gescheitert (Aktenzeichen 56 Ca 5356/15). Sie hatte zuvor herausgefunden, dass ihre männlichen Kollegen mehr verdienen und wollte ihren Arbeitgeber gerichtlich dazu bringen, auch ihr mehr zu zahlen. Doch das Gericht fand keine ausreichenden Indizien für eine Diskriminierung, begründete ein Gerichtssprecher die Entscheidung.

Wie der SPIEGEL unlängst berichtete, arbeitet die Reporterin seit mehreren Jahren für das ZDF-Politmagazin "Frontal 21". Sie hatte zunächst versucht, die Sache intern zu regeln und mehr Gehalt herauszuhandeln.

Als sie damit scheiterte, verklagte sie das ZDF und forderte vor Gericht eine Entschädigung von 70.000 Euro. Der Vorsitzende Richter hatte den beiden Parteien bis Anfang Februar Zeit gegeben, den Streit außergerichtlich beizulegen. Das ist jedoch nicht geschehen.

"Das nennt man Kapitalismus"

Das ZDF hatte vor Gericht argumentiert, dass die männlichen Kollegen der Klägerin mehr Berufserfahrung hätten. Bei der Entscheidung, wie viel jemand beim ZDF verdiene, sei das Geschlecht kein Kriterium. Die Vergütung der freien und festen Mitarbeiter werde weitgehend durch Tarifverträge bestimmt, sagte ein Sprecher. "Geschlecht, Alter, Religion etc. spielen hierbei keine Rolle."

Der Rechtsanwalt der Klägerin hält es dagegen für offensichtlich, "dass feste Kriterien nicht ausschließlich ausschlaggebend für die Vergütung sein können". Für eine mögliche Diskriminierung sei in der Klageschrift eine Vielzahl von Belegen geliefert worden, die alle unter Beweis gestellt worden seien. Seiner Auffassung nach hätte das Arbeitsgericht Berlin die Pflicht gehabt, eine umfangreiche Beweisaufnahme durchzuführen. Das sei nicht geschehen.

In der Verhandlung zeigte sich, wie verhärtet die Positionen sind. Als die Klägerin fragte, warum Männer in der Redaktion mit weniger Berufserfahrung trotzdem mehr verdienten als sie, antwortete der Vorsitzende Richter: "Weil die Kollegen besser verhandelt haben? Das nennt man Kapitalismus."

Die Reporterin hatte vor Gericht auch argumentiert, sie stehe in einem Arbeitsverhältnis mit dem Sender und sei dort nicht lediglich als freie Mitarbeiterin tätig. Das Gericht stellte nun allerdings fest, dass die Voraussetzungen für ein solches Arbeitsverhältnis nicht zu erkennen seien. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

ler

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