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Studie zu Umgangsformen Der Ehrliche flucht am meisten

Ihnen rutschen schon mal unflätige Schimpfwörter raus? Kein Grund mehr, sich anschließend vor den Kollegen zu grämen. Denn ab jetzt ist klar: Wer flucht, hat gleichzeitig eine sehr positive Eigenschaft.

Was ist Ihr Lieblingsschimpfwort - "Sch...", "F..." oder ein dezenteres "Mist"? Und wie flucht Ihr Schreibtischnachbar, wenn sein PC wieder abgestürzt ist oder die E-Mail versehentlich an den falschen Empfänger ging? Flucht er überhaupt? Falls nicht, sollte Sie das stutzig machen.

Denn laut einem internationalen Forscherteam  ist es nicht automatisch ein Ausdruck von Charakterschwäche, wenn jemand spontane Kraftausdrücke verwendet. Ganz im Gegenteil: Es verrät sogar Gutes - und lässt Kollegen und Geschäftspartner womöglich in einem neuen Licht erscheinen.

Wissenschaftler von Universitäten in Maastricht, Hongkong, Kalifornien und Cambridge haben 276 Teilnehmer zu ihren "Fluchgewohnheiten" befragt. Sie sollten ihre liebsten Schimpfwörter auflisten und einschätzen, wie oft sie im Alltag fluchen. Außerdem analysierten die Forscher anhand eines Fragebogens, wie sehr die Teilnehmer zum Lügen neigen.

In einem zweiten Teil werteten die Forscher Profile von fast 74.000 Facebook-Nutzern aus. Sie gingen dabei von der Erkenntnis einer früheren Studie aus, die zu dem Schluss kam, dass Menschen, die etwas verbergen wollen, unter anderem seltener Personalpronomen wie "ich", "mir", "sie" oder "ihr" benutzen. Außerdem filterten die Forscher die Schimpfwörter heraus, die die Nutzer in ihren Status-Meldungen verwendeten.

In beiden Untersuchungen kam heraus: Wer häufig schimpft, verbal oder schriftlich, der sagt auch tendenziell eher die Wahrheit. "Wir haben einen durchgehend positiven Zusammenhang zwischen Obszönität und Ehrlichkeit festgestellt. Fluchen ging mit weniger Täuschung einher", schreiben die Autoren.

Die Forscher weisen darauf hin, dass es in ihrer Studie nicht um Lügen gegangen sei, die andere mutwillig verletzen. Vielmehr habe man die milden Schwindeleien untersucht, die Menschen benutzen, um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken.

Es sei deshalb plausibel, dass die, die gern mal fluchen, authentischer auftreten. "Vermutlich ist es ihnen weniger wichtig, andere gnädig zu stimmen und selbst gut dazustehen", schreiben die Studienautoren.

Wenn Sie die Wortwahl Ihres Geschäftspartner also mal irritieren sollte: Ja, es könnte sich um einen Rüpel handeln - und vielleicht gerade deswegen auch um eine ehrliche Seele.