Studie Paare empfinden Kinder als Karrierebremse

Kinder haben und gleichzeitig Karriere machen? Eine Studie zeigt, dass deutschen Paaren beides parallel schwerfällt. Grund dafür sind vor allem wenig flexible Arbeitszeiten und mangelnde Kinderbetreuung.

imago/Westend61

Eltern in Deutschland fällt es offenbar schwer, eigene Berufswünsche zu verwirklichen. Das geht aus einer Umfrage der Initiative Chefsache hervor, bei der rund tausend deutsche Führungskräfte oder angehende Führungskräfte befragt wurden. Rund zwei Drittel der Teilnehmer mit Kindern gaben an, dass es schwierig oder sehr schwierig sei, eigene Berufswünsche verwirklichen können. Dagegen empfinden es nur neun Prozent der kinderlosen Paare schwierig, dass beide der eigenen Karriere nachgehen können.

Schwierigkeiten sehen viele Führungskräfte besonders bei der Kinderbetreuung und bei starren Arbeitszeiten: So wünschen sich drei Viertel der Befragten eine verfügbare Kinderbetreuung, aber nur 20 Prozent sind mit dem Angebot zufrieden. Auch die Arbeit sollte flexibler eingeteilt werden können: Nur rund 40 Prozent sind mit der derzeitigen Situation zufrieden.

Außerdem geben der Studie zufolge mehr als die Hälfte der befragten Führungskräfte (57 Prozent) an, dass es gesellschaftlich akzeptiert sei, wenn beide Elternteile arbeiten. Die Erwartungen an Männer und Frauen in puncto Karriere klaffen allerdings weit auseinander: Nur ein knappes Viertel glaubt, es sei akzeptiert, wenn nur die Mutter Vollzeit arbeite. Rund drei Viertel vertreten die Ansicht, dass es bei Vätern eher anerkannt sei.

Traditionelle Rollenbilder sind vor allem unter Männern stark verbreitet: Jede fünfte männliche Führungskraft findet es nicht gut, wenn beide Partner Karrierewünsche gleichwertig verfolgen. Diese Ansicht teilt nur jede zehnte Frau.

Für die Studie wurden Führungskräfte oder angehende Führungskräfte gefragt, die in Deutschland in Partnerschaften leben. Dahinter steht die Initiative Chefsache, an der sich Konzerne wie Allianz, Telekom oder Lufthansa sowie wissenschaftliche und öffentliche Einrichtungen beteiligen.

faq/dpa



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crazy_swayze 21.05.2019
1.
Nicht die Arbeitszeiten sind unflexibel, sondern die Köpfe der Führungskräfte. Ich könnte theoretisch 5 mal die Woche Home Office machen. Wenn ich jedoch nicht von 8 bis 18 Uhr im Büro bin, damit mein Chef seine Probleme bei mir abladen kann und ein bisschen Smalltalk betreiben kann, ist meine Karriere de facto vorbei.
joe_ann 21.05.2019
2. Problem ist allgemein die Gesellschaft
die zum Großteil noch stereotyp denkt. Als Frau ist man sowieso abgehakt- keine Kinder: Oha, sie könnte schwanger werden, d.h.ewig Elternzeit; mit Kindern: Oha, sie fällt dauernd aus wegen Kind krank. Wenn die Gesellschaft nicht automatisch davon ausginge (und es leider nicht oft meist so wäre), wären Männer und Frauen diesbezüglich zumindest ein gleich großes ''Risiko''. Und leider werden die als Eltern erworbenen Soft Skills nicht genug beachtet/ gewürdigt. Was Stressresistenz und Organisation betrifft, macht Eltern so schnell niemand etwas vor. Und ja, die alten weißen Männer da oben müssten mal gegen was Innovatives eingetauscht werden. Mein ehemaliger Abteilungsleiter (im ö.D.) hat des öfteren zu verstehen gegeben, dass für ihn Frauen nach Hause hinter dem Herd gehören und sich um den Nachwuchs zu sorgen haben. Man müsste ihn mal fragen, ob er sich das auch für seine Tochter wünscht, die gerade Abitur gemacht hat.
timtom2222 22.05.2019
3.
Ja man sieht ja schon wie veraltet die Denkweise der so genannten Führungskräfte ist! So geht es nur weiter mit dem Fachkräftemangel.
fatherted98 22.05.2019
4. logisch...
....wenn die Kita um 8.00 Uhr aufmacht und um 17.00 zu macht....wie soll man dann (auch ohne Karriere machen zu wollen) als Paar beide Vollzeit arbeiten gehen?....und Schicht oder ähnliches geht gar nicht. Das hat gar nichts mit Karriere zu tun sondern ist normaler Alltag. Wenn die Kids dann in die Schule kommen ist es noch schlimmer....fallen Schultage aus....keine zuverlässige Betreuung....und 6 Wochen Ferien am Stück hat wohl kein Arbeitnehmer. Das Ganze System stinkt schon seit Jahren....weil Konservative nicht wollten, dass die Kids "fremdbetreut" werden und meinten Mutter solle zu Hause bleiben. Geht halt nicht mehr...wenn Mutter dann mit 67 nur noch 300 Euro Rente hat....und wenn sie Pech hat...ohne Mann da steht (gleiches natürlich auch anders herum).
touri 22.05.2019
5.
Zitat von crazy_swayzeNicht die Arbeitszeiten sind unflexibel, sondern die Köpfe der Führungskräfte. Ich könnte theoretisch 5 mal die Woche Home Office machen. Wenn ich jedoch nicht von 8 bis 18 Uhr im Büro bin, damit mein Chef seine Probleme bei mir abladen kann und ein bisschen Smalltalk betreiben kann, ist meine Karriere de facto vorbei.
Sehe ich ähnlich. Bei uns sind es auch die Führungskräfte, die sich am meisten gegen flexible Arbeitszeitmodelle stemmen, weil viele noch das Schema im Kopf haben, dass man seine Mitarbeiter immer im Blick haben muss. Wobei zumindest mein Vorgesetzter mittlerweile langsam umdenkt, nach guten Erfahrungen bei den Leuten die teilweise mobil oder disloziert arbeiten. Leider geht er bald in Rente.
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