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Job & Karriere

Geschlechterstudie Er macht Karriere, sie hütet die Kinder

Deutsche Paare denken erstaunlich konservativ. Einen Gang zurückschalten, damit Frauen im Beruf vorankommen? Dazu sind Männer laut einer neuen Studie immer weniger bereit. Und selbst Frauen wünschen sich eine Rollenumkehr seltener als noch vor 20 Jahren.
Familie am Strand: Mama ist immer mit den Jungs unterwegs, Papa hat heute mal frei

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Foto: DPA

Frauen im Berufsleben können sich derzeit nicht über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen. Sogar in den schwarz-roten Koalitionsgesprächen ist das Thema Geschlechtergerechtigkeit angekommen: Für Aufsichtsräte gilt eine Frauenquote als ausgemacht. Traditionelle Rollenmuster - Männer reiben sich im Job auf, Frauen daheim bei der Familie - sollen damit durchgeschüttelt werden, zum Vorteil aller.

In den Familien stößt das Rollenkarussell allerdings auf weniger Gegenliebe, als man vermuten könnte. Das ist ein Ergebnis der jährlichen Familienstudie des Hausgeräteherstellers Vorwerk. Demnach können sich nur 48 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer vorstellen, dass der Mann im Beruf einen Gang zurückschaltet, um seiner Frau eine bessere Karriere zu ermöglichen. Irritierend: Nicht einmal die Hälfte der Frauen wünscht sich eine andere Rollenverteilung.

Im Jahr 1993 erschien das mehr Befragten als gute Idee, nämlich 54 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer. Damit ist der Rückgang bei Frauen fast ebenso stark wie bei Männern.

Auch die Bereitschaft der Männer, halbtags zu arbeiten, damit ihre Partnerinnen überhaupt einem Beruf nachgehen können, ist leicht gesunken. Ein völliger Rollentausch erscheint knapp der Hälfte der Männer sogar ganz ausgeschlossen. Allerdings findet auch nicht einmal ein Viertel der Frauen einen Hausmann erstrebenswert.

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Frauenquote: Was spricht dafür, was dagegen?

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

Folgt man der Umfrage, stehen im Vergleich mit den neunziger Jahren generell viele Zeichen weiblicher Eigenständigkeit weniger hoch im Kurs. So etwa, dass sich voll berufstätige Paare die Hausarbeit teilen, dass Männer auch mal weniger verdienen als ihre Partnerinnen, oder Paare bei der Heirat den Geburtsnamen der Frau annehmen.

Umzug für den Job des Partners? Kein Problem - für Frauen

Nach wie vor ticken Männer und Frauen sehr unterschiedlich, wenn es um das Verhältnis von Partnerschaft und Beruf geht. So würde die Hälfte der Frauen in eine andere Stadt ziehen, damit ihr Mann dort eine neue Stelle annehmen kann. Umgekehrt käme das aber nur für ein Viertel der Männer in Frage.

Hausarbeit ist immer noch Frauensache - das ist angesichts der anderen Ergebnisse fast schon folgerichtig. 80 Prozent der Mütter sehen die Hauptlast der Familienarbeit bei sich, die meisten Männer würdigten das aber auch ausreichend. Von den anderen wünschen sich die Frauen, dass sie öfter mal "Danke" sagen.

Wie die Ergebnisse politisch zu werten sind, ist freilich Ansichtssache: Man kann sie als Rückkehr zu einer probaten Verteilung der Aufgaben in den Familien werten. Oder als Resignation in einem gesellschaftlichen Kampf, in dem Frauen es leid sind, immer wieder gegen gläserne Decken zu stoßen. Demnach könnten auch Männer, die eigentlich kein Problem mit einem neuen Rollenbild haben, einen möglichen Karriereknick fürchten. Dann allerdings wäre eher mehr als weniger politische Aktivität an der Geschlechterfront nötig.

Immerhin ist die Elternzeit beliebt, immer mehr Befragte können sich eine Elternzeit des Mannes vorstellen. Binnen zwanzig Jahren ist der Anteil unter den männlichen Befragten um elf Prozentpunkte gestiegen, auf jetzt 44 Prozent. Außerdem scheint es nicht viele Männer zu geben, die nach der Geburt eines Kindes vor dem Babygeschrei ins Büro flüchten. Nur acht Prozent der Mütter berichten, dass ihre Partner dann ihr Arbeitspensum erhöht hätten.

Für die Studie hat das Institut für Demoskopie Allensbach eine repräsentative Umfrage unter gut 1500 Deutschen über 16 Jahre durchgeführt. Allerdings fand die Umfrage schon im Sommer statt. Ob sich die Ergebnisse nach dem Beschluss für die Aufsichtsratsquote verschoben hätten, lässt sich nicht sagen.

mamk
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