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Katrin Wilkens

Tipps von der Karriereberaterin Suche anspruchsvollen Beruf mit Karriereoption, biete Teilzeit

Katrin Wilkens
Ein Gastbeitrag von Katrin Wilkens
Ein Gastbeitrag von Katrin Wilkens
Samira ist promovierte Biologin – aber trotzdem noch auf der Suche nach einem passenden Berufsfeld: Medizin wäre super, aber ein weiteres Studium mit zwei Kindern schwer zu schultern. Welche Optionen hat sie?
Foto: Renea L. Thull / DigitalVision Vectors / Getty Images

Samira, 31 Jahre, fragt: »Ich bin zweifache Mutter und habe in Biologie promoviert. Der Job als Biologin ist fast nicht in Teilzeit möglich, aber ich suche etwas, das in 30 Wochenstunden gut machbar ist. Ich könnte mir auch vorstellen, noch einmal zu studieren. Ich liebäugle mit Medizin, aber sechs Jahre Studium und dann noch den Facharzt? Schwierig. Was raten Sie mir? Und nein: Krankenschwester ist keine Alternative für mich.«

Liebe Samira,

Biologie und Medizin liegen weiter auseinander, als man meint. Klar, als Humanbiologin hat man in der Ausbildung eine große Schnittmenge. Aber der größte Unterschied zu den Medizinern ist der (Nah-)Kontakt zu Menschen. Sie müssen als Ärztin auch mit Leuten gut können, die keine Krankheitseinsicht haben, an einer unheilbaren Krankheit leiden oder einfach dauernd vergessen, ihre Tabletten zu nehmen.

Überlegen Sie genau, was Ihnen an der Medizin gefällt: Anderen helfen? Als Biologin könnten Sie auch einen Job bei einer Krankenkasse finden. Mögen Sie lieber den Kontakt zur Forschung? Dann überlegen Sie doch einmal, ob die Pharmaindustrie, das Kongresswesen oder das Gesundheitsamt nicht eine Anlaufstelle sein könnte. Und wenn alles nichts ist und Sie trotzdem noch davon träumen, medizinisch tätig zu werden?

Generell ist es eine gute Idee, sich bei einer Neuorientierung einmal anzuschauen, welche Studiengänge es vielleicht auch neu gibt – im Hochschulkompass  der Hochschulrektorenkonferenz können Sie auch einfach Interessengebiete eingeben und sich inspirieren lassen.

Ihnen würde ich in der Tat nicht das Studium der Medizin empfehlen, sondern einen neuen Studiengang: Physician Assistant. Das ist, grob gesagt, eine Mischform aus Arzt und Krankenschwester: Arztassistentin. Das Studium ist an verschiedenen Hochschulen  möglich und dauert drei Jahre (bei der Carl Remigius School  sind es vier) – und es geht auch berufsbegleitend.

Für die Ausbildung Physician Assistance gibt es ein paar Voraussetzungen: Je nach Hochschule sollten mindestens zwei Jahre Berufserfahrung vorzuweisen sein, im Falle eines dualen Studiums sollten Sie einen Vertrag mit einem der Partnerunternehmen der Hochschule haben. Nach dem Studium haben Sie vielfältige Möglichkeiten: Sie können bei Krankenkassen arbeiten, in großen Gemeinschaftspraxen, der Notaufnahme oder auch in einer kleinen Hausarztpraxis, in der Sie dann den Arzt entlasten und die Hausbesuche übernehmen können. Auch in Corona-Zeiten wären Sie gut einsetzbar: beim Impfen, Aufklären, Überwachen der Patientinnen und Patienten.

Der Studiengang kostet im Moment noch Geld (so um die 30.000 Euro), dafür werden Sie danach eine lebenslange Anstellungsgarantie haben, so gefragt ist (derzeit und prognostiziert) diese arztentlastende Tätigkeit. Sie verdienen später nicht so viel Geld wie ein Arzt, dafür tragen Sie auch nicht die Hauptverantwortung in medizinischen Zweifelsfällen. Es gibt die Möglichkeit, elternunabhängiges Bafög  zu beantragen, dann reduziert sich der Berg an Anfangsschulden, und zwar zinsgünstiger, als es jeder Kredit bei der Bank könnte.

Vergleichen Sie die Lehrpläne und schauen Sie, welcher Schwerpunkt Sie am meisten interessiert: In Berlin beispielsweise wird viel Wert auf eine chirurgische Kompetenz gelegt. Wenn Sie eine Uni für sich gefunden haben, können Sie auch die Bundesärztekammer  fragen, ob diese Hochschule genug Renommee hat.

Um zu überprüfen, ob Sie sich auch wirklich den Studiengang und all die körperlichen Dinge vorstellen können, die dazu gehören, könnten Sie überlegen, zunächst eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin zu machen. Die dauert lediglich zwei Monate. Danach könnten Sie ein Jahr im Krankenwagen mitfahren, um zu testen, wie (und ob) Sie damit umgehen können, Krankheit, Verletzung und Tod zu sehen, zu riechen und zu fühlen. Mit dieser Vorstufe ist nicht viel Zeit verloren, aber unter Umständen viel Zeit gewonnen – wenn Sie nämlich feststellen sollten, dass hinter dem Wunsch, Medizin zu studieren, einfach nur zu viel Schwarzwaldklinik-Romantik stand.

Richtig spannend kann es werden, wenn Sie später Ihre beiden Studiengänge miteinander kombinieren: die Biologie und die handfeste Ausbildung zum Physician Assistant. Seien Sie während des Studiums auch offen für Stellen, die Sie vielleicht erst einmal gar nicht auf dem Schirm hatten: etwa bei der Polizei (Spurensicherung), MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) oder in einer Dialysestation. Die Möglichkeiten sind so vielfältig, dass es fast unmöglich ist, nicht einen Job zu finden, mit dem man gut alt werden kann – auch in Teilzeit.