Talent-Irrtümer Scheibenwischer? Wegwerfwindeln? Kein Bedarf!

4. Teil: Joanne K. Rowling - das Buch ist zu lang und kaum kommerziell


AP
Es war einmal… diese Frau, die mit Kind und ohne Ehemann aus Portugal nach Edinburgh zurückkehrte, weil ihre Ehe nicht funktioniert hatte und die Familie zerbrach. Sie lebte von der spärlichen britischen Sozialhilfe und musste in einer kleinen Wohnung hausen, kalt und zugig und feucht und sicher nicht der richtige Ort für sie und ihr Baby.

Im Winter schob sie das Kleine in seinem Wagen in ein warmes Café, wiegte es in den Schlaf und begann zu schreiben. Sie schrieb über einen Jungen, der in einem Internat für Zauberer und Hexen lebt, über seine Freunde, seine Lehrmeister, seine Feinde und Widersacher und über allerlei Hokuspokus. Der Name des Jungen: Harry Potter.

Sie schickte ihre Geschichte an verschiedene Verlage und Agenten und bekam nur Absagen. Alle großen britischen Häuser lehnten ab: Das Buch sei zu lang, nicht kommerziell genug und nicht politisch korrekt, weil Harry Potter in einer Art Internat wohne. Irgendwann erbarmte sich ein Verlag doch noch: der Bloomsbury Verlag, der zunächst auch abgelehnt hatte. Die Lektoren korrigierten ihre erste Einschätzung und zahlten ein Honorar von 2500 Pfund. Am 26. Juni 1997 erschien in einer Erstauflage von 500 Stück "Harry Potter and the Philosopher's stone".

Heute ist Harry Potter ein Opus in sieben Teilen, wurde in 65 Sprachen übersetzt - und hat sich über 400 Millionen Mal verkauft. Joanne K. Rowling gilt als erste Schriftstellerin der Literaturgeschichte, die mit ihren Werken mehr als eine Milliarde US-Dollar verdient hat.


Christoph Kleinen: "Joanne K. Rowling trieb der sprichwörtliche Mut der Verzweiflung. Der ist bewundernswert und sehr selten - etwas, das nicht aus der Welt kommt, in der ich nach Talenten suche. Ihre Idee entsprach nicht genau den Schablonen, die die Verlage anlegten - gerade deshalb war sie so stark. Ich suche manchmal auch nach sogenannten 'Out of Box'-Kandidaten, die nicht komplett den Kriterien für eine neue Stelle entsprechen, aber etwas Besonderes haben, das sie von anderen unterscheidet. Leider hat selten ein Unternehmen den Mut, so einem Kandidaten auch eine Chance zu geben. Es herrscht eher eine Mentalität der Fehlervermeidung auf den Managerfluren."

insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
WolfHai 09.08.2012
1. Wichtig daher: Markt und Wettbewerb
Zitat von sysopCorbisDas gab's wirklich: Eine Plattenfirma, die den Beatles keinen Vertrag gab und eine Uni, die Einstein keine Stelle anbot. Was, wenn der Talentsucher die besten Bewerber nach Hause schickt? Eine kleine Sammlung gewaltiger Irrtümer bei der Auswahl künftiger Spitzenkräfte. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,848567,00.html
Genau aus diesem Grunde sind Markt und Wettbewerb wichtig: nicht nur deshalb, weil es wirtschaftliche Höchstleistungen hervorbringt, sondern gerade damit nicht einzelne Menschen dem (Fehl-)Urteil/der Willkur eines einzelnen Monopolisten (meistens: einer gutmeinenden Behörde) ausgeliefert sind. In Deutschland ist z.B. eine solche Behörde die Stiftung für Hochschulzulassung (SfH), die über Studienplätze entscheidet, während in den USA die Hochschulen sich wettbewerblich um die besten Studenten bemühen. (Auch das Verfahren der USA hat seine Nachteile, aber jedenfalls ist man nicht vom Urteil einer einzelnen Behörde existentiell abhängig.) Da gäbe es sicher noch viele andere Beispiele. "Der Markt" ist eben nicht nur eine schreckliche anonyme Macht, sondern gibt oft (nicht immer) auch Menschen eine Chance, die nicht ins offizielle Raster passen.
eine-Meinung-unter-Vielen 09.08.2012
2. Habe mal einen interessanten Spruch ...
... aufgeschnappt: "Erstklassige stellen Erstklassige ein und Zweitklassige Drittklassige". Was passiert also, wenn ein Erstklassiger an einen Zweit- oder Drittklassigen gerät? - Genau! Selbst schuld, wenn ein Unternehmen angepasste Mitarbeiter sucht und nicht die wirklichen Leistungsträger. Letztere sind nicht selten "out-of-the-box". Wie sagte Einstein: "Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind." Und genau das ist doch "out-of-the-box" ;-)
juchtenkäfer 09.08.2012
3. Scheinwelt
Zitat von WolfHaiGenau aus diesem Grunde sind Markt und Wettbewerb wichtig: nicht nur deshalb, weil es wirtschaftliche Höchstleistungen hervorbringt, sondern gerade damit nicht einzelne Menschen dem (Fehl-)Urteil/der Willkur eines einzelnen Monopolisten (meistens: einer gutmeinenden Behörde) ausgeliefert sind. In Deutschland ist z.B. eine solche Behörde die Stiftung für Hochschulzulassung (SfH), die über Studienplätze entscheidet, während in den USA die Hochschulen sich wettbewerblich um die besten Studenten bemühen. (Auch das Verfahren der USA hat seine Nachteile, aber jedenfalls ist man nicht vom Urteil einer einzelnen Behörde existentiell abhängig.) Da gäbe es sicher noch viele andere Beispiele. "Der Markt" ist eben nicht nur eine schreckliche anonyme Macht, sondern gibt oft (nicht immer) auch Menschen eine Chance, die nicht ins offizielle Raster passen.
Hier wird von dem Forumsteilnehmer eine Scheinwelt dargestellt. In der Wirklichkeit sieht es doch so aus: Wissen braucht man nicht, man muß nur emotional in die Gruppe passen. Das hat nichts mit Markt und Wettbewerb zu tun, die wirtschaftliche Höchstleistungen hervorbringen will. Heute werde viel eher Personen, die über den Tellerrand hinausschauen, in die "Ablage P" abgetan.
Wunderläufer 09.08.2012
4. Irren ist menschlich
Am besten für mich zu greifen sind die Beispiele von Fußballern: in einem Verein auf der Ersatzbank, bei der Konkurrenz dann Leistungsträger und Nationalmannschaft. Anders sieht es aus, wenn kein Team erforderlich ist , wie z.B. bei Autoren: hier gehören auch dazu Mut, Vermarktung, Gespür Zeitgeist etc. Auch dürfen evtl. vorhandene persönliche Animositäten nicht die Urteilskraft des "Scouts" beeinträchtigen
waldfee123 09.08.2012
5. penetrante...
...Werbung für irgendeinen Personalberater. Die Geschichten hat man alle schon mal gelesen, es sollten hier wohl in erster Linie die Methoden dieses Headhunters publiziert werden, oder?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.