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14. Dezember 2018, 15:43 Uhr

Arbeitsmarktstudie

Die meisten Frauen in Teilzeitjobs sind zufrieden

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Sie sind finanziell abhängig von ihrem Partner, ihnen droht Altersarmut: Trotzdem wollen viele Frauen in Teilzeit bis zur Rente nicht wieder aufstocken.

Von wegen Teilzeitfalle: Die meisten Frauen, die nicht Vollzeit arbeiten, sind freiwillig in dieser Situation und damit sehr zufrieden. Das hat eine repräsentative, unveröffentlichte Umfrage des DELTA-Instituts für Sozial- und Ökologieforschung im Auftrag des Bundesfamilienministeriums ergeben, die dem SPIEGEL vorliegt.

85 Prozent der etwa 2000 befragten teilzeitbeschäftigten Frauen fanden es demnach "super" in Teilzeit zu arbeiten, 75 Prozent erklärten, derzeit "auf keinen Fall" Vollzeit arbeiten zu wollen. 60 Prozent gaben an, möglichst bis zur Rente in Teilzeit arbeiten zu wollen.

"Die Ergebnisse sind erschreckend", sagt Studienautor Carsten Wippermann, "weil sich viele dieser Frauen freiwillig und dauerhaft in die finanzielle Abhängigkeit ihres Partners begeben."

Über die Folgen sind sich die meisten bewusst: 68 Prozent aller teilzeitbeschäftigten Frauen sind sich der Studie zufolge sicher, von ihrer eigenen Rente später nicht leben zu können. 25 Prozent sagen, dass sie sich mit ihrer Rente nicht mehr befassen, weil sie das Thema zu sehr deprimiert.

Immerhin: In zehn Jahren wollen die meisten Frauen, die in Teilzeit arbeiten, ihre Stundenzahl deutlich erhöhen; so arbeiten Frauen in Teilzeit der Umfrage zufolge im Schnitt 21,5 Stunden pro Woche.

In Deutschland arbeitet etwa die Hälfte der beschäftigten Frauen zwischen 30 und 54 Jahren in Teilzeit, wie aus anderen Erhebungen hervorgeht. Ab kommendem Jahr haben viele Arbeitnehmer erstmals das Recht auf Brückenteilzeit - also auf eine zeitlich befristete Reduzierung ihrer Wochenstunden. Auch die Möglichkeiten, von einer bereits bestehenden Teilzeittätigkeit zurück auf Vollzeit zu gehen, wurden mit der Neuregelung verbessert.

Insgesamt klaffen Wunsch und Wirklichkeit bei der Arbeitszeit bei Frauen ebenso wie bei vielen Männern in Deutschland oft auseinander, wie eine Studie belegt. Knapp die Hälfte der Beschäftigten will demnach ihre wöchentliche Arbeitszeit im Schnitt um neun Stunden verkürzen; das betrifft vor allem Menschen mit Vollzeitjobs.

Wie viel Zeit Menschen an ihrem Arbeitsplatz verbringen möchten, hängt der Studie zufolge bei Frauen deutlich mehr als bei Männern stark davon ab, in welcher Lebensphase sie sich befinden und welche Anforderungen damit verknüpft sind, ob sie zum Beispiel Kinder oder ältere Angehörige betreuen. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

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