Telefonkonferenzen Und plötzlich rauscht die Klospülung

Sie sind lang, nervig - und am Ende weiß keiner mehr, was man eigentlich besprechen wollte: Telefonkonferenzen verleiten dazu, sich zwischendurch ins Bad zu verziehen. Sieht und hört ja keiner. Oder?

Während des Meetings auf dem Klo sitzen? Telefonkonferenzen machen's möglich
Corbis

Während des Meetings auf dem Klo sitzen? Telefonkonferenzen machen's möglich

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KarriereSPIEGEL-Klassiker
    Manche Dinge ändern sich (fast) nie: Wie man eine interessante Bewerbung schreibt. Wie man im Vorstellungsgespräch einen guten Eindruck hinterlässt. Die besten zeitlosen Artikel aus dem KarriereSPIEGEL präsentieren wir Ihnen in loser Folge.
"Welcome to your conference. Please enter your passcode followed by the hash key."

Unternehmensberater, Werber oder Marketingleiter hören diesen Satz täglich. Wer ihn noch nicht kennt, sei beruhigt: Früher oder später kriegt ihn jeder ins Ohr geflötet. Virtuelle Teams gelten als Arbeitsform der Zukunft, schon heute arbeitet jeder fünfte Manager in einem dezentralen Team - vereint von der Blechstimme, die zur Telefonkonferenz ruft.

Eigentlich ist das eine tolle Sache, so ein "Call": Man spart sich die Anreise, ewig lange Rundmails und ungenießbare Konferenzkekse. Der eine kann sich in der Badehose vom Strand auf Bali zuschalten, der nächste aus seiner Dachwohnung in Berlin, der dritte aus der Firmenzentrale in Stuttgart. Und zusammen erarbeiten die drei blitzschnell geniale Strategien. Theoretisch. In der Praxis ist eine Telefonkonferenz oft eher wie ein Stau auf der Autobahn. Keiner weiß, wie er hineingeraten ist, was er dort soll oder wie lange das Ganze dauert.

Die Absurditäten beginnen schon bei der Einladung. Die kommt gewöhnlich per E-Mail, Betreff "Telco", und listet schon mal 82 Nummern auf. Gebraucht werden eigentlich nur zwei: eine Telefonnummer und ein Zugangscode. Aber man kann ja nie wissen, ob die anderen nun gerade in Argentinien, Finnland oder in den Arabischen Emiraten sind, ob sie einen "quick dial-in" fürs iPhone oder den Blackberry wünschen oder vielleicht statt der kostenfreien Nummer doch lieber eine kostenpflichtige anrufen möchten. Also kriegt jeder Konferenzteilnehmer 82 Nummern geschickt, da wird schon die passende für den "Call" dabei sein. Falls nicht, gibt es noch einen Link: "For a full list of local and toll free numbers click here."

Sobald die Blechstimme ertönt, folgt für Analog-Anrufer die eigentliche Herausforderung: das Mehrfrequenzwahlverfahren, kurz MFV, muss am Telefon aktiviert werden. Sonst wird das achtstellige Passwort zur sinnlosen Zahlenfolge - und der Anrufer landet im besten Fall bei der Servicehotline, meist aber nur bei einem beunruhigenden "tut tut tut tut".

Ist auch diese Hürde genommen, folgt der wirklich unangenehme Part: Der Anrufer muss der Computerfrau seinen Namen nennen und bekommt die Aufzeichnung sofort selbst vorgespielt. Sie fügt dem Gestammel des Anrufers ein herzliches "has joined the meeting" hinzu.

"Hallo?"

An dieser Stelle kommt gewöhnlich erst mal gar keine Antwort, weil die anderen Teilnehmer noch nach der richtigen Telefonnummer oder dem MFV-Knopf am Telefon suchen.

Wer endlich drin ist, kann aufatmen: Jetzt ist egal, was man macht - solange die anderen sprechen und das eigene Mikrofon ausgeschaltet ist. Was passiert, wenn es das nicht ist, hat nun die Telekom erfahren. Für eine Studie zum Thema Zukunft der Arbeit wurden rund zwei Dutzend Blogger, Freiberufler, Studenten und Wissenschaftler aus Berlin nach ihren schönsten Anekdoten zur "Zusammenarbeit in der digitalen Welt" gefragt. Den meisten fiel spontan eine Szene einer Telefonkonferenz ein:

  • "Neulich in der Telko rauscht laut und deutlich die Klospülung bei einem Teilnehmer. Die Folge: Betretene Stille. Und jeder fragte sich insgeheim, wer das wohl war."
  • "Über ein Jahr lang konnte ich meinem Team vorenthalten, dass ich nicht von Deutschland aus arbeite, sondern in Barcelona bin. Herausgekommen ist das erst, als während der Telko die Sirenen eines Krankenwagens zu hören waren, die sich deutlich von den deutschen unterscheiden. Hätte ich die Fenster geschlossen gehabt, wäre vermutlich niemand dahintergekommen. Aber im spanischen Hochsommer in geschlossenen Räumen arbeiten - unmöglich."
  • "Meine Hangouts führe ich oft mit Kollegen, die in den USA wohnen. Manchmal kommt es wegen der Zeitverschiebung vor, dass ihre Kinder im Hintergrund herumhüpfen. Inzwischen habe ich Plüschtiere als Entertainment und spiele dann ein bisschen 'Sesamstraße', bevor wir über das Arbeitszeug reden."
  • "Mein Mitbewohner ist DJ und hat mitten in der Telko die Musik so laut aufgedreht, dass meine Kollegen bestimmt dachten, ich bin im Club oder sonst wo, nur nicht bei der Arbeit."
  • "Bei uns finden täglich stundenlange Telkos statt. Wenn ich im Homeoffice bin, gehe ich manchmal währenddessen duschen. Natürlich stelle ich mein Mikrofon auf 'mute' und habe ein wasserdichtes Case für das Telefon. Bislang hat das noch niemand gemerkt, und ich kann dadurch prima Zeit sparen."

Und hier noch mal der fast schon legendäre Telefonkonferenz-Sketch der beiden US-Komiker Tripp Crosby und Tyler Stanton, mit dem sie es geschafft haben, Millionen Menschen für einen Konferenz-Werbespot zu begeistern:

insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
Oberleerer 25.04.2014
1.
Absolut niemand dieser Hochleistungsmanager kommt auf die Idee, daß die Nutzung eines externen Providers ein riesiges Sicherheitsleck ist? Ich kenne das auch von englischen Kollegen. Die kommen mit seltsamen Servicenummern daher (weil es mit der inhouse-Anlage so umständlich ist) und die depperten deutschen Lemminge machen einfach mit. Da werden Firmeninternas, Strategieplanungen und Problembesprechungen über internationale (amerikanische) Provider abgewickelt. Leichter kann man garnicht an Insiderinformationen gelangen. Ich weiß von Siemens-Mitarbeitern, daß diese noch vor kurzer Zeit ihre Projekte per Facebook abgestimmt haben.
Landei81 25.04.2014
2. Was soll bitte dieser Pseudo-Aufreger von Ahnungslosen?
Liebe Leute, fünf Punkte zu dem Artikel/Aufruf: 1.) Conference Calls produzieren in der Tat allerhand Anekdoten - wie vieles andere auch im Leben. 2.) Conference Calls leiden eher unter dem alten, schon seit den angeblich seligen Offline-Zeiten bekannten Phänomen, dass (Tele-)Meetings per se und orientierungsloses Herumschwafeln im Generellen ergebnisorientiertes Arbeiten und kompetente Vorbereitung auf das Thema ersetzen können, ohne dass jemand dagegen aufmuckt. Man fühlt sich ja so kreativ und produktiv und kann das per Kalender nachweisen - man ist aber weder das eine noch das andere. 3.) Calls sind sehr effizient, vorausgesetzt man gibt sich wie im Offline-Leben eine Agenda und eine Meeting-Vorlage und begrenzt die Call-Dauer auf maximal 60 Minuten - besser sogar 30 Minuten. Alles was kommunikativ mehr Zeit benötigt ist entweder reine Psychologie und gehört dann ohnehin in ein persönliches Gespräch (am Telefon oder von Angesicht zu Angesicht) oder ist noch nicht reif zur Präsentation und muss deshalb auf die nächste Agenda gesetzt werden und/oder mutiert zum Arbeitsauftrag für den nächsten Call. 4.) "Rund zwei Dutzend Blogger, Freiberufler, Studenten und Wissenschaftler aus Berlin" sind vielleicht als Stichprobe für eine Umfrage zum Thema etwas kurz gegriffen. Wo sind zum Beispiel die Konzernmitarbeiter und Inhaber international tätiger Unternehmen? 5.) Warum finde ich auf der Karriere-Seite eines renommierten Nachrichtenmagazins solch einen semiprofessionellen Kram???
Nonsens 25.04.2014
3. Sehr schöner Artikel
zu der Tatsache, wie sinnentleert diese Konferenzen offensichtlich sind. Vielleicht sollten die AG einmal darüber nachdenken, anstatt den Unfug auch noch zu fördern.
Sibylle1969 25.04.2014
4. Kenn ich alles...
Ich habe gelegentlich Telefonkonferenzen mit Kollegen in den USA. Da arbeiten etliche von zuhause aus, und man bekommt auch desöfteren Hintergrundgeräusche zu hören: schon ganz oft Kindergeschrei, Hundegebell oder auch ein Rasenmäher. Aber mal ganz blöd gefragt: wer bitte hat denn noch ein Festnetztelefon, das nicht standardmäßig auf MFW eingestellt ist? Das letzte, das noch Impulswahlverfahren hatte, hatte ich Mitte der Neunziger so vor ca. 20 Jahren.
Alm Öhi 25.04.2014
5. Conf Calls sind bei uns kurz und zielgerichtet
Der Artikel wurde offenbar von jemanden geschrieben der nicht aktiv an diesen Konferenzen teilnimmt. Wer bei mir keine Agenda zu einem Conf-call liefert, und laenger als 5 Minuten Monologe haelt wird abgeschalten.
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