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Berufe und Vornamen der künftigen Abgeordneten Das ist der deutsche Durchschnittspolitiker

125-mal Michael, 120-mal Thomas – und nur eine Yasemin: Wer sich die Namen und Berufe der 6211 Kandidatinnen und Kandidaten zur Bundestagswahl anschaut, lernt viel über dieses Land.
Potenzielle Kanzlernamen gibt es 24-mal auf den Wahllisten: Zwei Annalenas, 14 Olafs und acht Armins

Potenzielle Kanzlernamen gibt es 24-mal auf den Wahllisten: Zwei Annalenas, 14 Olafs und acht Armins

Foto: Ralf Mohr / plainpicture

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6211 Kandidatinnen und Kandidaten wollen sich nächste Woche in den Deutschen Bundestag wählen lassen – und nicht nur gefühlt dominiert der weiße, leicht angegraute Mann mit unauffälligem Vornamen: Michael (125 Kandidaten tragen diesen schönen Namen), Thomas (120), Andreas (99), Christian (92) und Stefan (77) sind die häufigsten Namen auf den Wahllisten. Im Schnitt sind sie passend zum Namen rund 50 Jahre alt.

Die ersten Vornamen ausländischer Herkunft finden sich auf den Plätzen 342 – jeweils drei Mohamads und Erkans haben sich aufstellen lassen, ebenso drei Deryas. 24 Frauennamen finden sich auf den ersten 100 Plätzen, am häufigsten sind mit je 33 Kandidatinnen Susanne und Sabine vertreten. Etwas buntere Namen wie Yasemin, Zoe oder Slaviša komme jeweils nur einmal vor. Die Jobseite Indeed  hat auf der Seite des Bundeswahlleiters , einem Angebot des Statistischen Bundesamts, die zur Wahl stehenden Kandidatinnen und Kandidaten nach Alter, Beruf und Vornamen sortiert.

Auch bei den Berufen gibt es der Auswertung zufolge klare Schwerpunkte: Unter den Männern finden sich viele Juristen, Angestellte und Unternehmer, bei den Frauen, von denen sich 2024 zur Wahl stellen, führen Angestellte, Lehrerinnen und Juristinnen die Liste an. Auf Rang vier: Immerhin 30 Krankenpflegerinnen, deren Arbeitsbedingungen in der Pandemie immer wieder ein politisches Thema waren. Auch 17 Hausfrauen wollen Abgeordnete werden. Wie der deutsche Bundestag nach Berufen derzeit noch aufgestellt ist, lesen Sie hier.

Zahlenmäßig weitaus stärker vertreten als alle anderen Berufsstände sind Studierende: 386 stellen sich zur Wahl, das sind mehr als sechs Prozent aller Kandidaten. Die meisten, jeweils 55, sind bei den Grünen und der Satire-Partei »Die Partei« aktiv, dahinter folgen Volt (47), die Linke (36) und die FDP (26). CDU wie SPD schicken je 14 Studierende ins Rennen ums Parlament. Aber auch die andere Seite des Altersspektrums ist gut vertreten: 153 Rentnerinnen und Rentner kandidieren für den Bundestag. Die meisten Ruheständler, nämlich 26, schickt die kommunistische DKP ins Rennen, gefolgt von der MLPD (18) und der NPD (12). Das Zeitalter des alten weißen Mannes scheint in der Politik noch keineswegs vorüber: Das Durchschnittsalter aller wählbaren Personen liegt bei rund 53 Jahren, mehr als zwei Drittel sind männlich. Die jüngsten Kandidierenden hat Volt (Durchschnittsalter 33 Jahre), bei den Grünen liegt es bei 42 Jahren (SPD 44, CDU 46 Jahre).

Doch es bleibt auch Platz für Individualismus: 884 Personen haben keinen Vornamensvetter unter den Mitbewerberinnen und -bewerbern – Adonis, Cornell-Anette und Esra-Leon kommen nur jeweils einmal vor. Potenzielle Kanzlernamen gibt es 24: zwei Annalenas, 14 Olafs und acht Armins.

Trotz der viel kritisierten akademischen Dominanz finden sich auch viele Berufe in der Kandidatenliste, die nur je einmal vertreten sind – darunter Lokomotivführer, Eheberater, Facharbeiterin, Gleisbauer, Hebamme und Hundetrainerin. Zur Bundestagswahl am 26. September 2021 treten insgesamt 6211 Menschen an, darunter 2024 Frauen.

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