In Kooperation mit

Job & Karriere

Konflikte im Büro "Bloß nicht explodieren"

Nervosität im Meeting, aggressive Kollegen - cool bleiben ist im Job-Alltag nicht leicht. Unternehmensberaterin Barbara Schneider gibt Tipps, wie man klug mit Störenfrieden, Ideenklauern oder Chefs umgeht.
Wutwallung: "Man muss nicht über jedes Stöckchen springen"

Wutwallung: "Man muss nicht über jedes Stöckchen springen"

Foto: Corbis

KarriereSPIEGEL: Sie beraten Menschen, die sich besser durchsetzen wollen. Frauen, heißt es, können das besonders schlecht. Was ist ihr Problem?

Zur Person

Barbara Schneider ist Unternehmensberaterin und Coach, sie ist auf das Karrieremanagement von Frauen spezialisiert. Zuvor hat sie als Managerin bei dem Versandhändler Otto gearbeitet, bei der Lufthansa-Tochter Airplus und der Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft Arthur Andersen. Schneider ist Autorin des Buches "Fleißige Frauen arbeiten, schlaue steigen auf".

Schneider: Viele Frauen wünschen sich zu sehr, dass die Kollegen sie mögen und ihnen permanent auf die Schulter klopfen. Außerdem begreifen sie nicht, wofür zum Beispiel Konferenzen da sind. Sie denken, hier gehe es vor allem um den Inhalt, die Sache. Dabei sind Konferenzen ein Ort, wo man sich in erster Linie darstellt und verkauft. Hier zeigt man nicht nur die eigene Fachkompetenz, sondern auch, wie viel Selbstvertrauen und Durchsetzungsstärke man hat.

KarriereSPIEGEL: Also ab und zu mal kräftig auf den Tisch hauen?

Schneider: Nein, das eher nicht. Das wirkt meist unsouverän und bei Frauen schnell zickig. Aber wenn man zum Beispiel ständig unterbrochen wird, bloß nicht explodieren! Eine Handbewegung reicht, ein "Herr Mayer, den Gedanken noch zu Ende". Man muss sich klar machen, was der Störenfried erreichen möchte. In der Regel will er sich vor dem Chef profilieren, seine eigenen Ideen loswerden oder zeigen, wie schnell er die Dinge durchschaut. Außerdem kann es auch ein Test sein: Wie reagiert sie? Cool und souverän? Oder angefressen? Kann man sie schnell aus der Bahn werfen?

So geht Streiten: Lernen von den Profis
Foto: Corbis

Pure Harmonie macht schläfrig. Solange Konflikte nicht entgleisen, können sie im Berufsleben sogar fruchtbar sein. Im Magazin SPIEGEL JOB (www.spiegeljob.de ) gibt es die Anleitung zum richtigen Zoffen. Wo lauern Gefahren? Und wie vermeidet man ein Gemetzel?

KarriereSPIEGEL: Jetzt bin ich im Meeting zwar ruhig geblieben - aber eine Idee habe ich immer noch nicht verkauft.

Schneider: Das ist gerade für junge Mitarbeiter oder Quereinsteiger schwer, denen schlägt schon mal Skepsis entgegen. Wichtig ist in solchen Momenten, die sogenannten Killerphrasen zu blockieren. Das sind Sätze wie "Das haben wir schon alles versucht", "Schema F" oder "Viel zu praxisfern". Diese Sätze kontert man mit Nachfragen, je präziser, desto besser: "Was genau ist für Sie Schema F, was schlagen Sie vor, weshalb ist es praxisfern?"

KarriereSPIEGEL: Und was ist mit Kommentaren, die nur vom Thema ablenken sollen?

Schneider: Diese Sprüche schmettert man am besten mit einem einzigen Wort ab. "Na" ist gut, "Soso" oder "Donnerwetter". Und dann muss man sofort weiterreden. So beschäftigen sich die anderen nicht weiter mit dem dummen Einwurf, sondern kommen zu dem zurück, was man selbst gesagt hat.

KarriereSPIEGEL: Wie wehrt man sich gegen Ideenklau, ohne pampig zu werden?

Schneider: Das ist eine gemeine Situation. Ich finde, dafür eignen sich in Konferenzen Sätze wie "Sag mal, hast du auch etwas Eigenes beizusteuern" oder "Schön, dass Sie meine Idee aufgegriffen haben" oder "Freut mich, dass Ihnen mein Vorschlag gefällt, ich würde allerdings gern etwas ergänzen".

Fotostrecke

SPIEGEL JOB: Rundflug durchs Magazin

Foto: Sebastian Arlt/ SPIEGEL JOB

KarriereSPIEGEL: Und wenn der Ton rauer wird?

Schneider: Das kann jeden Tag passieren, man steht da und präsentiert Zahlen, und auf einmal heißt es: "Wie kommen Sie denn auf den Blödsinn?" Man kann nun locker darauf reagieren und sagen: "Jetzt übertreiben Sie aber!" Das habe ich schon erlebt, und die Zuhörer haben gelacht. Das gelingt allerdings nicht immer. Wenn es beleidigend wird, sollte man das direkt ansprechen. "Herr Meyer, Sie haben mich beleidigt, ich erwarte eine Entschuldigung." Das kann man in einem unaufgeregten Ton vorbringen, als würde man eine Tasse Kaffee bestellen. Die meisten bringt das zur Räson. Manchmal kann es aber auch sinnvoll sein, einfach auf Durchzug zu schalten, die Bemerkung zu überhören. Man muss nicht über jedes Stöckchen springen, das einem hingehalten wird.

KarriereSPIEGEL: Sollte man das auch so machen, wenn es sich um den Chef handelt?

Schneider: Vorgesetzte kritisiert man nie in großer Runde. Dann ist die Sache gelaufen. Wenn man selbst einen Fehler gemacht hat, kann man den später in einem Zweiergespräch noch mal ansprechen und sich dafür entschuldigen, sagt dann aber, dass man das nächste Mal bitte nicht vor versammelter Mannschaft auf solche Missgeschicke hingewiesen werden möchte.

KarriereSPIEGEL: Und wenn das misslingt?

Schneider: Den Job wird man schon nicht verlieren. Und wenigstens hat man es einmal versucht. Es gibt in solchen Fragen kein Patentrezept, man muss es probieren und wieder probieren. Lassen Sie ruhig Testballons aufsteigen. So lernen Sie die Firma besser kennen, in der Sie arbeiten, die Kultur und die Menschen dort.

Das Interview führte Caroline Schmidt (Jahrgang 1975), freie Journalistin in Hamburg.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.