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Barchefin mit Hundert: "Ich bin eine Draufgängerin"

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Ein Leben hinter der Bar Hundertjährige will nicht in Rente

Marie-Louise Wirth trinkt in ihrer Bar jeden Morgen einen Brandy mit ihrem ersten Gast. Sie arbeitet dort seit 87 Jahren. Aufhören will die Hundertjährige aus Nordfrankreich noch lange nicht.

Jeden Morgen um 8.15 Uhr öffnet sie ihre Bar, die keinen Namen hat - denn "wenn man gutes Bier hat, braucht man kein Aushängeschild", sagt Marie-Louise Wirth. Die Barbesitzerin steht seit 87 Jahren hinter dem Tresen ihrer Kneipe im nordfranzösischen Isbergues südlich von Dünkirchen. Das soll auch so bleiben. Die Hundertjährige, die alle nur Marie-Lou nennen, denkt nicht daran, in Rente zu gehen.

Sie hatte die Leitung in dem Ort mit 10.000 Einwohnern 1954 von ihrem Vater übernommen. Seither hat sich wenig verändert. "Die Bar sieht seit 50 Jahren so aus", sagt Wirth als sie über die Arbeitsplatte des Tresens wischt. Es ist immer noch dieselbe wie 1931, als sie anfing, in der Bar zu arbeiten. Damals war sie 14 Jahre alt. Eine Zapfanlage oder eine moderne Kaffeemaschine hat sie nicht. Auch das Internet, Kreditkarten oder ein Handy benutzt Wirth nie.

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Die Hundertjährige kämpft gegen das Barsterben. In den Sechzigerjahren existierten noch 600.000 Kneipen in Frankreich. "Damals gab es auch in Isbergues Hunderte Bars", sagt Wirth. Es war die Hochzeit der Barkultur. Heute gibt es in ganz Frankreich nur noch 35.000 Kneipen.

Wirth bezeichnet sich selbst wegen ihres hohen Alters als kleine "Kuriosität". "Woher soll ich wissen, warum ich so lange lebe? Das weiß nur Gott und der spricht nicht zu mir", sagt Wirth. An ihrer Ernährung könne es nicht liegen.

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Jeden Morgen trinkt sie mit ihrem ersten Kunden ein Gläschen Kirschbrandy. Außerdem schwört sie auf "alles, was man nicht darf": Mayonnaise, Gewürzgurken, aber "niemals Obst". Auch auf andere Gesundheitstipps pfeift die rüstige Barbesitzerin: "Ich bin niemals gerne zu Fuß gegangen, ich fahre lieber Auto", bekennt sie.

Ansonsten lebe sie wie eine Sechzigjährige. "Ich gehe gern tanzen. Es stört mich nicht, wenn ich bis zwei Uhr morgens wach bin und um sieben Uhr wieder aufstehen muss. Ich bin nicht müde."

Ihre Stammgäste werden immer weniger, sie habe viele von ihnen beerdigt, erzählt Wirth, aber sie werde so lange weitermachen, wie sie kann. "Ich bin eine Draufgängerin. Es ergibt keinen Sinn, zu leben und nichts zu tun oder zu sehen."

koe/AFP