Prozess gegen Reinigungsfirma Toilettenfrau erkämpft sich 1000 Euro Tellergeld

Wer bekommt das Tellergeld, das vor öffentlichen Klos eingesammelt wird? Eine Toilettenfrau zog vor Gericht und erzielte einen Vergleich mit ihrem Arbeitgeber: Für zwei Monate bekommt sie eine Pauschale.

Münzen auf Teller: Beides oft vor Toiletten zu finden
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Münzen auf Teller: Beides oft vor Toiletten zu finden


Die Toilettenaufsicht eines Reinigungsunternehmens hat in der Auseinandersetzung um Anteile an den Sammelteller-Einnahmen in einem Einkaufszentrum 1000 Euro vor Gericht erstritten. Die Angestellte und ihr Arbeitgeber einigten sich am Donnerstag vor dem Arbeitsgericht Gelsenkirchen auf einen entsprechenden Vergleich.

Insgesamt sollen in den zwei beklagten Monaten im Einkaufszentrum im Centro Oberhausen 30.000 Euro zusammengekommen sein. Daran waren knapp zwei Dutzend Angestellte beteiligt.

Die Klägerin begründete die Forderung damit, dass Toilettenbesucher das Geld als Trinkgeld geben. Sie bekommt vom Unternehmen einen Stundenlohn von 5,20 Euro brutto. Die Firma ist der Auffassung, dass es sich um ein "freiwilliges Nutzungsentgelt" handelt. Damit stehe das Geld allein dem Arbeitgeber zu.

Bereits im Januar hatte die Frau einen Teilerfolg erstritten: Das Reinigungsunternehmen musste ihr gegenüber offenlegen, wie viel es mit dem Tellergeld in den fraglichen Monaten eingenommen hat.

Trinkgeld oder freiwilliges Nutzungsentgelt?

Ihre Arbeit bestand im Wesentlichen darin, den Sammelteller zu beaufsichtigen und regelmäßig das Geld abzuliefern - für Reinigungsarbeiten war sie nicht zuständig. Sie argumentierte vor Gericht, dass die Nutzer der Toiletten davon ausgehen, ein Trinkgeld für das Toilettenpersonal zu geben. Ihre Chefs dagegen erklärten, auf dem Teller werde ein "freiwilliges Nutzungsentgelt" gesammelt, was auch allen Besuchern bewusst sei.

Ob nun auch die Kollegen der Klägerin von dem Geld profitieren, ist noch nicht bekannt. Eventuell müssen sie ihren Anteil eigens einfordern.

mamk/dpa

insgesamt 122 Beiträge
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topterrortroll 25.09.2014
1. Als ich noch..
..nicht wusste, wo das Geld hingeht, habe ich auch mal da Trinkgeld gegeben! Ich dachte echt, es ginge an die nette Russin, die da reinigte!
Korken 25.09.2014
2. Hm
30.000 Euro in zwei Monaten, macht 180.000 Euro im Jahr. Ist das steuerfrei? Pro Hilfe (24 Personen) immerhin 7.500 Euro. Oder eben alles für die Firma.
DerUnvorstellbare 25.09.2014
3.
Diese Arbeitgeber lassen auch keine Gelegenheit aus um die Arbeiter auszunehmen. Dieser Fall ist nur ein bisschen anschaulicher, denn so etwas geschieht in anderen Firmen auch, nur eben über Umwege.
der-denker 25.09.2014
4. Da fällt einem nichts mehr ein
In was für einem System leben wir wo Unternehmer sogar den Klofrauen den Groschen vm Teller schnappen wollen. Es ist doch 100% klar dass der ausschließlich für die arme Dame mit ihrem üblen Job bestimmt ist, und nicht für die Firma die freundlicherweise diese Dame angeheuert hat um ohnehin von ihrer Tätigkeit zu profitieren. Schade dass der Name der Firma nicht veröffentlicht wurde. Und nun gibt es einen "Vergleich". Sind die Richter nicht bei Sinnen oder hat die Gegenseite einfach die smarteren Anwälte?
kdshp 25.09.2014
5.
Das ist ja echt beschäment das meine 10 cent die ich gezielt der toilettenfrau (Mann) gebe sich der arbeitsgeber einsteckt. Einfach ekelig und wiederlich solche leute. Ich kann auch das gericht nicht verstehen es hätte direkt zu 100% für die frau entscheiden müssen. ICH gebe die 10 cent nicht wie der arbeitegeber argumentiert als ein "freiwilliges Nutzungsentgelt" sondern ganz gezielt der person die dort ihre arbeit macht. Und 5,20 euro brutto stundenlohn sind auch noch der hohn am ganzen. Ist das nicht schon ein sittenwidriger lohn HERR richter?!
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