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Sieben skurrile Fälle - wie hätten Sie entschieden? Urlaub im Jenseits

Sieht aus wie Urlaub, ist aber ein Gehaltsbestandteil

Sieht aus wie Urlaub, ist aber ein Gehaltsbestandteil

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa

Was ist passiert?

2010 stirbt der Mitarbeiter eines westfälischen Lebensmittelhändlers. Vorher war er lange schwer krank - und konnte keinen Urlaub nehmen. Am Ende hat er mindestens 140 Tage auf dem Urlaubskonto. Bald meldet sich die Witwe bei der Firma: Als Erbin des Mannes will sie sich den Gegenwert des Urlaubs auszahlen lassen, nach ihrer Rechnung 16.000 Euro.

Wie wurde entschieden?

Vor deutschen Gerichten scheitert die Frau. Die geltende Rechtsprechung kann man so zusammenfassen: Wer tot ist, braucht keine Erholung, folglich keinen Erholungsurlaub. Der Urlaubsanspruch verfällt. Doch die Frau zieht damit bis vor den Europäischen Gerichtshof, und der gibt ihr Recht. Der Urlaubsanspruch sei so ein zentraler Bestandteil des Sozialrechts, dass man ihn nicht einfach so verpuffen lassen kann. Oder in den Worten der Richter: "Der unwägbare Eintritt des Todes des Arbeitnehmers darf nicht rückwirkend zum vollständigen Verlust des Anspruchs auf bezahlten Jahresurlaub führen."

Was ist daran überraschend?

Überraschend findet das, wer sich an die deutsche Rechtspraxis gewöhnt hat. Die Arbeitnehmer werden vor sich selbst geschützt, deshalb ist es in Deutschland zu Lebzeiten kaum möglich, Urlaubsanspruch in Geld umzuwandeln. Die Sorge: Viele würden sich sonst die Urlaubszeit vielleicht abkaufen lassen und dann schuften bis zum Umfallen.

Was spricht für diese Entscheidung?

Man kann Urlaub als Gehaltsbestandteil betrachten: Schließlich fließt das Geld eine Zeit lang weiter, ohne dass der Mitarbeiter einen Handschlag tut. So ein Anspruch verfällt nicht so leicht mangels Gelegenheit. Von einem Urlaub hat nicht nur der Arbeitnehmer selbst etwas, sondern seine ganze Familie - warum den Anspruch also nicht vererben?

Das Aktenzeichen, bitte!

C-118/13

Was lernen wir daraus?

Urlaub ist seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs ein Kapital.

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