In Kooperation mit

Job & Karriere

Unternehmer Grupp über Azubi-Schelte Lehrlinge mit Familienanschluss

Lustlos und schlecht qualifiziert, so sehen viele Chefs laut McKinsey-Studie den Firmennachwuchs. Wolfgang Grupp indes hält auf seine Azubis große Stücke, besetzt mit ihnen später Führungsjobs - und stellt Akademiker gar nicht erst ein in seinem Textilbetrieb Trigema.
Textilunternehmer Grupp (links; mit einem Affen als Trigema-Werbefigur): "Jeder Azubi kriegt eine Chance"

Textilunternehmer Grupp (links; mit einem Affen als Trigema-Werbefigur): "Jeder Azubi kriegt eine Chance"

Foto: Patrick Seeger/ dpa
Zur Person
Foto: Patrick Seeger/ dpa

Wolfgang Grupp (Jahrgang 1942) ist Inhaber von Trigema in Burladingen. Der Diplom-Kaufmann übernahm 1969 das damals verschuldete Bekleidungsunternehmen von seinem Vater und sanierte es.

KarriereSPIEGEL: Laut McKinsey-Studie "Education to Employment" klagt jeder vierte Arbeitgeber in Deutschland, Auszubildende und Nachwuchskräfte seien schlecht durch die Schule vorbereitet, könnten nicht systematisch denken und hätten keine Arbeitsmoral. Was machen Sie für Erfahrungen mit Ihren Auszubildenden?

Grupp: Nur positive. Das liegt aber daran, dass wir uns bestens um unsere Auszubildenden kümmern. Das Unternehmen ist ihre zweite Familie - ich nenne das die Arbeitsfamilie. Jeder Azubi weiß, wenn er Leistung bringt, kriegt er eine Chance und kann weiterkommen.

KarriereSPIEGEL: Das behauptet doch jeder Betrieb.

Grupp: Aber anders als andere Betriebe übernehmen wir unsere Auszubildenden gern. Wir besetzen später die leitenden Positionen mit ihnen. Bei Trigema gibt es unter 1200 Mitarbeitern nur mich, der studiert hat. Alle anderen Führungskräfte kommen aus der betrieblichen Ausbildung, mit Ausnahme des technischen Leiters, der aber auch schon 22 Jahre bei uns ist.

KarriereSPIEGEL: Sind Sie der gute Geist der Nichtakademiker?

Fotostrecke

Azubi-Löhne: Tops und Flops bei der Bezahlung

Foto: Armin Weigel/ picture alliance / dpa

Grupp: Darum geht es nicht. Wenn ich qualifizierte Fachkräfte haben möchte, dann muss ich sie ausbilden. Ich kann nicht erwarten, dass mein Wettbewerber für mich ausbildet - und mir später seine besten Leute schickt und die schlechten für sich behält.

KarriereSPIEGEL: Andere Unternehmen scheinen genau darauf zu spekulieren.

Grupp: Bis vor wenigen Jahren, als wir noch nicht ständig über den Fachkräftemangel geredet haben, war es üblich, dass Unternehmen ihre Azubis nach der Ausbildung nicht immer weiterbeschäftigt haben. Das ist ein Fehler. Ich muss meinen Mitarbeitern eine Zukunftsperspektive bieten. Tue ich das nicht, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn sie nicht motiviert sind. Warum soll sich jemand anstrengen, der genau weiß, dass er nach der Ausbildung auf die Straße gesetzt wird?

KarriereSPIEGEL: Ein weiteres Ergebnis der McKinsey-Studie ist, dass viele Unternehmen Schwierigkeiten haben, überhaupt Bewerber anzulocken. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Grupp: Wenn Sie in Burladingen auf der Schwäbischen Alb sitzen, ist es in der Tat so, dass sicherlich keine Leute aus London oder Paris zu uns kommen wollen. Ich muss wissen, dass ich hier nicht ein attraktives Lebensumfeld bieten kann, also muss ich dafür umso mehr attraktive Arbeitsplätze bieten. Die kann ich dann auch problemlos mit Bewerbern aus unserer Region besetzen.