Typologie Welcher Kaffeetrinker sind Sie?

Kaffee gehört zum Bürojob wie Pflanzen in den Garten. Doch nicht jeder konsumiert ihn gleich. Lesen Sie hier von Kaffeeholikern und Zuckerschnäuzchen.

Lina Moreno/ DER SPIEGEL

Von , und (Illustrationen)


Apfelschorle, Bier und Kaffee dürften, gemessen am Konsum, als deutsche Nationalgetränke durchgehen. Im vergangenen Jahr trank jeder Deutsche im Schnitt 164 Liter Kaffee, wie der Deutsche Kaffeeverband mitteilte. Die Nummer eins blieb dabei der klassische, gemahlene Filterkaffee - mit einem Marktanteil von 57 Prozent. Latte Macchiato und Cappuccino können auf der Beliebtheitsskala nicht mithalten.

Doch nicht nur die Kaffeegetränke sind unterschiedlich, sondern auch die Art, sie zu konsumieren. Man braucht kein Anthropologe zu sein, um das feststellen zu können. Lesen Sie hier, welche Kaffeetrinkertypen wir in der Redaktion identifiziert haben. Welcher steht Ihnen am nächsten?


Die Kaffeeholikerin
homo coffeiniensis Ultimatum

Lina Moreno/ DER SPIEGEL

... trinkt zwei Tassen Filterkaffee und einen Mokka, bevor sie morgens den ersten Schluck Wasser zu sich nimmt. Wann immer Sie dieser Kollegin begegnen, ist sie kaffeehigh. Seien Sie froh. Morgens direkt nach dem Aufstehen ist es zwischenmenschlich schwierig mit ihr. Wenn ihr Mann es sich zeitlich erlauben kann, bleibt er liegen, bis er das heulende Mahlen der Kaffeemaschine in der Küche hört. Auch alle Kollegen wissen: Hat sie ihren Koffeinspiegel erreicht, ist sie eigentlich ganz nett.

Kennzeichen: Gelbe Zähne und Mundgeruch

Natürlicher Feind: Der Putzdienst, wenn er mit dem Entkalkungsmittel für die Kaffeemaschine anrückt.

Natürlicher Nutzen: Vernichtet auch solche Kaffeereste, die den ganzen Vormittag auf der Warmhalteplatte verdichtet wurden.


Der Gruppendrucktrinker
homo coffeiniensis opportunum

Lina Moreno/ DER SPIEGEL

... mag eigentlich keinen Kaffee. Aber er schafft es nicht, das im Büro zuzugeben. Spätestens wenn die Kollegen nach dem Mittagessen an den Kaffeeautomaten pilgern, trottet er hinterher, um nicht als Außenseiter zu gelten. Hat schon zu Schulzeiten nur geraucht, um dabei zu sein. An guten Tagen zieht er sich aus dem Automaten einen Tee, an schlechten einen Latte Macchiato. Mit extra Milchschaum.

Kennzeichen: Hat meistens eine halbe Tasse kalten Kaffee auf dem Schreibtisch stehen, die von einer seiner Mittagspausen übrig ist und langsam Schimmel ansetzt.

Natürlicher Feind: Kaffee.

Natürlicher Nutzen: Hält das Gespräch am Automaten am Laufen - denn deshalb ist er ja eigentlich da.


Das Zuckerschnäuzchen
homo coffeiniensis saccharum

Lina Moreno/ DER SPIEGEL

... konsumiert Kaffee wie eine Mahlzeit: mit doppelt Zucker und dreifach Milch. Kaffee erfüllt bei ihm nicht den Zweck, den Kreislauf anzuregen. Er füllt das Loch, das andere nachmittags mit einem Schokoriegel stopfen. Ist für Smalltalk in der Kaffeeküche mäßig geeignet, weil er meistens dort aufschlägt, wenn sich die großen Massen schon verlaufen haben.

Kennzeichen: Ist etwas mollig und lehnt auch einen Keks oder ein Stück Kuchen selten ab.

Natürlicher Feind: Insulin.

Natürlicher Nutzen: Ist der Einzige, der die trockenen Kaffeekekse aufisst. Weil er sie wirklich, wirklich gern mag.


Der Herzkranzkoffeinist
homo coffeiniensis coronaris

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... hält Herzinfarkt nicht für ein Gesundheitsrisiko, sondern für einen Lebensstil. Kaffee ist bei ihm in der Regel tiefschwarz und hoch dosiert. Er kippt mehrmals am Tag einen Espresso in seine linke Herzkammer. Stets eilt er hyperaktiv durch die Flure und trommelt bei Meetings mit seinen Knöcheln auf den Tisch. Mittags erzählt er gern von seinem Rennrad in der Garage, das er am Wochenende wieder spazieren fahren will.

Kennzeichen: Hagerer Körperbau und zuckende Augenlider

Natürlicher Feind: Sein Kardiologe, der ihm das alles schon seit Jahren ausreden will.

Natürlicher Nutzen: Der letzte Klinikaufenthalt hat seinem Kardiologen den Maserati finanziert.


Die Kaffeeverkosterin
homo coffeiniensis hypersensibilis

Lina Moreno/ DER SPIEGEL

... rümpft über das Automatengebräu aus der Büromaschine die Nase und genehmigt sich ausschließlich samstags und sonntags einen Cappuccino bei ihrem Lieblingscafé um die Ecke. Das mahlt von Katzen vorverdaute Bohnen, die nach Demeter-Standard angebaut werden, und schäumt schonend organische Landmilch auf. Sie ist Stammgast in dem Café, auch weil sie dort mit Sicherheit ihre Chefs nicht trifft.

Kennzeichen: Mitleidiger Blick, wann immer sie an der Kaffeeküche im Büro vorbeikommt. Engagiert sich in der Freizeit für die artgerechte Züchtung von Bachblüten.

Natürlicher Feind: Wo soll man anfangen?

Natürlicher Nutzen: Weiß als Einzige einen guten Kaffee zu schätzen.


Der Lactosegeplagte
homo coffeiniensis allergikum

Lina Moreno/ DER SPIEGEL

... würde gern literweise Latte Macchiato trinken, kann aber nicht ohne Weiteres, weil er keine Milch verträgt. Kommt morgens oft zu spät, weil er im Café neben der Firma ansteht, das für 4,99 Euro Latte mit Sojamilch zubereitet. Für Klausur- und Konferenztage, an denen der vegane Kaffeenachschub schwierig zu gewährleisten ist, hat er Tabletten gegen die Magenprobleme dabei. Vergisst aber oft, sie einzunehmen, und fehlt dann in der zweiten Tageshälfte.

Kennzeichen: Bringt aus jedem Urlaub neue Horrorstorys von Restauranterlebnissen mit. Leidet unter Blähbauch.

Natürlicher Feind: Der Pumpenschlauch am Kaffeeautomaten im Büro. Er würde sich ja schwarzen Kaffee zubereiten und seine mitgebrachte Hafermilch dazugießen. Aber der Schlauch starrt vor alten Milchresten.

Natürlicher Nutzen: Wenn er verzweifelt ist, reinigt er den Pumpenschlauch dann doch - was sonst niemand macht. Ohne seine Einsätze am Pumpenschlauch wäre die halbe Belegschaft wohl längst an einer Pilzvergiftung gestorben.

Preisabfragezeitpunkt:
05.11.2019, 11:39 Uhr
Ohne Gewähr

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Die Filterblasenkonsumentin
homo coffeiniensis normalo

Lina Moreno/ DER SPIEGEL

... kann ganzen Bohnen und Kapseln nichts abgewinnen und aufgeschäumter Milch schon gar nicht. Weiß auch gar nicht, wie man die 10.000-Euro-Maschine in der Kaffeeküche bedient und will es auch nicht lernen. Bringt täglich ihre eigene Thermoskanne mit ins Büro, die das Gesöff darin bis zum späten Nachmittag immerhin lauwarm hält.

Kennzeichen: fortgeschrittenes Alter und Untertasse mit Blümchenmuster

Natürlicher Feind: Die Kollegen, die bei ihr Schlange stehen, wenn die 10.000-Euro-Maschine mal wieder spinnt.

Natürlicher Nutzen: Hat für oben beschriebenen Fall immer eine Thermoskanne dabei.

insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
annoo 09.11.2019
1. Wunderbar
Ich habe herzlich gelacht. Und ich glaube ich kenne jeden einzelnen Typen oder kann ihn mir zumindest gut vorstellen. Ich könnte der Gruppentrinker sein. Jetzt weiß ich auch, weshalb mein Kaffee im Büro oft kalt auf meinem Schreibtisch steht. :-)
thomas387 09.11.2019
2. So also trinkt man beim 'Spiegel' Kaffee?
Lauter Karikaturen der Oberflächlichkeit? Kann ich gar nicht glauben. Es muss darin auch Kaffee-Netz-gestählte Experten geben, die ihren Siebträger nach jahrelangem Tüfteln mit PID, Microwaage und mineralienreduziertem Brühwasser endlich zu Höchstleistungen veranlasst haben. Wozu schließlich hat man das Recherchieren gelernt und das genaue Hinsehen? Und wo bleiben die Blümchen-Trinker? Die To-Go-Enthusiasten, denen der stete warme Schluck jene Nährwerte zuführt, deren ihre Seele bedarf? Die Mühe, die man bei Schreiben dieser Glosse auf solcherart Typologie verwendet hat, hätte ich eher in die Zubereitung einer guten Tasse Kaffee gesteckt. Das nämlich ist gar nicht so einfach. Über- und Unterextraktion begleiten gefährlich den schmalen Grat dessen, was allein dem Typus eines Getränkes gerecht wird, das weltweit einzigartig ist und in seinem Massenkonsum jegliche Wertschätzung verloren hat. Da kann man sich, darin haben die Autoren Recht, darüber nur lustig machen.
AxelSchudak 09.11.2019
3. Es fehlt...
der Teetrinker. Trinkt eigentlich lieber Tee, aber weil der Tee, den man im Büro bekommt, so grottenschlecht ist (häufig in Kaffekannen gemacht), trinkt er lieber gleich Kaffee. Artverwandt mit dem Gruppendrucktrinker, nur ohne Gruppendruck...
Sique 09.11.2019
4.
Zitat von AxelSchudakder Teetrinker. Trinkt eigentlich lieber Tee, aber weil der Tee, den man im Büro bekommt, so grottenschlecht ist (häufig in Kaffekannen gemacht), trinkt er lieber gleich Kaffee. Artverwandt mit dem Gruppendrucktrinker, nur ohne Gruppendruck...
Es fehlt auch der militante Teetrinker. Er bereitet sich seinen Tee selbst zu, aus Teedosen mit Aufdrucken, die mindestens mit T.G.F.O.P., wenn nicht F.B.O.P.F. oder gar F.T.G.F.O.P.1. und ähnlichen kryptischen Zeichenkombinationen bedruckt sind. Er hat eine größere Kollektion von Teesieben und Tee-Eiern in der Büroküche deponiert und verfügt über ein Laborthermometer, damit er den Pai Mu Dan und den Mao Feng Cris Cross ja nicht mit mehr als 79°C Wassertemperatur kränkt. Referiert gern über die Feinheiten der Tees. Trinkt seine Teetasse immer nur halb aus, erst, weil der Tee zu heiß ist, dann, weil kalter Tee die Aromen nicht mehr voll genug entfaltet.
Little_Nemo 09.11.2019
5. Büroküchen-Gandalfe
Zitat von SiqueEs fehlt auch der militante Teetrinker. Er bereitet sich seinen Tee selbst zu, aus Teedosen mit Aufdrucken, die mindestens mit T.G.F.O.P., wenn nicht F.B.O.P.F. oder gar F.T.G.F.O.P.1. und ähnlichen kryptischen Zeichenkombinationen bedruckt sind. Er hat eine größere Kollektion von Teesieben und Tee-Eiern in der Büroküche deponiert und verfügt über ein Laborthermometer, damit er den Pai Mu Dan und den Mao Feng Cris Cross ja nicht mit mehr als 79°C Wassertemperatur kränkt. Referiert gern über die Feinheiten der Tees. Trinkt seine Teetasse immer nur halb aus, erst, weil der Tee zu heiß ist, dann, weil kalter Tee die Aromen nicht mehr voll genug entfaltet.
Nicht zu vergessen, er hat auch eine Hochpräzisionsatomuhr, damit sein Tee exakt die richtige Dauer zieht. Denn ab 3 Minuten und einer Nanosekunde verwandelt sich das Gebräu auf wundersame Weise von einem Hallo-Wach-Aufguss in ein Sedativum, wenn nicht gar Anästhetikum.
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