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Untersuchung zu überlangen Arbeitszeiten Wenn die 48-Stunden-Woche normal ist

41,3 Stunden dauert die durchschnittliche Vollzeit-Arbeitswoche, bei 48 Stunden fangen überlange Arbeitszeiten an. Immerhin jeder neunte Arbeitnehmer in Vollzeit muss so lange ran - mit steigender Tendenz.
Überstundeneintrag im Kalender

Überstundeneintrag im Kalender

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

11,4 Prozent der Vollzeit-Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten 48 Stunden oder länger pro Woche - und verbucht damit regelmäßig überlange Arbeitszeiten. Das zeigt die Studie "Qualität der Arbeit - Geld verdienen und was sonst noch zählt ", die das Statistische Bundesamt vorgestellt hat.

Dabei sind die Arbeitnehmer davon unterschiedlich betroffen. Es gibt mehrere entscheidende Faktoren:

  • Je älter der Arbeitnehmer, desto größer das Risiko überlanger Arbeitszeiten. Während bei den unter 25-Jährigen nicht einmal zwei Prozent auf die 48 Wochenstunden kommen, steigt die Arbeitslast mit zunehmendem Alter immer mehr an. Bei den 55- bis 60-Jährigen liegt der Anteil bei 14,4 Prozent.
  • Selbstständige sind deutlich öfter betroffen als Angestellte. 51 Prozent derjenigen, die ihr eigener Chef sind, arbeiten besonders lang. Bei Arbeitnehmern in Vollzeit sind es dagegen nur sechs Prozent. Ähnlich ist das Verhältnis zwischen Managern und Angestellten. "Bei Führungskräften und vor allem Selbstständigen ist überlanges Arbeiten fast normal", sagt Georg Thiel, Vizepräsident des Statistischen Bundesamts.
  • Das Geschlecht spielt eine entscheidende Rolle. "Von den überlangen Arbeitszeiten waren vor allem Männer betroffen: 14 Prozent hatten gewöhnlich überlange Arbeitszeiten - gegenüber sieben Prozent bei den Frauen", sagt Frank Schüller vom Statistischen Bundesamt - ein Unterschied, den es bereits seit Anfang der Neunzigerjahre gibt.
Foto: SPIEGEL ONLINE

Was Vielarbeiter und die anderen Erwerbstätigen gemein haben: Ein großer Teil klagt über erhebliche Belastungen durch den Job, vor allem durch Termindruck. Durchschnittlich 40 Prozent aller Arbeitnehmer nehmen diesen Druck und die Intensität der Arbeit als Problem wahr.

Dabei liegt der Wert bei Männern mit 44 Prozent deutlich höher als bei Frauen (36 Prozent). Keine Unterschiede konnten die Arbeitsmarktforscher dagegen beim Blick auf verschiedene Branchen feststellen: Angestellte in der Anlagen- und Maschinenbedienung sowie im Handwerk leiden ähnlich stark unter einer zu hohen Termindichte.

Ein weiterer Befund der Studie: Die durchschnittliche Arbeitszeit der Voll- und Teilzeitbeschäftigten geht seit der Wiedervereinigung zurück. Kamen die deutschen Arbeitskräfte 1991 noch auf durchschnittlich 38,4 Wochenstunden, lag der Wert 2016 nur noch bei 35,1 Stunden - zwei weniger als im europäischen Durchschnitt.

Den Rückgang führen die Forscher auf die Zunahme der Teilzeitstellen zurück. Deren Anteil an den Jobs hat sich seit 1991 von 14 auf 28 Prozent verdoppelt. Während die Vollzeiter mit ihrer Arbeitsleistung von durchschnittlich 41,3 Stunden pro Woche im gleichen Zeitraum nahezu konstant blieben, senkten die zusätzlichen Teilzeitstellen den Durchschnittswert für alle Arbeitnehmer um über drei Stunden pro Woche ab.

mit Material von dpa
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