Überstunden von Lehrern "Kollegen, die auf dem Zahnfleisch kriechen"

Sie haben vormittags recht und abends frei: Das Vorurteil, wonach Lehrer ein entspanntes Leben haben, hält sich hartnäckig. Hier erzählen vier, ob es wirklich so ist - und wie viele Überstunden sie machen müssen.

Lehrer und Schüler (Archivbild)
DPA

Lehrer und Schüler (Archivbild)


Unterrichten ist das eine. Daneben organisieren Lehrer Elternabende, begleiten Klassenfahrten und korrigieren Klausuren. Der Job sei viel mehr als ein paar Stunden vor einer Klasse zu stehen, betonen Lehrkräfte und -verbände immer wieder.

Sie drängen darauf, dass ihre gesamte Arbeitszeit besser berücksichtigt und genau erfasst werden sollte. Anlass für die jüngsten Forderungen ist unter anderem ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, wonach Arbeitgeber zur Arbeitszeiterfassung ihrer Arbeitnehmer verpflichtet sind.

Wie viel Lehrer offiziell arbeiten müssen und wie viel es am Ende wirklich ist, hat der SPIEGEL einige von ihnen gefragt.


"Ich bin Lehrerin für Mathe, Physik und Geschichte. Fünf Stunden in der Woche gebe ich Unterricht, der Rest meiner Arbeit besteht aus Verwaltung: Ich muss Feste, Veranstaltungen und Klassenfahrten organisieren, kontrollieren und genehmigen, mit Eltern reden, bin für die Kommunikation nach innen und außen verantwortlich. Gerade stehen wir kurz vor der Zeugnisvergabe und stecken mitten im Aufnahmeverfahren für das nächste Schuljahr.

Ich arbeite mehr als ich muss. Trotzdem will ich mich nicht beklagen, denn die Arbeit macht mir nach wie vor viel Spaß. Auch wenn ich abends erst später von einem Sommerfest nach Hause komme, gibt mir das viel zurück. Das geht allerdings nicht jedem meiner Kollegen so, denn vor allem die Elternarbeit ist deutlich anspruchsvoller geworden. Bei einer schlechten Note taucht auch schon mal ein Rechtsanwalt auf oder die Eltern beschweren sich im Gespräch. Lehrer sollen heutzutage viel mehr leisten, viel vielfältiger unterrichten.

Seit 1985 arbeite ich als Lehrerin. Seitdem habe ich fünf Kollegen erlebt, die einen Burn-out bekommen haben. Sie haben deutlich mehr geleistet als sie müssten - und wurden ihren eigenen Ansprüchen trotzdem nicht gerecht."

Kathrin Wiencek, Vorsitzende des Philologenverbands in Berlin-Brandenburg und Direktorin eines Gymnasiums


"In Nordrhein-Westfalen müssen wir mindestens 25,5 Stunden pro Woche unterrichten, dazu kommen Vor- und Nachbereitung, Elterngespräche, Veranstaltungen, mindestens eine Konferenz oder Korrekturen von Tests oder Klausuren. Immer wenn Schüler Pausen machen, haben Lehrer keine: Wir sprechen mit Schülern oder Kollegen, wechseln Klassenräume, sind für die Pausenbetreuung verantwortlich.

Offiziell hatte ich früher eine 40-Stunden-Woche, habe aber ungefähr fünf Stunden mehr gearbeitet. Vor fünf Jahren hätte ich eigentlich in den Ruhestand gehen können. Allerdings hat mir die Arbeit mit meinem Kollegen und Schülern, vor allem mit denen aus der Oberstufe, immer viel gegeben. Deshalb habe ich mich entschieden, weiterzuarbeiten und springe jetzt unter anderem für Kolleginnen im Mutterschutz ein. Dadurch, dass ich schon so lange als Lehrer arbeite, ist der Aufwand, den ich in die Vorbereitung in den Unterricht stecke, mittlerweile relativ gering.

Als Lehrer hat man unheimlich viel Verantwortung: Was meine Schüler lernen und wie sie sich entwickeln, hängt natürlich auch von meinem persönlichen Engagement ab. Letztendlich geht es um die Frage: Wie will ich meinen Unterricht vorbereiten, was will ich erreichen? Man muss wirklich aufpassen, dass man nicht zu viel arbeitet. Gerade als junger Lehrer musste ich mich deshalb öfter bremsen und daran erinnern: Letztendlich bin ich nur Lohnerzieher. Das ist unheimlich schwer, weil mir meine Schüler und Schülerinnen natürlich wichtig sind."

Gesamtschullehrer aus Aachen


"Es gibt viele Kollegen, die komplett auf dem Zahnfleisch kriechen. Ich muss 46,5 Stunden pro Woche arbeiten. Zur Zeit stehen gerade mit der Digitalisierung viele Veränderungen an, da arbeite ich vielleicht 49 Stunden, es gibt aber auch wieder ruhigere Wochen. Dann habe ich in diesem Schuljahr zwei Reisen gemacht, jeweils eine Woche, was schon etwas schlaucht. In der Abiturzeit habe ich einige Wochenenden beide Tage ganztägig korrigiert."

Gymnasiallehrer aus Hamburg


"Ich habe keine Kinder, deswegen ist die Arbeit für mich leichter als für Kollegen zwischen 30 und 40, die auch noch Familie haben. Doch in den drei bis vier Wochen vor der Zeugnisabgabe sind alle von uns überfordert und überlastet. Dann arbeite ich nicht 48 Stunden, wie in Hamburg für Lehrer an Stadtteilschulen vorgesehen, sondern eher 60 Stunden in der Woche.

In diesen Phasen zweimal im Jahr nehme ich mir auch an den Wochenenden nichts Privates vor. In den ersten Berufsjahren war ich auch in den Monaten dazwischen ständig gestresst. Doch inzwischen habe ich gelernt: Wenn ich weiß, dass die nächsten Wochen heftig werden, erkläre ich die zwei Wochen davor zu meiner persönlichen Erholungsphase und arbeite bewusst etwas weniger."

Lehrerin an einer Stadtteilschule in Hamburg

nil/faq/lov/him/fok



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telarien 18.06.2019
1. Die alte Geschichte
Wenn wir Ferien, Brückentage, Lehrerausflug usw. rausrechnen, dann ist der Aufwand überschaubar. Ja, man müssen mal Arbeiten korrigieren werden und auch mal mit Eltern gesprochen werden, aber hier wollen sich Lehrer unter dem Strich nur selbst beweihräuchern. In anderen Berufen muss man mehr Zeit investieren. Warum wohl sitzen so viele Lehrer im Bundestag? Für den Weg dahin braucht es nämlich Freizeit.
franz.v.trotta 18.06.2019
2.
Zitat von telarienWenn wir Ferien, Brückentage, Lehrerausflug usw. rausrechnen, dann ist der Aufwand überschaubar. Ja, man müssen mal Arbeiten korrigieren werden und auch mal mit Eltern gesprochen werden, aber hier wollen sich Lehrer unter dem Strich nur selbst beweihräuchern. In anderen Berufen muss man mehr Zeit investieren. Warum wohl sitzen so viele Lehrer im Bundestag? Für den Weg dahin braucht es nämlich Freizeit.
Der Sozialwissenschaftler Frank Mußmann von der Universität Göttingen konstatiert: "Es fehlen Erholungsmöglichkeiten in den Schulpausen, die Sieben-Tage-Woche ist in der Schulzeit quasi obligatorisch und die Entgrenzung der Arbeitszeit ist fast die Regel."
monsieurlechef 18.06.2019
3. Blabla
Ich würde nie auf die Idee kommen, meinem Zahnarzt in seine Diagnose hinein zu reden, mir fehlt dazu der Sachverstand. Ich würde nie auf die Idee kommen, meiner Autowerkstatt zu sagen, wie sie mein Auto zu reparieren hat, davon habe ich keine Ahnung. Nur aufgrund der Tatsache, dass alle mal in der Schule waren, glauben viele, die Arbeitsbelastung von Lehrern beurteilen zu können. Stimmt aber nicht, kann ich nur beurteilen, wenn ich es selbst erlebt habe. Ansonsten, sich ärgern und neidisch sein.
ramuz 18.06.2019
4. Die alte Leier!
Zitat von telarienWenn wir Ferien, Brückentage, Lehrerausflug usw. rausrechnen, dann ist der Aufwand überschaubar. Ja, man müssen mal Arbeiten korrigieren werden und auch mal mit Eltern gesprochen werden, aber hier wollen sich Lehrer unter dem Strich nur selbst beweihräuchern. In anderen Berufen muss man mehr Zeit investieren. Warum wohl sitzen so viele Lehrer im Bundestag? Für den Weg dahin braucht es nämlich Freizeit.
Lehrer haben keine Brückentage, weil sie die Urlaube nicht nach Belieben wählen können wie in sonstigen Berufen machbar. Welchen "Lehrerausflug" meinen Sie? Den eventuell einmal auserhalb (!) der Unterrichtszeit stattfindenden Kollegentrip mit Weiter- oder Bildungshintergrund. "Mal Arbeiten korrigieren" werden... ja... Ihre Deutschaufggaben wurden klar ein paarmal zu wenig "korrigieren" . Ich wünsche Ihnen mal 25 Schulaufgaben eines Deutsch-Leistungskurses zu "korrigieren" an den Hals - udn das ist wirklicheine üble Voodoo-Verwünschung. "Mal mit Eltern" gesprochen werden .... jaaa. oder sich mit deren Anwalt auseinandersetzen; Elternabende vorbereiten und leiten, Sprechstunden dto, Anrufe beantworten, ... also alles "mal so nebenbei." "Warum wohl sitzen so viele Lehrer im Bundestag? Für den Weg dahin braucht es nämlich Freizeit." Neeeee , mein Lieber: das dortige Arbeiten ist für jeden Lehrer gegenüber seinem Schul-Erleben Erholung pur, viel weniger Zeitaufwand, weniger Stress, weniger Arbeit für viel mehr Geld! Deswegen! Aber.. ich denke nicht, dass Sie - weder von dem einen noch von dem anderen - die geringste Ahnung haben. Aber Hauptsache, mal gebrüllt, Löwchen!
aktiverbeobachter 18.06.2019
5. Gut gebrüllt.
Zitat von ramuzLehrer haben keine Brückentage, weil sie die Urlaube nicht nach Belieben wählen können wie in sonstigen Berufen machbar. Welchen "Lehrerausflug" meinen Sie? Den eventuell einmal auserhalb (!) der Unterrichtszeit stattfindenden Kollegentrip mit Weiter- oder Bildungshintergrund. "Mal Arbeiten korrigieren" werden... ja... Ihre Deutschaufggaben wurden klar ein paarmal zu wenig "korrigieren" . Ich wünsche Ihnen mal 25 Schulaufgaben eines Deutsch-Leistungskurses zu "korrigieren" an den Hals - udn das ist wirklicheine üble Voodoo-Verwünschung. "Mal mit Eltern" gesprochen werden .... jaaa. oder sich mit deren Anwalt auseinandersetzen; Elternabende vorbereiten und leiten, Sprechstunden dto, Anrufe beantworten, ... also alles "mal so nebenbei." "Warum wohl sitzen so viele Lehrer im Bundestag? Für den Weg dahin braucht es nämlich Freizeit." Neeeee , mein Lieber: das dortige Arbeiten ist für jeden Lehrer gegenüber seinem Schul-Erleben Erholung pur, viel weniger Zeitaufwand, weniger Stress, weniger Arbeit für viel mehr Geld! Deswegen! Aber.. ich denke nicht, dass Sie - weder von dem einen noch von dem anderen - die geringste Ahnung haben. Aber Hauptsache, mal gebrüllt, Löwchen!
Wenig überzeugende Argumente. Es ist nunmal so, dass (verbeamtete) Lehrer nur ca 23 Wochenstunden geregelte Arbeitszeit haben, 14 Wochen Ferien im Jahr haben, unkündbar sind, Pensionsansprüche haben, PKV beziehen. Das ist alles schon ziemlich toll im Vergleich zu einem Job in der freien Wirtschaft bei ähnlichem Nettogehalt. Dass es durchaus auch stressige Zeiten im Lehrerdasein gibt, glaube ich Ihnen gerne, aber das wäre ja auch nochmal schöner, wenn Sie für diese ganzen außergewöhnlichen Vorteile auch noch einen immer lauen Job hätten.
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