Regierungsplan Überstunden in den USA sollen besser bezahlt werden

Wenig Urlaub - und viele unbezahlte Überstunden. So sieht der Alltag vieler Arbeitnehmer in den USA aus. Doch das soll besser werden: Mehr als vier Millionen Angestellte haben künftig Anspruch auf bezahlte Mehrarbeit.

Kassen in einem Walmart, New Jersey
REUTERS

Kassen in einem Walmart, New Jersey


Unbezahlte Überstunden könnten für mehr als vier Millionen Amerikaner bald vorbei sein. Die US-Regierung hat eine Regelung entworfen, nach der Unternehmen Mehrarbeit künftig besser entlohnen müssen.

An diesem Mittwoch will das Arbeitsministerium die neue Regelung vorstellen. Ihr Inhalt ist bereits bekannt. Demnach müssen Firmen ihren Angestellten das Anderthalbfache ihres Gehalts für die Überstunden zahlen, die über eine 40-Stunden-Woche hinausgehen.

Das gilt allerdings nur für Arbeitnehmer, die weniger als 47.500 Dollar im Jahr verdienen. Doch immerhin: Bisher hatten nur Menschen mit einem Einkommen unter 23.660 Dollar einen Anspruch auf bezahlte Überstunden.

Die Regierung schätzt, dass die neue Regel die Gehälter in den nächsten zehn Jahren um insgesamt 1,2 Milliarden Dollar anheben wird. Arbeitgeber könnten sich aussuchen, ob sie Überstunden senken, ausbezahlen - oder die Einkommen ihrer Angestellten von vornherein auf mehr als 47.500 Dollar erhöhen. "So oder so, der Arbeitnehmer gewinnt", sagte Vizepräsident Joe Biden am Dienstag im Gespräch mit Journalisten.

Die Regel dürfte vor allem den Einzelhandel, NGOs, das Hotel- und Gastronomiegewerbe sowie die Fast-Food-Branche betreffen, wo Menschen oft arbeitsintensive Managerpositionen für geringen Lohn übernehmen. Sie deckt nach Angaben der Regierung 35 Prozent aller Angestellten in Vollzeit ab.

Auf Druck von Arbeitgebervertretern hatte die Regierung die Untergrenze für bezahlte Überstunden von jährlich 50.000 Dollar auf 47.500 Dollar gesenkt. Außerdem tritt die Regel erst im Dezember in Kraft.

Trotzdem kritisieren Arbeitgeber die neuen Vorgaben. Sie warnen, dass sie nun Boni und Zuschüsse kürzen und Angestelltenverträge und Honorarverträge auf Stundenbasis umwandeln müssen. "Mit einem Federstrich degradiert das Arbeitsministerium Millionen Arbeiter", sagte David French vom Nationalen Einzelhandelsverband.

Präsident Barack Obama wehrte sich dagegen, dass die Regel der Wirtschaft schaden könnte. "Wenn Arbeitnehmer mehr Einkommen haben, geben sie es aus - oft in Geschäften in ihrer Umgebung - und das hilft der Wirtschaft zu wachsen", schrieb er auf der Website des Weißen Hauses.

lov/AP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.